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Eishockey-Routinier
Deutscher Fahnenträger? Ehrhoff lässt sich überraschen

Fotos: Christian Ehrhoff – Moerser, Ex-NHL-Profi, Olympia-Held
Fotos: Christian Ehrhoff – Moerser, Ex-NHL-Profi, Olympia-Held FOTO: DEB
Füssen. Mit 862 NHL-Spielen ist Christian Ehrhoff der Erfahrenste in der DEB-Auswahl. Er soll das Team auf dem Eis führen - und möglicherweise die gesamte deutsche Mannschaft als Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier.

Christian Ehrhoff hat eine Welle ausgelöst, eine Abstimmungswelle. Jedenfalls unter seinen Eishockey-Kollegen bei der Nationalmannschaft. Auch Bundestrainer Marco Sturm gab per Email extra nochmal eine Wahlanweisung für den Kandidaten als Fahnenträger. Ob es gereicht hat, ob Ehrhoff die deutsche Olympia-Mannschaft am Freitag bei der Eröffnungsfeier anführt? "Ich lasse mich überraschen, allein dafür infrage zu kommen, ist eine Riesenehre", sagt er.

Beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) finden sie, dass Ehrhoff durchaus Chancen hatte bei der Abstimmung, deren Sieger am Donnerstag verkündet wird. Verdient habe er es allemal. "Christian hat viele Fans in der ganzen Welt, und seine Lebensleistung prädestiniert ihn als Fahnenträger", sagt Verbandspräsident Franz Reindl mit reichlich Pathos über den bekanntesten Spieler der DEB-Auswahl.

Ehrhoff war einst der bestbezahlte Verteidiger in der NHL

Ehrhoff stand 2011 im Finale um den legendären Stanley Cup, er war einst der bestbezahlte NHL-Verteidiger, spielte insgesamt 862 Mal (Hauptrunde und Play-offs) in der besten Liga der Welt. In Pyoengchang nimmt Ehrhoff zum vierten Mal an Olympischen Spielen teil und führte nicht zuletzt die deutschen Nationalmannschaft 2010 im eigenen Land ins WM-Halbfinale.

Nach wie vor ist der inzwischen 35-Jährige unverzichtbar. "Er ist mein verlängerter Arm, ein absoluter Leader", sagt DEB-Coach Sturm (39), der bei den San Jose Sharks einst mit Ehrhoff in einem Team stand. Logisch, dass der Verteidiger genau weiß, was Sturm auch in Südkorea von ihm verlangt. "Ich versuche meine Führungsrolle so gut es geht auszufüllen", versichert Ehrhoff.

Ehrhoffs Weltkarriere begann am Niederrhein

In Moers geboren und beim Krefelder EV ausgebildet, wagte der Linksschütze 2003 als deutscher Meister den Sprung nach Nordamerika. Überraschend schnell fasste Ehrhoff in der NHL Fuß und reifte nach einigen Jahren zu einem dominanten Spieler. Bei den Vancouver Canucks hatte er zwischen 2009 und 2011 seine beste Phase, verpasste den NHL-Titel nur hauchdünn gegen die Boston Bruins mit Dennis Seidenberg.

Es war für die Buffalo Sabres der Anlass, Ehrhoff mit einem Zehn-Jahresvertrag über 40 Millionen US-Dollar auszustatten. In seinem ersten Jahr an den Niagara-Fällen erhielt er eine höhere Gage als jeder andere NHL-Verteidiger. Doch sportlich war es die falsche Entscheidung, so nah wie mit den Canucks kam Ehrhoff dem Stanley Cup nie wieder.

Dass Ehrhoff der NHL im Oktober 2016 nach 13 Jahren den Rücken kehrte und bei den Kölner Haien unterschrieb, tat er auch deshalb, weil er nur noch Ergänzungsspieler war. Vor allem aber wegen seiner Familie, mit der er in Krefeld wohnt. Dem Nationalteam will Ehrhoff aber noch eine ganze Weile treu bleiben, "solange ich eingeladen werde und Marco mich dabei haben will", betonte er vor der Olympia-Generalprobe am Dienstagabend in der Schweiz: "Ich habe keine anderen Pläne."

(sid)
 
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