| 13.47 Uhr

Turner ordnet dem Erfolg alles unter
Hambüchens Gold-Traum zum Abschluss

Das ist Fabian Hambüchen
Das ist Fabian Hambüchen FOTO: ddp
Den Verlockungen im Olympischen Dorf will sich Fabian Hambüchen partout noch nicht hingeben. Den gemütlichen Strandstuhl im Sonnenschein tauscht er lieber für ein schattiges Plätzchen auf der Holzbank ein, auch auf eine Mahlzeit im Burgerrestaurant verzichtet der Reck-Riese gerne.

"Das ist mir echt zu doof, mich dort anzustellen", sagt Hambüchen. Und überhaupt: "Am Dienstag steht ja noch der finale Höhepunkt an." Sein letzter Kampf um olympisches Gold.

Wenn Hambüchen in Rio um 15.34 Uhr Ortszeit (20.34 Uhr MESZ) an sein Paradegerät geht, will er als erster von acht Startern "gut einen vorlegen". Eine Handvoll Finalisten, glaubt der 28-Jährige, könnten ihm die fehlende Goldmedaille streitig machen. "Das sind alles echte Knallertypen. Die können jederzeit einen raushauen", sagte Hambüchen dem SID.

London-Olympiasieger Epke Zonderland (Niederlande) gehört zu den Favoriten, auch der 20 Jahre alte Brite Nile Wilson meldete in der Qualifikation Gold-Ansprüche an. Aber niemand war im Vorkampf an die hohe Wertung des Wetzlarers Hambüchen herangekommen, auch "König" Kohei Uchimura nicht – der Weltmeister aus Japan scheiterte in der Quali.

"Das heißt leider gar nichts. Es geht wieder bei Null los", sagte Hambüchen. Entspannt und "mit einem Lächeln" wolle er an den großen Auftritt herangehen, locker bleiben und das übliche Programm abspulen. "Ich werde jetzt nicht probieren, etwas Besonderes zu tun oder zu zaubern", versicherte er. Das muss er ja auch gar nicht.

Die komplexe Übung, die er nach der hartnäckigen Schulterverletzung nun schon unzählige Male traumwandlerisch sicher geturnt hat, brachte ihn erst nach Rio - und dort in den ganz engen Favoritenkreis. Hambüchen versucht zwar, jegliche Gedanken an Edelmetall beiseite zu schieben. Sollte es mit der Medaille aber klappen, wäre das "die Riesenbelohnung für die harte Arbeit in den vergangenen Jahren und ein krönender Abschluss".

Nicht zuletzt wegen der Blessuren in der Schulter beendet der frühere Reck-Weltmeister in Rio seine internationale Karriere. Ob er nach dem Reck-Auftritt am Dienstag noch in der Bundesliga an die Geräte gehen wird, ließ er vor dem Finale offen – mit seinen 40 deutschen Meistertiteln sollte Hambüchen für die nationale Konkurrenz aber definitiv noch gewappnet sein.

Um Erfolge allein geht es dem Sportstudenten jedoch nicht (mehr), es sind die Momente, die für ihn zählen. Beim Rückblick auf die Karriere nannte er daher seine ersten Spiele in Athen als besonderes Ereignis, "ich wurde mit vielen tollen Eindrücken überschüttet", sagte Hambüchen. Der schönste Eindruck aber steht ihm vielleicht noch bevor.

(sid)
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