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Breitscheid
Impf-Aufklärung für Flüchtlinge

Breitscheid: Impf-Aufklärung für Flüchtlinge
Kinderarzt Alex Schink und Famlienhebamme Elke Harder informieren im Flüchtlingsheim Am Sondert über Impfung und Vorsorge. Auf der Waage: Christian (1). FOTO: achim blazy
Breitscheid. Den Bewohnern des Heims Am Sondert mangelt es an vielem. Auch an Aufklärung über medizinische Grundversorgung. Von Valeska von Dolega

Maria kennt sich aus. Die Neunjährige zeigt auf eine Stelle am Oberarm, "da bekam ich die Spritze". Nicht ohne Stolz erwähnt sie, dass das "nicht wehgetan" habe. Aber gegen was sie immunisiert wurde und warum, weiß das Flüchtlingskind aus Serbien nicht.

Deshalb kam Alex Schink jetzt ins Flüchtlingsheim am Sondert. Normalerweise praktiziert der Arzt in seiner Praxis in West. Am Mittwochnachmittag war er zusammen mit Familienhebamme Elke Hader vor Ort. Zusammen mit anderen bilden sie das Team "Frühe Hilfen" und informierten zum Thema "Impfungen und Vorsorge".

Etwa 143 Flüchtlinge leben zurzeit Am Sondert, etwa 60 davon sind Kinder. Ein gutes Dutzend Mütter nutze die Info-Stunde. "Geimpft werden kann nur, wenn das Kind gesund ist", führte der Arzt ins Thema ein. Deshalb sollte jeder Arztbesuch genutzt werden um zu checken, ob Impfungen möglich sind. Eine Impfpflicht gibt es nicht, "zur Grundimmunisierung wird dringend geraten", wie die Hebamme ergänzte. "Ja", sagte eine der Mütter. Die hätten ihre beiden Töchter, (5 und 9 Jahre) bekommen. Allerdings in Serbien. Und die Papiere seien nun futsch. "Dann muss noch mal ganz von vorne angefangen werden", sagte der Arzt. Selbst, wenn doppelt geimpft würde, wäre das nicht schlimm. "Überimpfung gibt es nicht." Außerdem gibt es in Deutschland für Kinder Impfpläne. Wann Impfungen zum Beispiel gegen Polio, Röteln, Diphtherie, Tetanus, Masern, Hepatitis B und Meningitis dran sind, ist genau verzeichnet - und dem Alter angepasst. So wie bei Baby Kristian (1 Jahr). "Der Blaue Schein von der Stadt berechtigt zur Impfung", erklärte Alex Schink. Der entspricht den Empfehlungen der Stiko - der "ständigen Impfkommission".

Bisher gibt es kein reguläres Impfangebot für Flüchtlinge. Viele Asylbewerber kommen aus Ländern, in denen das Gesundheitssystem durch Krieg und Krisen nicht mehr oder nur noch schlecht funktioniert. Auch die aktuelle Berliner Masern-Welle mit bisher mehr als 630 gemeldeten Fällen hatte im Oktober ihren Anfang in einem Flüchtlingsheim genommen. Die Ausbreitung von Infektionskrankheiten wie Masern in den Unterkünften hat in der Hauptstadt auch schon dazu geführt, dass zur Vermeidung von Ansteckungen zeitweise Belegungs- und Verlegungsstopps verhängt wurden. Das kann die Unterbringung erschweren. Der Informationsnachmittag war nun ein erster Schritt. Wie es mit der konkreten Umsetzung der Impfungen aussieht, blieb jedem selbst überlassen.

Quelle: RP
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