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Handball-Champions-League
Kiel enttäuscht beim Finalturnier

Fotos: Kiel verliert Champions-League-Halbfinale gegen Veszprem
Fotos: Kiel verliert Champions-League-Halbfinale gegen Veszprem FOTO: dpa, mb
Köln. Der deutsche Meister unterliegt im "Final Four" der Handball-Champions League gegen MKB Veszprem aus Ungarn und KS Vive Kielce aus Polen. Er belegt damit nur Rang vier. Der FC Barcelona holte zum neunten Mal den Titel. Von Eckhard Czekalla

Plötzlich hatte Laszlo Nagy keine Lust mehr. Eigentlich stellen sich nach Spielschluss die Spieler einer Mannschaft in einer Reihe auf und lassen sich von den vorbeigehenden Gegnern abklatschen. Doch die Handballprofis des FC Barcelona feierten sich nach dem 28:23-Sieg im Finale der Champions League und ließen das Team von MKB Veszprem warten. Für Nagy, einst in Barcelona aktiv, zu lange. Er ging, und seine Mitspieler, einige verunsichert, folgten ihm. Blödes Ende eines Wochenendes, an dem Handball auf höchstem Niveau gearbeitet worden und bei dem für den THW Kiel nur der vierte und letzte Platz übrig geblieben war.

Für Barcelona mit seinem überragenden Anführer Nikola Karabatic war es der neunte Triumph, der erste seit 2011 und ein verdienter. Und Gudjon Valur Sigurdsson erlebte ein Happy End. Viermal schon war er beim Final 4 in Köln dabei, aber mit den Rhein-Neckar Löwen, Kopenhagen und Kiel blieb der Titel ein Traum. Im fünften Anlauf klappte es für den ehemaligen Bundesligaprofi.

Sie wollten zum vierten Mal die Trophäe für den Sieger der Champions League holen, am Ende blieben die Handballprofis des THW Kiel jedoch sieglos. Ihr Traum platzte im Halbfinale, zerstört von einer aggressiven Abwehr des ungarischen Meisters Veszprem und von Mirko Alilovic. Der kroatische Nationaltorhüter, nach 15 Minuten eingewechselt, raubte beim 31:27 (13:13)-Sieg im Halbfinale in der zweiten Halbzeit den Bundesligaprofis den Nerv. Und da der Rückraum des deutschen Rekordmeisters, als bester der Welt beschrieben, bis auf Aron Palmarsson (9 Treffer) gerade mal sieben Feldtore erzielte, war das Finale unerreichbar - auch weil den Spielern von Trainer Alfred Gislason viele technische Fehler unterliefen. "Das war ja fast eine Schlägerei in der Abwehr", sagte Marko Vujin, der 2012 von Veszprem nach Kiel gewechselt war.

"Wir wollten es besser machen als vor einem Jahr", sagte Alfred Gislason. Die Enttäuschung war groß, wenngleich der Isländer tapfer den Einsatz seiner Spieler lobte. Das Finale, das hätte es schon sein sollen. Doch es wurde ein siegloses Wochenende. Im kleinen Finale, in dem THW-Kapitän Filip Jicha wegen seiner Leistenbeschwerden geschont wurde, waren es erneut ein, zwei Szenen, die das Spiel in der Schlussphase beeinflussten.

Gegen Veszprem, zu dem Zeitpunkt durch eine Zeitstrafe mit einem Mann weniger auf dem Feld, hatte Jicha die Chance zum 25:27. Doch der Tscheche scheiterte an Alilovic. Gegen Kielce, das bereits vor zwei Jahren das kleine Finale gegen Kiel gewonnen hatte, stand Rune Dahmke im Fokus. Kurz zuvor hatte der Linksaußen zweimal Kielces Slawomir Szmal bezwungen, diesmal aber blieb der polnische Nationaltorhüter siegreich. Statt Ausgleich zum 27:27 fiel im Gegenzug das 26:28 - der Endstand.

"Du kannst nicht nach Köln kommen und erwarten, die Trophäe mit nach Hause zu nehmen", sagte Kiels Manager Torsten Storm. "Wir waren elf Tage ohne Spiel. Normalerweise sind wir jeden dritten Tag gefordert", sagte Vujin, der ein enttäuschendes Turnier spielte. Innerhalb der zurückliegenden 35 Tage hatte Kiel nur zwei Freundschaftsspiele und zwei Bundesligapartien absolviert. "Wir haben zwar super trainiert, aber die beste Vorbereitung ersetzt keinen Wettkampf", meinte Vujin. In beiden Begegnungen kam Kiel nie in den Spielfluss, konnte nicht das Selbstvertrauen aufbauen, das erforderlich ist, wenn man triumphieren will.

Jedes Jahr ein Titel, das ist die selbst gemachte Vorgabe in Kiel. Im nationalen Pokal scheiterte das Team im Viertelfinale an den Rhein-Neckar Löwen. In der Champions League reichte es "nur" zu Platz vier. Bleibt noch die Meisterschaft. Zwei Punkte Vorsprung und die um 39 Treffer bessere Tordifferenz im Vergleich zu Verfolger Rhein-Neckar - da sollte am Mittwoch in Hannover, spätestens aber am Freitag in eigener Halle gegen Lemgo der 20. Meistertitel perfekt gemacht werden.

Quelle: RP
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