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Flughafen-Attentat in Istanbul
Einer der Attentäter soll russischer Staatsbürger sein

Istanbul: Einer der Attentäter soll russischer Staatsbürger sein
Die Sicherheitskräfte in der Türkei sind in Alarmbereitschaft FOTO: ap, BO
Istanbul. Nach dem Terrorangriff auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul sind 13 Verdächtige festgenommen worden. Die Türkei vermutet den IS hinter dem Anschlag. Die Herkunft der drei Täter scheint geklärt zu sein.

Einer der Selbstmordattentäter am Atatürk-Flughafen ist 2011 in bulgarischer Haft gewesen. Es handelt sich nach einem Bericht des Staatsfernsehens in Sofia vom Donnerstag um einen russischen Staatsbürger, den Tschetschenen Achmed Radschapowitsch. Der Mann wurde damals an einem bulgarisch-türkischen Grenzübergang auf Ersuchen Russlands festgenommen, als er Bulgarien verlassen wollte.

Der Tschetschene wurde allerdings nicht an Russland ausgeliefert, da er 2003 politisches Asyl in Osterreich erhalten hatte. Deswegen lehnte das Gericht im bulgarischen Plowdiw seine Auslieferung nach Russland ab.

Russland hat bisher Angaben aus türkischen Regierungskreisen nicht bestätigt, dass es sich bei einem der drei Angreifer in Istanbul um einen russischen Staatsbürger gehandelt hat. Die türkische Nachrichtenagentur DHA hatte gemeldet, dass es sich bei dem Russen um einen Mann aus Dagestan handelt. Diese russische Teilrepublik grenzt in der Unruheregion Nordkaukasus an die ebenfalls russische Teilrepublik Tschetschenien.

Ein Regierungsvertreter hatte zuvor gesagt, die Angreifer stammten aus Russland, Usbekistan und Kirgistan. Die Zeitung "Hürriyet" berichtete ihrerseits, bei einem der Angreifer handele es sich um einen Tschetschenen namens Osman Wadinow, der sich zuletzt in der syrischen IS-Hochburg Raka aufhielt. Usbekistan und Kirgistan sind überwiegend muslimisch und gehörten einst zur Sowjetunion. Zahlreiche Extremisten aus dem Kaukasus und aus Zentralasien haben sich dem IS in Syrien und im Irak angeschlossen.

13 Festnahmen nach Razzien in der Türkei

Wegen der Anschläge habe die Polizei Razzien an 16 verschiedenen Adressen durchgeführt. Allein bei einer großen Razzia in Izmir nahm die Polizei neun Verdächtige fest. Sie sollen Beziehungen zur Terrormiliz Islamischer Staat haben. Auch in Istanbul gab es Durchsuchungen, die sich gegen den IS richteten. Die türkische Regierung vermutet die Terrormiliz hinter dem Anschlag. 13 Verdächtige seien festgenommen worden, darunter vier Ausländer, sagte Innenminister Efkan Ala am Donnerstag im Parlament.

Bekannt hat sich bislang niemand zu dem Anschlag auf den Atatürk-Flughafen. Anders als bei Anschlägen in Westeuropa übernimmt der IS bei Angriffen in der Türkei nur selten die Verantwortung. Am Dienstagabend hatten drei Selbstmordattentäter am Atatürk-Flughafen mindestens 44 Menschen getötet und mehr als 230 weitere verletzt. Für die Türkei war es der jüngste in einer ganzen Reihe von schweren Terroranschlägen in diesem Jahr.

Beweise sichergestellt

Bei den Razzien in Izmir stellte die Polizei nach Angaben von Anadolu Gewehre und Dokumente sicher, die einen Bezug zum IS haben. Die Verdächtigen seien in Kontakt mit IS-Kämpfern in Syrien gewesen und in Aktivitäten verwickelt, die mit den Zielen und Interessen der Organisation übereinstimmten. Dazu zähle die Versorgung mit Geld, Rekruten und logistische Hilfe. Nach dem Polizeieinsatz in Istanbul blieb offen, ob es Festnahmen gab und ob die Aktion im direkten Zusammenhang mit dem Anschlag vom Dienstagabend standen.

 

(rent/crwo/dpa/ap)
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