1. Bundesliga 16/17
| 15.02 Uhr

Werder will Wende mit Nouri schaffen
Rekord-Fehlstart kostet Skripnik den Job

Porträt: Viktor Skripnik – Werder-Trainer, Publikumsliebling
Porträt: Viktor Skripnik – Werder-Trainer, Publikumsliebling FOTO: dpa, rwe hak
Bremen. Einen Tag nach dem sportlichen Offenbarungseid war die Geduld mit Viktor Skripnik auch offiziell zu Ende: Werder Bremen hat sich nach der Vereins-Rekordnegativserie von vier Pleiten in vier Pflichtspielen von seinem Cheftrainer getrennt.

Der Tabellenletzte hatte am Samstag 1:4 bei Borussia Mönchengladbach verloren und sich dabei in besorgniserregender Form präsentiert. Der 46-jährige Skripnik selbst hatte betont, nicht zurücktreten zu wollen – doch die anhaltende Talfahrt zwang die Klubführung zum Handeln. "Wir haben auf der Busfahrt noch einmal über die Situation gesprochen und sind dann zu der Entscheidung gekommen", sagte Werder Bremens Sportchef Frank Baumann am Sonntag.

"Es fehlte die Überzeugung"

Als Interimstrainer soll nun der bisherige U23-Coach Alexander Nouri den strauchelnden Traditionsklub auf das Duell bei Mainz 05 am Mittwoch (20 Uhr/Live-Ticker) vorbereiten. "Wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen, weil uns nach der Leistung in Gladbach die Überzeugung fehlte, dass es in der bestehenden Konstellation möglich ist, zeitnah eine Wende zum Positiven herbeizuführen", sagte Sportdirektor Frank Baumann bei Verkündung der Entscheidung am Sonntag.

"Wir möchten uns bei Viktor und seinen Co-Trainern für die Arbeit in den vergangenen Jahren bedanken", sagte Baumann, der Nouri seine volle Unterstützung ankündigte: "Er ist ein gewissenhafter, ehrgeiziger Fußballlehrer, dem wir zutrauen, die Mannschaft erfolgreich in die nächsten Partien zu führen."

Der geschasste Coach Skripnik verabschiedete sich noch in der Nacht zum Sonntag nach der Ankunft des Mannschaftsbusses am Weserstadion vom Team. Das Regenerationstraining am Sonntagmorgen leiteten Axel Dörrfuß, Leiter Athletik und Performance, und Athletiktrainer Günther Stoxreiter.

Persönliche Niederlage für Frank Baumann

Die Beurlaubung Skripniks, der am 25. Oktober 2014 die Werder-Profis als Trainer und Nachfolger von Robin Dutt übernommen hatte, ist auch ein erster schwerer Rückschlag für Baumann. Erst seit Mai ist der Ex-Nationalspieler Sportdirektor, er übernahm das Amt von Thomas Eichin, der Skripnik wohl schon mit dem Ende der vergangenen Saison entlassen wollte.

Doch die Werder-Führung um Aufsichtsratsboss Marco Bode sprach damals ein Machtwort und propagierte den besonderen "Werder-Weg". Baumann verlängerte vor Saisonbeginn den Vertrag von Skripnik bis 2018 – und musste nun erkennen, dass er in seiner Einschätzung offenbar falsch lag.

Der Auftritt in Mönchengladbach war erschütternd. Schon zur Pause lag das Team um Kapitän Clemens Fritz aussichtslos mit 0:4 zurück und knüpfte dabei im Negativen an den ohnehin schon deutlich missglückten Saisonstart an. "Über die erste Halbzeit brauchen wir nicht viel zu reden, weil das einfach eine Katastrophe war. Das war peinlich", sagte Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic bei Sky.

Pleiten gegen Lotte, Bayern, Augsburg und Gladbach

Erst hatten sich die Grün-Weißen im Pokal beim Drittligisten Sportfreunden Lotte blamiert (1:2), dann folgte eine Klatsche bei Bayern München (0:6) und eine verdiente Niederlage gegen den FC Augsburg (1:2). Skripniks Taktik und personellen Entscheidungen in Gladbach gingen komplett daneben. Wohl auch dies hat für die schnelle Trennung gesorgt.

Es wird kein leichter Job für Nouri, kurzfristig bei den verletzungsgebeutelten Bremern für eine schnelle Trendwende zu sorgen. Auch der 40-Jährige wird zunächst unter anderem weiter ohne Claudio Pizarro (Muskelprobleme) und Max Kruse (Knie-OP) auskommen müssen.

Doch immerhin kommt der Ex-Profi mit einer Menge Selbstvertrauen. In der 3. Liga führte er Werders Reserve in den vergangenen vier Spielen zu drei Siegen.

(sid)
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