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Antisemitismus in Deutschland
Jüdische Kinder in NRW bedroht

Antisemitismus in Deutschland: Jüdische Kinder in NRW bedroht
Bürger jüdischen Glaubens bekommen es in Deutschland angesichts der antisemitischen Übergriffe mit der Angst zu tun. FOTO: dpa, fe_sv fpt
Berlin/Düsseldorf. Der anti-israelische Protest in mehreren deutschen Städten blieb an diesem Freitag weitgehend friedlich. Doch die jüdischen Gemeinden auch in NRW sind nach Gewaltaufrufen und Drohanrufen besorgt. Von Gregor Mayntz und Christian Schwerdtfeger

Unter dem Eindruck anhaltender Gewalt im Nahen Osten haben israel-feindliche Protestzüge zum sogenannten Al-Kuds-Tag auch in Deutschland die Polizei in Atem gehalten. In Berlin formierten sich auch mehrere Gegendemonstrationen, bei denen Politiker ihr Eintreten gegen jeden Antisemitismus bekundeten. Menschen mit Israel-Fahnen wurden von Al-Kuds-Teilnehmern angegriffen, geschlagen und gewürgt. Es waren Slogans wie "Israel Kindermörder", "Israel vergasen" und "Sieg heil" zu hören.

Der CDU-Politiker Philipp Mißfelder forderte ein Verbot der seit zwei Jahrzehnten stattfindenden Al-Kuds-Demonstration. "Die Meinungsfreiheit deckt nicht Straftaten", sagte Mißfelder.

Am Rand der Protestversammlung in Berlin waren auch viele Personen aus dem Spektrum der autonomen Nationalisten zu sehen. Polizisten erteilten Platzverweise für Menschen, die nach ihrem Eindruck mit Israel-Fahnen die Al-Kuds-Teilnehmer provozieren wollten. Aus den Reihen der Gegendemonstranten waren Sprechchöre wie "Befreit Gaza von der Hamas" zu hören.

Fotos: Mehrere Demonstrationen in Berlin am Al-Kuds-Tag FOTO: dpa, han fpt

Festnahmen in Berlin

Al-Kuds-Demonstrationen, benannt nach dem arabischen Wort für Jerusalem, wurden auch aus Stuttgart, Mannheim, Hannover und Bonn gemeldet. In Berlin berichtete die Polizei von mehreren Festnahmen. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hatte zuvor mit strafrechtlichen Konsequenzen für judenfeindliche Parolen gedroht: "Jeder, der sich auf diese Art und Weise mit dem Judentum anlegt, legt sich auch mit dem deutschen Rechtsstaat an."

Bedrückende Ausmaße nahm die zunehmende Gewaltbereitschaft von Israelgegnern und Antisemiten auch in NRW an. "Wir haben Angst um unsere Kinder", berichtete Dmitrij Yegudin, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Duisburg, Oberhausen und Mülheim. In der Kindertagesstätte der Gemeinde seien Anrufe eingegangen mit der Drohung, dass den Kindern "etwas zustoßen" könne. Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet, nun erwägt die jüdische Gemeinde, die Kindergärten durch einen Sicherheitsdienst schützen zu lassen.

Das ist die Kampagne #JewsAndArabsRefuseToBeEnemies

"Der Damm ist bei vielen gebrochen"

Wilfried Johnen, der Geschäftsführer des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden Nordrhein, nannte es erschreckend, wie schnell der öffentliche Antisemitismus ausgebrochen sei. "Wir empfinden die Situation als bedrohlich", sagte Johnen. Den latenten Antisemitismus gebe es schon lange. Nun sei aber "der Damm bei vielen gebrochen". Der Krieg in Nahost werde als Krücke benutzt, um gegen Juden hetzen zu können. "Man fragt sich manchmal schon, ob man hier in Deutschland noch am richtigen Ort ist".

Ein für heute geplantes deutsch-israelisches Fußballspiel in Österreich musste von Wörgl in Tirol ins 60 Kilometer entfernte Leogang im Bundesland Salzburg verlegt werden, um die Sicherheit zu gewährleisten. Am Mittwoch war ein anderes Testspiel der Mannschaft Maccabi Haifa mit dem OSC Lille in Bischofshofen abgebrochen worden, als Zuschauer mit palästinensischen Fahnen das Spielfeld stürmten und israelische Fußballer attackierten. Für das Testspiel von Maccabi Haifa mit dem SC Paderborn wurden nun besondere Schutzmaßnahmen getroffen.

Die blutigen Gefechte im Gaza-Streifen und die Raketenangriffe auf Dörfer und Städte in Israel hielten auch an, nachdem US-Außenminister John Kerry ein Konzept für einen zeitlich befristeten Waffenstillstand und die Rückkehr zu Verhandlungen unterbreitet hatte.

Aus dem israelischen Kabinett verlautete, zunächst, dass die Gaza-Offensive "deutlich ausgeweitet" werde, wenn sich die Hamas nicht auf die Feuerpause einlasse. Am Abend wurde bekannt, dass auch Israel selbst zunächst nicht zu einer Waffenruhe bereit sei.

Die Zahl der Toten im Gaza-Streifen stieg bis zum Abend auf über 830. Auf israelischer Seite starben mindestens 33 Soldaten und drei Zivilisten.

Die Lufthansa entschied, ungeachtet weiterer Raketenangriffe auf Tel Aviv, an diesem Samstag den Flugverkehr nach Israel wiederaufzunehmen. Nach Plan werde die Lufthansa allerdings erst in den kommenden Tagen wieder fliegen.

Quelle: RP
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