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Pro und Contra
Friedensnobelpreis für Koreas Eishockeyteam?

Fans feiern vereintes koreanisches Eishockey-Team
Fans feiern vereintes koreanisches Eishockey-Team FOTO: afp
Die Vorsitzende der IOC-Athletenkommission schlägt die gesamtkoreanische Eishockey-Mannschaft als Symbolfigur für die Dialogbereitschaft auf der Halbinsel für den Friedensnobelpreis vor. Eine gute Idee oder zuviel des Guten?

Die RP-Redakteure Bernd Jolitz und Stefan Klüttermann diskutieren.

Pro von Bernd Jolitz

Zugegeben: Mit einem Henry Dunant kann sich das koreanische Frauen-Eishockey-Team nicht messen. Und auch im Vergleich mit Nelson Mandela und Frederik Willem de Klerk fällt die historische Bedeutung der fernöstlichen Olympia-Teilnehmer eher bescheiden aus. Sie haben nun einmal nicht das Internationale Rote Kreuz gegründet und auch nicht Südafrika aus der Apartheid geführt. Legt man solch hohe Maßstäbe wie diese großen Preisträger von 1902 und 1993 an die Vergabe des Friedensnobelpreises an, ist es nachvollziehbar, wenn manchem bei einer Nominierung der Koreaner ein mitleidiges Lächeln übers Gesicht huscht.

Doch es wäre ungerecht, diese Messlatte zu fordern. Sicher gab es in der langen Reihe der Preisträger große Beispiele - neben Dunant und den südafrikanischen Politikern zum Beispiel Willy Brandt für seine aussöhnende Ostpolitik oder Anwar al-Sadat und Menachem Begin, die 1978 den Frieden zwischen den Erzfeinden Ägypten und Israel auf den Weg gebracht hatten. Doch immer wieder war der Friedensnobelpreis auch eine rein symbolische Geste. Als ihn etwa 2009 Barack Obama bekam oder neun Jahre zuvor der damalige südkoreanische Präsident Kim Dae-Jung. Die Geschichte lehrte, dass dessen "Beiträge zur Verständigung Südkoreas mit Nordkorea" (so die Begründung der Verleihung) vielleicht doch nicht so nachhaltig waren wie damals erhofft.

Was die Symbolik anbelangt, muss das gemeinsame Olympia-Team des kommunistischen Nord- und des westlich orientierten Südkoreas ganz sicher den Vergleich mit vielen Preisträgern der vergangenen Jahre nicht scheuen. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte, dass der Sport Dinge bewegt, die die Politik allein nicht schafft. Nicht zuletzt auch in Südafrika, wo der Rugby-Weltmeistertitel einer gemeinsamen Mannschaft aller Schichten Südafrikas mehr Einigung schaffte als viele Gesetze. Ein solcher Erfolg in Korea wäre so wertvoll, dass man sogar damit leben könnte, dass das IOC ein paar unverdiente Lorbeeren einheimst. 

Amerikanerin erlöst koreanische Eishockey-Fans FOTO: dpa, nic

Contra von Stefan Klüttermann

Angela Ruggiero kommt aus den USA und war selbst einmal Eishockeyspielerin. Vielleicht war die Athletensprecherin des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) deswegen auch die perfekte Absenderin für die Idee mit dem Friedensnobelpreis. Es wäre doch schön, diese Auszeichnung dem gemeinsamen koreanischen Frauen-Eishockeyteam zu verleihen, sagte die 38-Jährige einem Reporter. Das Problem: Man will die Idee einfach nicht als die postulierte Einzelmeinung akzeptieren. Stattdessen beschleicht einen das Gefühl, dass das IOC und sein Präsident Thomas Bach über Umwege den Friedensnobelpreis für sich selbst gewinnen wollen.

Das würde das IOC natürlich entrüstet von sich weisen, aber die Zeiten, in denen die Öffentlichkeit Verlautbarungen aus dem Dunstkreis Bachs - und da ist Ruggiero zu verorten - unvoreingenommen zur Kenntnis genommen hat, sind vorbei. Selbstlosigkeit und Integrität sind angesichts von zahlreichen Korruptionsfällen innerhalb des IOC-Universums und des Wischi-Waschi-Umgangs mit dem Skandal um russisches Staatsdoping nicht länger die Werte, die man mit den Olympia-Machern verbindet.

Wer inzwischen Kalkül hinter allem vermutet, was Bach tut, der kommt nicht umhin, zu erkennen, wie sehr Bach die Rolle als Friedensstifter auf der koreanischen Halbinsel genießt. Olympia schafft, was die Politik nicht kann: eine Annäherung zwischen Nord und Süd. Dabei ist das, was Bach und das IOC vollführen, nichts anderes als Politik. Politik in eigener Sache. Politik als Mittel zum Zweck des Aufpolierens eines nach westlichen Wertvorstellungen gehörig ramponierten Images.

Schon bei Olympia 2000, 2004 und 2006 lief ein gesamtkoreanisches Team bei der Eröffnungsfeier ein. Warum also nun der Friedensnobelpreis? Weil die Sportpolitik ein gemeinsames Frauen-Eishockeyteam inszeniert hat? So schön die Idee auch klingt, sie wirkt scheinheilig. Und das beschädigt den Friedensnobelpreis am Ende mehr, als es ihn verdient.

Quelle: RP
 
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