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Radevormwald
Mutmacher Christian Lindner tischt auf

Radevormwald. Wer Christian Lindner aus Wermelskirchen zum Abendessen einlädt, darf sicher sein, dass es ein kurzweiliger Abend wird. Nicht weil Lindner FDP-Bundesvorsitzender ist, sondern weil er wie nur noch sehr wenige Toppolitiker in freier, geschliffener Rede treffsicher rhetorische Spitzen setzt, ganz unabhängig davon, ob man seinen politischen Botschaften zustimmen mag oder nicht. Von Bernd Bussang

So ging das Kalkül von Marcus Jankowskis in Remscheid auf, als der frisch gewählte Vorsitzende des Arbeitgeberverbands von Remscheid und Umgebung (auch Radevormwald) Lindner ankündigte. "Mut zur Marktwirtschaft" - so der Titel seines Vortrags - musste Lindner den Unternehmern nicht machen. Spannender war Aktuelles. Kommt es zum Grexit? Lindner verteidigt die Entscheidung von 2010, Griechenland im Euro zu halten. "Das war damals richtig, Europa wäre in 1000 Teile zerfallen." Heute hält er immer weitere Finanzspritzen für falsch und glaubt dennoch: "Griechenland wird durch Mauscheleien Geld bekommen." Ein möglicher Grexit schreckt ihn nicht so sehr wie ein "Brexit", das Ausscheiden Britanniens aus der EU. "Das wäre der größtanzunehmende Unfall." Thema Flüchtlinge: Unsere liberale Verfassung mit Garantie der Grundrechte hält Lindner für die beste "Willkommenskultur". Jeder, der diese Rechts- und Weltordnung akzeptiert, sei willkommen. "Eine Scharia-Polizei können wir nicht dulden." Das Land brauche eine "qualifizierte Einwanderung". Asyl sei ein Grundrecht - "doch brauchen Flüchtlinge schnell Klarheit, ob sie bei uns eine Zukunft haben oder nicht." 200 000 liegengebliebene Altanträge auf Asyl nennt Lindner "skandalös" - "da werden Härtefälle produziert." Bei wirtschaftspolitischen Themen erntete Lindner viel stummes Kopfnicken, etwa wenn er Steuererhöhungen bei Grunderwerb und Erbschaft sowie staatliche Gängelungen und Bürokratie wie bei Mindestlohn, Mietpreisbremse und Arbeitsplatzverordnungen kritisierte oder vor drohender "Wohlfühlstagnation" auf dem "historischen Hochplateau" der Wohlstandsgesellschaft warnte.

Ein Zukunftsthema sei Bildung. Digitale Ausstattung der Schulen gehöre dazu wie Lehrerfortbildung und neue Unterrichtsmethoden. "Auf dem Schulhof tippen die Schüler in ihr Handy, wenn's klingelt, gehen sie ins Klassenzimmer und kehren zurück in die Kreidezeit." Einen Seitenhieb aufs Lehrpersonal konnte sich der gebürtige Wermelskirchener, dessen Vater Lehrer ist, nicht verkneifen. Bei einem Besuch seiner alten Schule habe er festgestellt, "dass einige Lehrer immer noch den gleichen, manche sogar denselben Pullover anhaben."

Quelle: RP
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