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Wird er Audi-Chef?
Opel-Chef Neumann will nicht zu PSA wechseln

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann will nicht zu PSA wechseln
Karl-Thomas Neumann, Vorstandsvorsitzender von Opel, präsentiert beim Genfer Autosalon im März 2016 den Opel GT Concept. FOTO: dpa, ude fdt tba
Wolfsburg. Karl-Thomas Neumann tritt offenbar nach der Übernahme durch den französischen Konkurrenten zurück. Seine Vision dürfte sich dort kaum umsetzen lassen. Wird er der Nachfolger vom umstrittenen Audi-Chef Rupert Stadler? Von Florian Rinke

Die Übernahme von Opel durch den französischen Hersteller PSA Peugeot-Citroën ist noch nicht einmal abgeschlossen, da könnte es bereits den ersten Führungswechsel geben: Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet, dass Opel-Chef Karl-Thomas Neumann sein Amt niederlegen und nicht mitwechseln will. Dies wolle der Manager dem Aufsichtsrat am 22. Juni bei dessen Sitzung mitteilen. Angeblich wollen die Franzosen auf dieser Sitzung vorstellen, welche Pläne sie mit der bisherigen Tochter des US-Autoherstellers General Motors haben. Sollte sich dieser Wechsel bestätigen, könnte das auch für einen anderen Manager Folgen haben, doch dazu später mehr.

Opel macht seit Jahren Verluste, hatte jedoch zuletzt unter Neumanns Führung mit neuen Modellen das Minus verringern und die Absätze steigern können. Langfristig plante der Manager angeblich, aus Opel einen reinen Elektroauto-Hersteller zu machen. Das dürfte nach dem Eigentümerwechsel aber kaum noch zu realisieren sein, denn PSA-Chef Carlos Tavares ist vor allem als knallharter Sanierer bekannt. Statt mit neuer Strategie in die Zukunft aufzubrechen, hätte Neumann also möglicherweise Sparprogramme exerzieren müssen - wäre also nicht viel mehr als der verlängerte Arm aus Paris gewesen.

Zumal er womöglich Chancen auf attraktive andere Posten hätte: Denn bei der Volkswagen-Tochter Audi wackelt seit Wochen der Stuhl von Vorstandschef Rupert Stadler bedrohlich. Konzernintern wirft man ihm unglückliches Agieren bei der Aufarbeitung des Diesel-Skandals vor. Dass Volkswagen auch knapp zwei Jahre nach Bekanntwerden des Abgasskandals um manipulierte Diesel-Motoren nicht zur Ruhe kommt, liegt auch an der Luxusmarke Audi: Zuletzt ordnete Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) einen Rückruf von knapp 24.000 Audi-Fahrzeugen an, weil in diesen eine "unzulässige Abgas-Software" verbaut worden sein soll. Stadler hatte den Minister anschließend für sein Vorpreschen in einem Interview kritisiert. Er warf dem Minister vor, sich auf Kosten der VW-Tochter zu profilieren und den Sachverhalt falsch darzustellen: Nicht das Ministerium bzw. dessen Prüfer hätten das Problem entdeckt, vielmehr hätte Audi den Vorfall gemeldet.

Den Umgang mit dem Vorfall fand man innerhalb des VW-Konzerns etwas unglücklich. VW-Chef Matthias Müller suchte anschließend das Gespräch mit Dobrindt. Bernd Osterloh, Betriebsratschef des VW-Konzerns, übte Kritik: "Den Verkehrsminister öffentlich anzugreifen, war sicherlich keine zielführende Idee", sagte Osterloh der "Bild am Sonntag": "Wir werden im Aufsichtsrat mit Stadler über das Krisenmanagement von Audi reden müssen." Eine Ablösung sei jedoch nicht geplant.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, hochrangige Entscheidungsträger bei Volkswagen könnten sich Neumann als Nachfolger von Stadler gut vorstellen. Laut einem Insider wäre der Automanager bei seinem früheren Arbeitgeber VW willkommen.

Stadler hatte seinen Vertrag zuletzt um fünf Jahre verlängert, doch verschiedene Medien berichten, dass er trotzdem bis Ende des Jahres seinen Posten verlieren könnte. Was zeitlich passen würde: Neumann könnte im Herbst abtreten.

Weiterer Ärger droht unterdessen auch bei der Tochter VW-Tochter Porsche: Der "Spiegel" berichtet, beim Modell Cayenne sei eine illegale Abschalteinrichtung verbaut worden. Diese erkennt, ob das Fahrzeug auf dem Prüfstand steht oder nicht - und sorgt dann dafür, dass weniger oder mehr schädliche Abgase ausgestoßen werden. Porsche dementierte gegenüber dem Magazin zwar den Vorwurf. Doch sollte sich dieser Bewahrheiten, könnte ein weiterer Rückruf drohen.

Quelle: RP
 
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