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Kölner Schriftsteller
Deutschland will Akhanlis Auslieferung an die Türkei verhindern

Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli: Deutschland will Auslieferung an die Türkei verhindern
Dogan Akhanli bei einem Auftritt auf der Lit.Cologne. In der Vergangenheit äußerte sich der Schriftsteller kritisch gegenüber der Türkei. FOTO: dpa, hka fgj
Köln/Berlin. Dogan Akhanli floh vor mehr als 25 Jahren aus der Türkei, er ist längst deutscher Staatsbürger, lebt in Köln. Nun hat die spanische Polizei den kritischen Schriftsteller im Urlaub festgenommen – auf Ersuchen der türkischen Behörden. Die Bundesregierung schaltet sich ein. 

Das Auswärtige Amt hat die spanische Regierung gebeten, den Schriftsteller Dogan Akhanli nicht an die Türkei auszuliefern. Diese Bitte sei der spanischen Regierung am Samstag "hochrangig" von der deutschen Botschaft überbracht worden, hieß es am Abend aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Zudem habe Deutschland darum gebeten, an einem möglichen Auslieferungsverfahren für den deutschen Staatsbürger Akhanli beteiligt zu werden.

Der türkischstämmige Kölner Schriftsteller war am Samstag im Urlaub in Spanien auf Betreiben der Türkei festgenommen worden. Akhanli lebt seit seiner Flucht aus der Türkei 1991 in Deutschland und hat ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. Was ihm vorgeworfen wird, war zunächst unklar. Die spanische Polizei bestätigte, dass Akhanli auf Betreiben der Türkei festgenommen wurde. Sein Anwalt Ilias Uyar hält das türkische Festnahmegesuch für politisch motiviert.

Türkei lässt deutschen Schriftsteller Dogan Akhanli in Spanien festnehmen.

Posted by Ilias Uyar on Samstag, 19. August 2017

Akhanli äußerte sich kritisch gegenüber der Türkei

Der Schriftsteller war schon einmal im August 2010 bei der Einreise in Istanbul festgenommen worden. In dem Prozess, in dem die Staatsanwaltschaft dem Schriftsteller einen bewaffneten Raubüberfall im Jahr 1989 vorwarf, wurde Akhanlis gleich zu Beginn im Dezember 2010 auf freien Fuß gesetzt und kehrte nach Deutschland zurück. Doch der türkische Berufungsgerichtshof hatte in Abwesenheit des Autors den Freispruch anschließend aufgehoben und ein neues Verfahren angeordnet.

Akhanli, der seit 25 Jahren in Köln lebt und Mitglied der internationalen Schriftstellervereinigung PEN ist, äußerte sich wiederholt kritisch gegenüber der türkischen Regierung. In seinem literarischen Werk thematisiert er den Völkermord an den Armeniern sowie die Ablehnung der Anerkennung dieses Völkermords in der Türkei. Er setzt sich für Aufarbeitung von historischer Gewalt und die Achtung der Menschenrechte ein. 2009 wurde er vom Bündnis für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet.

(sef/wer/AFP/KNA/lnw)
 
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