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Mönchengladbach
Lexikon über Mimimis und Biodeutsche

Mönchengladbach. Der außenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Omid Nouripour, las in der Familienbibliothek Rheydt. Von Alexandra Dahmen

Für einen humorvollen und zugleich nachdenklichen Nachmittag sorgte der aus dem Iran stammende Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour (Bündnis 90 / Die Grünen) am Sonntag. Im Rahmen der vom Förderverein "Lust am Lesen" veranstalteten Reihe "Wortreich - Rheydt liest (vor)" las der gebürtige Teheraner mit deutschem Pass in der Stadtteilbibliothek aus seinem zweiten und aktuellen Buch "Kleines Lexikon für Mimimis und Bio-Deutsche". Mimimis - das sind die "Mitbürger mit Migrationshintergrund", und Bio-Deutsche sind in Nouripours Wortwahl die "Schon-immer-Deutschen". Ein Titel, der polarisiert - und dies ist vom Autor auch genauso beabsichtigt.

Inmitten von Rocky- und Karl-May-DVDs begeisterte der 39-Jährige Eintracht-Frankfurt-Fan in der Internationalen Familienbibliothek sein kleines, fast schon familiäres, gemischtes Publikum mit einer intelligenten, taktvollen Kombination aus Ernsthaftigkeit und Humor.

Im Rahmen der Lesetour für sein erstes Buch ("Mein Job, meine Sprache, mein Land - wie Integration gelingt") wurde sein nach eigenen Angaben "seriöser Anspruch für diese Thematik vollkommen zerschlagen". Er bemerkte, dass Humor die einzige Art und Weise sei, sich mit derart "absurden Debatten" auseinanderzusetzen. Sein aktuelles Lexikon umfasst 220 sorgfältig ausgewählte Begriffe. Eine nicht leichte Arbeit, wenn man der hessischen Frohnatur glauben darf. "Zu Beginn waren es weit über 500 Wörter. Es war schwierig die relevantesten herauszufiltern. Vor allem, weil ja auch immer wieder neue Begriffe hinzukommen", sagte der 39-jährige Autor und Politiker.

Während seines kurzen, aber bereichernden Besuchs in Mönchengladbach las der Bundestagsabgeordnete, der 2006 für den ausgeschiedenen Joschka Fischer nachrückte, diverse Definitionen aus seinem selbst kreierten Wörterbuch und lud die Zuschauer dazu ein, über Wörter wie Annahmestoppausnahmeverordnung, Beschneidung oder 9/11 zu diskutieren. Auch über konträre Reaktionen aus dem Volk berichtete er bei seiner Lesung. Die ihn immer wieder erreichenden "Hatemails" schockten ihn allerdings nicht. "Wer Politik macht, der muss mit so etwas rechnen", schloss der außenpolitische Sprecher der Grünen das Thema ab, auch wenn er sich von solchen Attacken nicht begeistert zeigte. Zum Schluss brachte Omid Nouripour den Zuhörern die Debatte ganz nah und erklärte: "Die Kommunen sind die Orte der Integration. Wir alle sollten mehr kommunizieren, jedem Menschen eine Chance geben und Hand in Hand leben." Denn "Lösungen sind eine Sache des Sprechens" und "Flüchtlinge sind ein Gewinn für die Volkswirtschaft. Nicht heute - aber morgen!"

Omid Nouripour appelliert: "Wir alle, und zwar jeder einzelne von uns, hat es in der Hand, ob Integration funktioniert." Diesem lebensnahen Statement applaudierten die Zuhörer unisono.

Quelle: RP
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