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Terror in Brüssel
Fragen und Antworten zu den Anschlägen in Brüssel

Brüssel: Schweigeminute für Opfer der Terror-Anschläge
Brüssel. Mit einem Fahndungsfoto sucht die belgische Polizei nach den Brüsseler Anschlägen nach einem Verdächtigen. Die Terrormiliz IS bekannte sich zu der Tat - dennoch ist vieles noch unklar. Wir geben einen Überblick.

Die Anschläge und die Opfer

Was wir wissen: Um kurz nach 8 Uhr ereigneten sich in der Abflughalle des Flughafens Brüssel-Zaventem zwei Explosionen. Laut belgischen TV-Berichten starben dabei 14 Menschen. Rund 100 Personen wurden verletzt. Eine dritte Bombe wurde später im Flughafen gefunden und entschärft. Um 9.11 Uhr gab es in der Metro-Station Maalbeek im EU-Viertel eine weitere Detonation. Hier starben nach Angaben des Brüsseler Bürgermeisters Yvan Mayeur 20 Menschen, rund 130 Personen wurden verletzt.

Schaerbeek: Wo der Terrorist wohnte

Unter den Verletzten ist mindestens eine Deutsche. Die Frau erlitt eine leichte Rauchvergiftung. Hinweise auf deutsche Todesopfer gibt es bislang nicht.

Was wir nicht wissen: Zur Nationalität der Todesopfer gibt es bislang keine offiziellen Angaben. Einer peruanischen Nachrichtenagentur zufolge soll eines der Todesopfer aus Peru stammen. Unklar ist zudem, wo genau im Terminal es zu den Detonationen kam. Am Vormittag berichteten mehrere Medien, eine Bombe sei in unmitelbarer Nähe des Check-in-Schalters von American Airlines explodiert. Auch ein Augenzeuge bestätigte dies im Gespräch mit unserer Redaktion. American Airlines bezeichnete diese Darstellung am Nachmittag jedoch als falsch.

Die Täter

Was wir wissen: Die Polizei veröffentlichte das Bild einer Flughafen-Überwachungskamera, das drei Männer zeigt. Zwei von ihnen sprengten sich nach Angaben des belgischen Innenministers Jan Jambon als Selbstmordattentäter in die Luft. Gleichlautenden Medienberichten zufolge soll es sich dabei um die Brüder Khalid und Brahim El Bakraoui handeln. Die Bombe des dritten Mannes explodierte jedoch nicht. Bei dem Mann soll es sich um den 24-jährigen Najim Laachraoui handeln, berichtet "Het Nieuwsblad" unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Belga. Nach Laachraoui wurde bereits vor den Brüsseler Anschlägen gefahndet. Er soll auch an den Anschlägen in Paris am 13. November 2015 beteiligt gewesen sein. 

Die Terrormiliz IS hat sich zu den Anschlägen bekannt - nachdem zunächst die dem IS nahestehende Nachrichtenagentur Amaq darüber berichtet hatte, veröffentlichte die Organisation selbst ein Bekennerschreiben. Mehrere "Soldaten des Kalifats" hätten mit Sprengstoffgürteln und Sprengkörpern den "Kreuzfahrerstaat Belgien" angegriffen, hieß es.

Bei Hausdurchsuchungen in der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek fanden die Fahnder am Dienstagnachmittag eine IS-Flagge, einen Sprengsatz mit Nägeln und chemische Substanzen. Bis zum frühen Mittwochmorgen durchsuchten Spezialeinheiten mehrere Gebäude in Schaerbeek. Auf die Spur nach Schaerbeek hatte die Ermittler einem Medienbericht zufolge ein Taxifahrer gebracht. Der Mann habe dort drei Männer von einer Wohnung abgeholt und zum Flughafen gefahren, berichtete der Sender VRT. Dabei sei ihm aufgefallen, dass die Fahrgäste sich nicht mit dem Gepäck helfen lassen wollten.

Was wir nicht wissen: Wieviele Täter waren an beiden Anschlagsorten aktiv? War die Explosion an der Metro-Station ebenfalls das Werk eines Selbstmord-Attentäters, oder wurde die Bombe ferngezündet? All das ist bislang ungeklärt. Die Polizei fahndet seit Dienstagnachmittag nach dem dritten Mann, der auf dem Bild einer Überwachungskamera zu sehen ist. Das Bild zeigt ihn in weißer Jacke mit einem Flughafengepäckwagen, einer schwarzen Tasche und einer dunklen Mütze.

Ein Zusammenhang mit der Festnahme des mutmaßlichen Drahtziehers der Anschläge von Paris, Salah Abdeslam, ist naheliegend, bislang aber unbestätigt. Es sei zu früh, um eine Verbindung herzustellen, sagte Belgiens Chefankläger bei einer Pressekonferenz. Abdeslams mutmaßliche Komplizen Najim Laachraoui und Mohamed Abrini werden weiter gesucht. Der belgische Außenminister Didier Reynders sagte: "Wir befürchten, dass Personen noch auf freiem Fuß sind."

Die aktuelle Sicherheitslage

Was wir wissen: Nachdem das öffentliche Leben in der Stadt stundenlang zum Erliegen kam, haben die Verkehrsbetriebe in Brüssel ihre Arbeit teilweise wieder aufgenommen. Der Flughafen jedoch bleibt mindestens bis Donnerstag geschlossen; Flüge von und nach Brüssel wurden gestrichen. Auch der internationale Bahnverkehr wurde in Belgien am späten Dienstagvormittag eingestellt. Züge, die bereits unterwegs waren, mussten umkehren. Am Mittwoch sollen die Schnellzüge von Deutsche Bahn, Thalys und Eurostar wieder über Brüssel fahren.

In Belgien gilt die höchste Terrorwarnstufe. Auch Atomkraftwerke werden besonders bewacht. Das für den Betrieb der Anlagen nicht unbedingt notwendige Personal verließ die Kraftwerke in Doel und Tihange.

In Deutschland wurden nach Angaben der Bundespolizei die Kontrollen an Flughäfen und Bahnhöfen sowie an der deutsch-belgischen Grenze verstärkt. Auch an der deutsch-niederländischen Grenze gibt es Kontrollen. 

In NRW wird nach den Anschlägen stärker verdeckt gegen mögliche Terroristen ermittelt. Außerdem werden belgische Einrichtungen stärker geschützt und Kontrollen verstärkt, sagte Innenminister Ralf Jäger (SPD). Nach Informationen unserer Redaktion führt derzeit jede Streifenwagenbesatzung eine Maschinenpistole mit.

Was wir nicht wissen: Die Angst vor weiteren Anschlägen ist immer noch da. Denn es ist unklar, ob noch Täter oder Komplizen in der Stadt sind - nach dem Fahndungsaufruf der belgischen Polizei spricht einiges dafür. Brüssel gilt in Polizeikreisen als wichtigster Rückzugsort für gewaltbereite Syrien-Heimkehrer in Europa.

Aktuelle Berichte, Analysen, Bilder und Videos zu den Ereignissen in Brüssel finden Sie in unserem Dossier.

(rls/csi/dpa/afp)
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