| 16.11 Uhr

Australien Open
Studentin Siegemund fordert Teamkollegin Beck heraus

Siegemund überrascht gegen Jankovic
Siegemund überrascht gegen Jankovic FOTO: ap, MDB KAJ
Mit Überraschungssiegen sind Annika Beck und Laura Siegemund in die dritte Runde der Australian Open eingezogen. Auch Angelique Kerber war erfolgreich.

Annika Beck und Laura Siegemund wussten nach ihren Geniestreichen beim "Happy Slam" gar nicht mehr, wohin mit ihren Glücksgefühlen. Während Beck ihren Drittrunden-Einzug bei den Australian Open mit einem spitzen Schrei feierte, hüpfte Siegemund wie ein Flummi über den Court im Melbourne Park.

"Das ist die pure Freude. Es macht Bock, wenn die Leute grölen. Das ist für mich neu, ein cooles Gefühl", sagte die Weltranglisten-97. Siegemund nach dem überraschenden 3:6, 7:6 (7:5), 6:4 gegen die frühere Nummer eins Jelena Jankovic (Serbien/Nr. 19).

Siegemunds bislang größter Sieg hat zur Folge, dass die Psychologie-Studentin am Samstag im Match um den Sprung ins Achtelfinale auf ihre Freundin Beck trifft. Die Nummer 55 im Ranking entzauberte French-Open-Halbfinalistin Timea Bacsinszky (Schweiz/Nr. 11) mit 6:2, 6:3. "Ich habe meine Vorgaben perfekt umgesetzt und bis zum letzten Punkt gekämpft", sagte Beck, die mit Siegemund beim Bundesliga-Klub TC Rüppurr Karlsruhe spielt: "Da wird es zwischen uns jetzt den ein oder anderen Scherz geben."

Kerber locker weiter

Auch die deutsche Nummer eins Angelique Kerber (Kiel/Nr. 7) steht nach einer souveränen Vorstellung beim 6:2, 6:4 gegen Alexandra Dulgheru (Rumänien) in der dritten Runde. "Ich wollte aggressiv spielen und habe das auch umgesetzt", sagte Kerber, die in ihrer Auftaktpartie einen Matchball hatte abwehren müssen.

Sollte Kerber am Samstag Madison Brengle (USA) bezwingen, würde sie danach auf die Siegerin der Partie zwischen Beck und Siegemund treffen - eine deutsche Viertelfinalistin in Down Under wäre damit garantiert.

Ausgeschieden ist indes Sabine Lisicki. Die an Position 30 gesetzte Berlinerin, die in den letzten Monaten Knieprobleme geplagt haben, unterlag der Tschechin Denisa Allertova 3:6, 6:2, 4:6. "Mir fehlen eben noch die Matchpraxis und die Fitness", sagte Lisicki. Ebenfalls nicht mehr dabei ist Tatjana Maria (Bad Saulgau), die gegen Jekaterina Makarowa (Russland/Nr. 21) mit 4:6, 2:6 den Kürzeren zog.

Am Tag zuvor hatte bereits Anna-Lena Friedsam (Neuwied) den Sprung in die dritte Runde geschafft. Alle deutschen Männer sind bei der mit 28,38 Millionen Euro dotierten Hartplatz-Veranstaltung bereits ausgeschieden.

Siegemund spielte sich bei ihrem couragierten Auftritt gegen Jankovic mit 39 Netzangriffen (32 Punkte) in die Herzen der Zuschauer. Dabei hatte die Schwäbin ihre einst verheißungsvolle Karriere 2012 aus Frust eigentlich schon für beendet erklärt.

Siegemund war nach dem Gewinn der prestigeträchtigen Orange Bowl in Florida im Alter von zwölf Jahren schon als neue Steffi Graf gefeiert worden war - die überzogenen Erwartungen konnte sie nicht erfüllen. "Vielleicht habe ich mir einfach selbst zu viel Druck gemacht", sagte Siegemund.

Während ihrer Auszeit machte sie den A-Trainerschein und begann zu studieren. "Dadurch habe ich einen anderen Blick auf das Profitennis bekommen", erzählte die aufgeweckte Frau mit den blonden Locken, die so herzerfrischend angreift: "Ich bin auch so ein forscher Typ, das ist mein Ding." Den Sieg gegen Jankovic bezeichnete sie als "Sahnehäubchen", allerdings "kann jetzt noch mehr kommen".

Einen Tag vor Weihnachten hatte Siegemund ihre Bachelor-Arbeit mit dem Thema "Versagen unter Druck" eingeworfen. "Eine Note habe ich aber noch nicht", erzählte sie. Hinter ihrem Auftritt in Down Under steht schon jetzt eine Bewertung mit Sternchen.

(old/sid)
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