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WM-Affäre
Drohungen gegen ermittelnde Oberstaatsanwältin

Steuerfahnder durchsuchen DFB-Zentrale in Frankfurt
Steuerfahnder durchsuchen DFB-Zentrale in Frankfurt FOTO: dpa, brx fdt
Frankfurt/Main. Im Zuge der Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2006 ist die ermittelnde Oberstaatsanwältin in Frankfurt/Main bedroht worden und hat nun die Kriminalpolizei eingeschaltet.

Wie die "Bild" berichtet, erhielt Nadja Niesen eine E-Mail, in welcher der unbekannte Absender vor Konsequenzen warnt, "wenn Sie den DFB vor Gericht stellen". Neben der Aufforderung zur Einstellung der Ermittlungen soll auch ein Betrag von 30.000 Euro gefordert worden sein.

"Wir bekommen oft Wutmails, wenn wir gegen Persönlichkeiten ermitteln", sagte Niesen: "Aber diese E-Mail hat einen anderen Charakter, ich habe die Kripo eingeschaltet. Rechtlich gesehen geht es hier um räuberische Erpressung. Das heißt, um ein Verbrechen mit einer Strafandrohung von mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe."

Fotos: Niersbach sieht Spiel in Mainz mit Freundin Marion FOTO: dpa, fve kno

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, sein Vorgänger Theo Zwanziger und der frühere DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt gelten als Beschuldigte. Außer der DFB-Zentrale durchsuchten die Ermittler am vergangenen Dienstag auch Privaträume der verdächtigten Personen.

Allofs legt Hand für Niersbach ins Feuer

VfL Wolfsburgs Manager Klaus Allofs schenkt Niersbach weiter sein vollstes Vertrauen. "Ich finde es insgesamt traurig und schade, wie jetzt mit ihm umgegangen wird, weil Wolfgang Niersbach – und dafür würde ich meine Hand ins Feuer legen – alles stets im Sinne des deutschen Fußballs getan hat", sagte der Europameister von 1980 in einem Interview mit dem "Bonner Generalanzeiger" und der "Kölnischen Rundschau".

Scharf kritisiert Allofs dagegen Niersbachs Vorgänger Theo Zwanziger, der Niersbach in der Affäre schwer belastet und sogar der Lüge bezichtigt hatte. "Ich bin enttäuscht, dass jemand, der im Sog des Fußballs zu einer anderen Bedeutung gekommen ist, Dinge erlebt hat, die er in dieser Form sonst nicht erlebt hätte, sich so verhält. Die nötige Aufklärung hätte in anderer Form erfolgen können. So sieht es jetzt stark nach der Begleichung alter Rechnungen aus", erklärte Allofs.

So reagiert das Netz auf die Steuer-Razzia beim DFB

Negative Auswirkungen der DFB-Affäre und des Skandals im Weltverband Fifa befürchtet Allofs nicht: "Das glaube ich nicht. Es wird die Menschen immer faszinieren, wenn der Ball rollt."

(sid)
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