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Serie Vor 500 Jahren
Ein Tod in Rom

Das Amt Brüggen im Herzogtum Jülich wäre nicht 1614 unter wittelsbachische Herrschaft gelangt, wenn nicht 1575, vor 440 Jahren, ein weiteres Ereignis eingetreten wäre, das das Haus Jülich-Kleve-Berg auf diesmal tragische Art ins internationale Rampenlicht gerückt hat.

Der hoffnungsvolle Erbprinz Karl Friedrich, Annas von Kleve Neffe, befand sich auf jener ausgedehnten Ausbildungsreise, die junge Prinzen zur Vorbereitung auf ihre spätere Herrschertätigkeit mit ausländischen Höfen bekannt machen und sie die große Welt erahnen lassen sollte.

Karl Friedrich, der 1555 erstgeborene Sohn Wilhelms des Reichen von Jülich-Kleve-Berg und seiner habsburgischen Frau, machte sich 1571 unter Aufsicht seines humanistischen Lehrers Pighius auf die Reise, die in Wien eine dreijährige Unterbrechung fand. Dann lud ihn der Papst zur Eröffnung des Heiligen Jahres 1575 nach Rom ein, das er über Salzburg, Innsbruck, Bozen, Venedig, Mailand und eine Reihe weiterer norditalienischer Städte schließlich im Dezember 1574 erreichte.

Am Heiligen Abend wurde die Porta Sancta für das Heilige Jahr 1575 geöffnet und der Erbprinz vom Niederrhein durchschritt sie nach Papst Gregor XIII. Aber auf einer Weiterreise Richtung Neapel erkrankte Erbprinz Karl Friedrich tödlich an den Blattern, die ihn am 9. Februar 1575 dahin rafften.

Das Schicksal seiner niederrheinischen Lande, die er doch demnächst regieren sollte, nahm damit für zwei Jahrhunderte einen ganz anderen Verlauf. Nachdem sein jüngerer Bruder Johann Wilhelm, der 1592 die Regierung antrat, 1609 kinderlos starb, wurden auch die Bürger von Süchteln und Brüggen, von Dülken und Boisheim, von Waldniel und Tegelen Untertanen eines pfalz-neuburgischen Herzogs. Kleve wurde brandenburgisch. Jedem Rombesucher, der die Piazza Navona im Herzen Roms besucht, sei der Besuch der deutschen Nationalkirche Santa Maria dell´Anima empfohlen. Sie steht nur wenige Schritte von dem berühmten Platz entfernt. An der linken Altarseite befindet sich das auch kunstgeschichtlich hoch bedeutsame, von zwei flämischen Bildhauern geschaffene Grabmal des Prinzen, in dem er in gerüsteter Ganzfigur und in anbetender Haltung dargestellt ist. Auf der gegenüber liegenden Altarseite befindet sich das nicht minder berühmte Epitaph für Papst Hadrian VI., dem letzten "deutschen" Papst vor Benedikt XVI.

Der Besucher vom Niederrhein mag bedenken, dass hier ein Fürstensohn liegt, dessen plötzlicher und tragischer Tod die politische Landkarte seiner Heimat nachhaltig verändert hat.

(plp)
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