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Langenfeld
Schonend rösten fürs Aroma

Langenfeld: Schonend rösten fürs Aroma
Marion Rößler-Schäfer am Trommelröster. FOTO: Uwe Miserius
Langenfeld. Marion Rößler-Schäfer produziert seit 15 Jahren Kaffee. Gelernt hat sie es in Hamburg. Von Ina Bodenröder

Unglaublich, was Menschen für eine gute Tasse Kaffee alles tun. Vor einigen Jahren hat die italienische Raumfahrtbehörde eigens einen Kaffeeautomaten für den Einsatz im Weltall entwickeln lassen, damit ihre Astronauten dort nicht auf ihr Lieblingsgetränk verzichten müssen. Leichlinger haben es da deutlich einfacher und näher: Im Café Kränzchen auf der Neukirchener Straße röstet Marion Rößler-Schäfer Kaffeebohnen aus aller Welt und entlockt ihnen ihr bestes Aroma. Vor 15 Jahren hat die 58-Jährige damit angefangen und von einem erfahrenen Röstkollegen in Hamburg alles von Grund auf gelernt.

"Mit acht Sorten und viel Leidenschaft habe ich begonnen, mittlerweile sind es 20 Kaffeesorten, die ich alle selber röste", erzählt Marion Rößler-Schäfer. Aus Brasilien, Columbien und Costa Rica etwa bekommt sie die Kaffeebohnen, aber auch Sorten aus Guatemala, dem Jemen, der Dominikanischen Republik, El Salvador, Panama, Kenia oder Äthiopien stehen auf ihrer Karte. Einige Kaffeeplantagen hat sie sich vor Ort selbst angeschaut.

Die schmucken "Silos" mit den verschiedenen Kaffeesorten. FOTO: Miserius, Uwe (umi)

Im Café Kränzchen zeigt sie einen Film ihrer Reisen, in dem die Gäste einen Eindruck vom Kaffeeanbau in den fernen Ländern bekommen. Wenn wieder einmal ein Schiff mit der wertvollen Ladung in Hamburg anlegt, fährt Rößler-Schäfer mehrmals im Jahr zur Probeverkostung in den Norden und wählt die besten Bohnen persönlich aus. Gerade zuletzt sind wieder sechs Säcke in Leichlingen angekommen mit über 380 Kilo Kaffee aus Columbien, Tansania und Indien. In ihrer Rösterei aber macht Marion Rößler-Schäfer das Rohmaterial erst zu dem, was die Kaffeefreunde rund um den Globus begeistert - ein edles Getränk mit individueller Fülle, Körper, Säure und Nebennoten.

In ihrem gasbetriebenen Trommelröster röstet die Leichlingerin die Rohbohnen bei niedriger Temperatur über 20 Minuten schonend bis ins Innerste, ohne sie dabei zu verbrennen. Das macht das Getränk nicht nur besonders aromatisch, sondern auch verträglich. "In der Industrie wird daran gerne eingespart und die Bohnen bei hohen Temperaturen in kurzer Zeit geradezu verbrannt", erklärt sie die Unterschiede zwischen manueller und industrieller Verarbeitung. Ein weiteres Geheimnis guten Kaffees steckt im Mahlen der Bohnen. "Je nachdem, was ich zubereiten will, muss ich den Mahlgrad entsprechend wählen", erklärt die Kaffeeexpertin. Für Espresso beispielsweise müsse die Bohne besonders fein gemahlen werden, für Filterkaffee reiche ein mittlerer Mahlgrad. Welches Gerät der Kaffeetrinker schließlich benutzt, ist jedem selbst überlassen - Automat, Stempelkanne oder klassischer Filter. Ob der Kaffee am Ende schmeckt oder nicht, ist ohnehin rein subjektiv. Die Qualität aber erkennt die Expertin am besten beim Abkühlen des Kaffees. "Dann nämlich verpuffen aufgesprühte Aromen", verrät Marion Rößler-Schäfer. Wer sich in die Geheimnisse guten Kaffees einweihen lassen will, kann in der Rösterei an einer Verkostung teilnehmen. Dort erfahren die Besucher alles Wissenswerte über Kaffeebohnen, ihren Anbau, die Ernte und die Veredlung. Auch nach 15 Jahren im Geschäft mit der schwarzen Bohne ist Rößler-Schäfer nach wie vor eine leidenschaftliche Kaffeetrinkerin: Sie trinkt ihn am liebsten schwarz und heiß.

Quelle: RP
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