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Korschenbroich
Mehr als 75.000 Betten für Asylbewerber

Korschenbroich: Mehr als 75.000 Betten für Asylbewerber
Absprache mit Gabelstaplerfahrer Peter Pajonk: Die Fachleute statten von Korschenbroich aus Flüchtlingsunterkünfte im In- und Ausland aus. FOTO: Reichartz
Korschenbroich. Er ist krisenerprobt: Lars Lüllmann ist da, wo schnell und in großer Stückzahl Industriemöbel benötigt werden. Aktuell bestimmt das Flüchtlingsproblem seinen Einsatzplan. Er stattet derzeit europaweit Wohncontainer und Zeltstädte aus. Von Ruth Wiedner

Es gibt kaum einen Ort, den Lars Lüllmann nicht schon bereist hat - dienstlich versteht sich. Der Korschenbroicher Unternehmer ist Spezialist in Sachen Industriemöbel. Er liefert Betten, Matratzen, Stühle, Schränke - und das alles in großer Stückzahl. Als er vor 25 Jahren in die Firma seines Vaters eingestiegen ist, tobte der Balkan-Krieg. Der gelernte Industriekaufmann wurde schnell zum Organisator und Spezialisten in Sachen Erstausstattung in Krisengebieten - ob Haiti, die Ost-Ukraine, Afrika, Syrien oder die Türkei. Seit Monaten bestimmt jetzt das Flüchtlingsthema seine Auftragsbücher.

Die Zahl der Flüchtlinge und Asylbewerber steigt in schwindelerregende Höhen. In der Versorgung der Neuankömmlinge aus den Krisengebieten sind nicht nur Politik und Verwaltung gefordert. Rund um die Uhr ist Lars Lüllmann (44) bestrebt, den Bedarf zu decken. "Allein in den ersten sechs Monaten des Jahres haben wir bundesweit mehr als 800 Wohnheime für Flüchtlinge eingerichtet, auch in Korschenbroich", resümiert der Unternehmer. "Wir haben allein 75.000 Betten ausgeliefert."

Fotos: Flucht zu Fuß von Budapest nach Österreich FOTO: dpa, ase

Die beiden Lüllmann-Hallen an der Fuggerstraße und sein Zentrallager an der Siemensstraße in Gladbach sind bis unters Dach mit eingeschweißten Matratzen, Bettwäsche, Stapelstühlen und Tischen gefüllt. So schnell wie die Waren mit den zehn eigenen Lastwagen und mit Fremdfirmen verteilt werden, erreichen den Logistiker neue Lieferungen. "Wir arbeiten inzwischen für alle großen Wohnheimbetreiber, alle Landesregierungen, viele Städte, Landratsämter und andere kommunale Einrichtungen, die dem Ansturm der Menschen ganz praktisch begegnen müssen", sagt Lars Lüllmann. Damit nicht genug: Da die Bundesregierung auch außerhalb der deutschen Grenzen Flüchtlingsheime einrichtet, kommt das Unternehmen auch dort zum Einsatz. Allein in der Ost-Ukraine sind an drei Standorten Unterkünfte für mehr als 12.000 Flüchtlinge geschaffen worden. Eine Mega-Anfrage kam jetzt aus Österreich: Dort hin soll der Korschenbroicher auf drei Jahre verteilt 50.000 Betten liefern. "Die Versorgung der Flüchtlinge bedeutet für uns eine in dieser Intensität ungewohnte Herausforderung. Sie wird sicher noch bis in das nächste Jahr hinein für Arbeit und Umsätze sorgen", schätzt Lars Lüllmann, der sein Team mittlerweile wöchentlich um neue Kräfte ergänzt. Er versucht die vielen Einzelschicksale nicht so dicht an sich herankommen zu lassen. Der Unternehmer, der auch für die UN im Einsatz ist, begegnet den Asylsuchenden mit großem Respekt: "Sicherheit ist das, was die Menschen wollen, dafür geben sie alles auf, verlassen sogar ihre Heimat."

Bereits seit 1964 auf dem Markt und mit Sitz in Düsseldorf gestartet, war die Horst Lüllmann GmbH einer der Pioniere für die Lieferung von Containerausstattung. Inzwischen gibt es in Europa kaum ein mobiles Raumsystem, in dem sich die Korschenbroicher planerisch nicht zu Hause fühlen. Spezialisiert hat sich Lüllmann vor allem auf die Einrichtung von Containern der Bauindustrie.

Flüchtlingskinder: "Ich muss nach Deutschland, um zu leben" FOTO: afp, ak-iw
Quelle: NGZ
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