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Wesel
Aus dem Nähkästchen des Vatikans geplaudert

Wesel: Aus dem Nähkästchen des Vatikans geplaudert
Andreas Englisch gewährte mit seinem unterhaltsamen Vortrag dem Weseler Publikum einen Blick hinter die Kulissen des Vatikans. FOTO: Hermann
Wesel. Papst-Kenner und Journalist Andreas Englisch begeistert mit seinem Vortrag über Franziskus 412 Besucher in der Himmelfahrt-Kirche. Von Klaus Nikolei

Wohl nie zuvor war die Innenstadtkirche Mariä-Himmelfahrt bei einer weltlichen Veranstaltung so gut gefüllt wie Dienstagabend. Der Andrang war so groß, dass das Katholische Bildungsforum als Veranstalter kurzfristig einige Bierzeltbänke in das Gotteshaus schleppen ließ, so dass am Ende alle 412 Besucher einen Sitzplatz hatten, um dann den ungemein informativen und im höchsten Maße unterhaltsamen Geschichten von Papst-Verehrer, Vatikan-Kenner und Bestsellerautor Andreas Englisch zu lauschen.

"Das Maschinengewehr Gottes", wie ZDF-Talker Markus Lanz den Journalisten mit der markant kratzigen Stimme einmal bezeichnet hat, brachte den begeisterten Zuhörern vor allem die Person des radikalen Vatikanreformers Franziskus so nahe, dass man am Ende einfach zum glühenden Verehrer des Papstes aus Buenos Aires werden musste - und vermutlich auch zum Fan von Englisch. Der war nach Literaturstudium und Reportertätigkeit in Hamburg 1987 nach Rom gekommen, um dort Italienisch zu lernen. Die 4000 Mark im Gepäck waren schnell aufgebraucht. Also stellte er sich bei einer amerikanischen Presseagentur vor, die einen Vatikankorrespondenten suchte. "Ich hatte kein Theologiestudium, wusste nicht mal, wer der aktuelle Papst war und wurde trotzdem eingestellt - weil ich mal Messdiener war. ,Sie haben den Job, Sie sind jetzt unser Vatikanexperte', sagte mein neuer Chef".

Wenig später lernt der 23-Jährige Papst Johannes Paul II. kennen. Mit ihm unterhält er sich über Fußball und erfährt, dass Karol Wojtyla als Kind bei einem Spiel einen umgestürzten Torpfosten ersetzen musste und seither dieses Spiel hasst. In den folgenden Jahren begleitet Englisch Papst Johannes Paul II. auf dessen Auslandsreisen und schreibt ein Buch über die beeindruckende Persönlichkeit, die er hoch verehrt.

Keinen Hehl macht Andreas Englisch auch aus seiner Verehrung für Franziskus, der dafür gesorgt hat, dass im Vatikan nichts mehr so ist, wie es war, und der vor allem von der Kurie "gehasst wird". Franziskus' bescheidene Art - er verzichtet auf den Dienst-Mercedes, lebt nach wie vor im Gästehaus Santa Marta, isst in der Kantine fast täglich Salat, Mozzarella, kaltes Huhn und Brot und verzichtet auf Butler und sonstiges Personal - macht ihn zu einem Hoffnungsträger für viele Millionen Christen auf der ganzen Welt.

Einer der Höhepunkte des Abends ist die Schilderung von Englisch, wie Papst Franziskus nach der Heiligsprechung seines Vorgängers am 27. April 2014 mit dem Papamobil zuerst über den Petersplatz und dann über die mit drei Millionen Gläubigen gefüllte Via della Conciliazione zum Tiberufer fährt, die Menschen segnet und mit ihnen spricht. "Weil das Papamobil durch die Menschenmenge nicht zurück zum Petersdom kommt, fährt der Papst einfach neben Bussen, Mofas und Autos über die Hauptverkehrsstraße. Keiner kann es fassen, dass er sie alle segnet. Ein Mann vor einem Supermarkt ruft: ,Die drehen einen Film.' Das Papamobil fährt auf den Parkplatz, der Papst steigt aus und ruft den Leuten zu: ,Können wir nicht ein Vaterunser beten?' Und das tun dann alle auch".

Lang anhaltender Beifall eines überaus dankbaren Publikums.

Quelle: RP
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