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Lokalsport
Boll überrascht den Weltmeister

Düsseldorf. Der Tischtennisprofi bezwingt im Halbfinale des World Cups Ma Long aus China. Von Tino Hermanns

Timo Boll ist ein großes Vorbild. Besonders für alle Sportler, die sich im Herbst ihrer Karriere befinden. Mit seinen 36 Jahren gehört der deutsche Rekord-Europameister wahrlich nicht mehr zu den Jungspunden im Tischtennis-Geschäft. Im Umgang mit dem maximal 2,77 Gramm schweren Spielgerät ist Bolls Alter aber kein Handicap, eher ein Qualitätsmerkmal. Getreu dem Spruch "Alter schützt vor Leistung nicht", bezwang der Borusse als ältester Aktiver beim World Cup in Lüttich den amtierenden Weltmeister, den Olympiasieger 2016 und den Weltranglisten-Ersten.

Günstig, dass bei der schriftlichen Auflistung dieser Erfolge aktuell mit Ma Long (China) nur ein Name steht. Es zeigt aber, mit welcher Dominanz der Chinese in den vergangenen Jahren in der Tischtennisszene unterwegs war. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Es war ein verrücktes Match", meinte Boll nach dem Überraschungscoup. Am Ende seines 14. World-Cup-Auftritts erhielt Boll die Silbermedaille.

Einzig Bolls Nationalmannschaftskamerad Dimitrij Ovtcharov war stärker. Boll wirkte im Endspiel etwas weniger frisch als sein Kontrahent. "Timo hatte vorher zwei unglaublich schwere Spiele gegen Lin Gaoyuan und Ma Long. Dass er ihn geschlagen hat, ist ein großartiger Erfolg. Da war meine Auslosung, das muss ich sagen, etwas leichter. Timo hätte den Sieg sicherlich genauso verdient gehabt wie ich", gestand Ovtcharov ein.

Im Achtelfinale gegen den Brasilianer Gustavo Tsuboi (Weltrangliste 112) konnte Boll beim 4:0 die Kraft sparen, die ihm wenig später zu den Überraschungssiegen verhalf. Asia-Cup-Sieger und Shooting Star Lin Gaoyuan (Weltrangliste 9) war da schon von anderem Kaliber. Obwohl der Chinese 14 Jahre jünger ist als Boll, übernahm der "Oldie" mit zunehmender Spieldauer immer mehr das Kommando. Selbst ein 1:3-Rückstand und ein 4:10 im Entscheidungssatz ließen Boll nicht resignieren.

"Am Anfang hat Timo nicht so gut gespielt, sich nicht gut bewegt. Er musste erst ins Match hineinfinden. Die Art und Weise, wie er die Matchbälle von Lin weggesteckt hat, verdient Respekt. Absolute Weltklasse", schwärmte Bundestrainer Jörg Roßkopf.

Doch scheinbar war die Siegesfreude nur von kurzer Dauer, denn im Halbfinale baute sich mit Ma Long die "chinesische Mauer" vor dem Düsseldorfer auf. Mit 1:3 lag er bereits gegen den Weltranglisten-Ersten zurück, doch Boll kam auch in diesem Spiel noch einmal zurück, erkämpfte sich den siebten Satz und gewann diesen schließlich hauchdünn mit 12:10. "Auch als ich zurücklag, hatte ich immer ein gutes Gefühl. Ich war entspannt und habe versucht, das Spiel zu genießen", analysierte Boll, der dennoch zugab: "Ich spüre doch so langsam etwas Müdigkeit von den vielen Terminen in den letzten Wochen in den Knochen." Urlaub ist aber nicht drin für Boll, denn am Freitagabend kommt Roskilde Bordtennis BTK 61 (Dänemark) zum Champions-League-Duell mit der Borussia.

Quelle: RP
 
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