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Sportwagenhersteller
Der Herr der Stiere

Eigentlich baute Ferruccio Lamborghini erfolgreich Traktoren, doch ein Streit mit Enzo Ferrari machte ihn plötzlich selbst zum Sportwagenhersteller. Ein Besuch im Museum zum 100. Geburtstag des verstorbenen Lamborghini-Gründers. Von Georg Weindl

Angefangen hat alles mit einer störrischen Kupplung. Ferruccio Lamborghini, der Bauernsohn aus der Gegend von Bologna, hatte längst Karriere gemacht als Hersteller von Traktoren, besaß eine florierende Fabrik in Cento nördlich von Bologna und leistete sich einen Ferrari 250 GTE. "Weil die Kupplung immer wieder Probleme machte, baute mein Onkel einfach eine Kupplung von seinen Traktoren ein", erzählt sein Neffe Fabio Lamborghini. Dass Enzo Ferrari damals nicht sonderlich begeistert war, lässt sich leicht nachvollziehen.

Der Legende nach soll Ferruccio Lamborghini - vor 100 Jahren im Sternzeichen Stier geboren - stolz präsentiert haben, dass der Ferrari nun mit seiner Technik ausgestattet war, worauf Enzo Ferrari erwiderte: "Das Auto ist in Ordnung. Das Problem ist, dass du mit Traktoren umgehen kannst, aber nicht mit einem Ferrari." Die Antwort folgte rasch: Lamborghini war wild entschlossen, sich seine Sportwagen selbst zu bauen. Er ließ den Designer Franco Scaglione einen futuristischen Prototypen eines 2+2-Sportwagen zeichnen. "Bevor der 350 GTV als erster Lamborghini in Serie ging, musste er auf Anweisung meines Onkels noch umgestaltet werden, damit er europäischer und eleganter wirkte," sagt Fabio Lamborghini.

Eine historische Anekdote und eine von vielen Geschichten, die das neue Museum der Familie Lamborghini in Funo di Argelato bei Bologna auf rund 5000 Quadratmetern über den berühmten Unternehmer und Gründer der Sportwagenschmiede, die seit 1998 Tochtergesellschaft der Audi AG ist, erzählt. Die Lamborghini SpA hat ein eigenes Museum in der Zentrale in Sant'Agata. In Funo di Argelato wird das Gesamtkunstwerk Lamborghini dokumentiert. Natürlich stehen hier in den großen offenen Hallen PS-starke Boliden und seltene Prototypen, darunter auch vom ersten 350 GTV von 1963.

Ferruccio Lamborghini war ein Tüftler und Perfektionist. Sein Erfolg bei den Traktoren beruhte darauf, dass er hochwertige und zuverlässige Technik zu günstigen Preisen anbieten konnte, was in den Nachkriegsjahren bei den Bauern in der Poebene gefragt war. Bei Sportwagen waren günstige Preise kein Thema. Dafür aber extravagantes Design. 1966 lieferte er mit dem Miura ein automobiles Kunstwerk. Im Museum kann der Besucher auch Lamborghinis privaten Miura SV mit einer Laufleistung von 32.000 Kilometern bewundern, für den Sammler wohl viele Millionen Euro zahlen würden.

Aber das Museum würde Ferruccio Lamborghini Unrecht tun, wenn es nur die Sportwagen zeigen würde. Der Gründer war ein vielseitiger Techniker, der kaum Grenzen scheute. In Offshore-Rennboote pflanzte er zwei Zwölfzylinder-Motoren ein und erreichte zahlreiche Geschwindigkeits-Weltrekorde. Ein Hubschrauber-Prototyp dokumentiert seinen Versuch, in diesem Bereich Fuß zu fassen.

Grenzen kannte sein Erfindungsreichtum kaum: Er produzierte Klima- und Wasserreinigungsanlagen, Hydrauliksysteme und Golfwagen. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist das "Papamobil", eine Art XXL-Golfwagen samt erhöhtem Rücksitz, mit dem die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. im Sommersitz Castel Gandolfo chauffiert wurden.

Ferruccio Lamborghini zog sich in den 1970er Jahren nach der Energiekrise zurück, siedelte an den Lago di Trasimeno, wo er seine perfektionistischen Ansprüche als Weinbauer umsetzte und 1993 starb. Bei den Feierlichkeiten zu seinem 100. Geburtstag ließen sich auch zahlreiche Prominente blicken. Die waren bei Lamborghini schon immer reichlich vertreten - zum Beispiel Frank Sinatra, an dessen Spruch sich Fabio Lamborghini erinnert: "Frank Sinatra sagte einmal bei einem offiziellen Essen in einem New Yorker Hotel: ,Wenn Sie jemand werden wollen, fahren Sie einen Ferrari. Wenn Sie jemand sein wollen, fahren Sie einen Lamborghini.'"

Quelle: RP
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