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Verhandlung über Einigung
Ratlosigkeit nach Scheitern der Zypern-Gespräche

Mont Pélerin/Nikosia. Eine Einigung des geteilten Zyperns ist in weite Ferne gerückt. Nach mehrmonatigen zähen Verhandlungen sind griechische und türkische Zyprer zerstritten auseinandergegangen. Sie lassen die UN und die Menschen auf der Insel ratlos zurück.

Nach mehr als 42 Jahren Teilung schienen die griechischen und türkischen Zyprer einer Einigung ein ganzes Stück näher gekommen zu sein. Doch wie  so oft in den vergangenen Jahrzehnten haben sich die UN und die Verhandlungspartner erneut die Zähne an dieser Frage ausgebissen. Am frühen Dienstagmorgen zerbrach die mühsam aufgebaute Treppe, die zur Lösung der Frage hätte führen sollen.

Das Schlimmste: Der türkisch- und der griechisch-zyprische Volksgruppenführer, Mustafa Akinci und Nikos Anastasiades, trennten sich im Streit. Die eine Seite schob der anderen die Schuld in die Schuhe. "Das Klima ist jetzt vergiftet", kommentierte ein enttäuschter Diplomat am Dienstagmorgen in der Inselhauptstadt Nikosia.

Was war der Grund des Scheiterns?

Streitigkeiten rund um die Frage, wie viel Land an die griechischen Zyprer im Falle einer Lösung zurückgegeben werden soll, damit möglichst viele griechische Zyprer unter eigener Verwaltung in ihre Häuser zurückkehren können.

Der wichtigste Streitpunkt hat dem Vernehmen nach einen Namen: Es ist die Rückgabe der wohlhabenden und von großen Zitrus-Plantagen umgebenen Stadt Morfou (türkisch: Güzelyurt) an die griechischen Zyprer. Ohne Rückgabe dieser ehemals fast ausschließlich von mehr als 20.000 griechischen Zyprern bewohnten Stadt und ihrer Umgebung könne der griechisch-zyprische Volksgruppenführer Anastasiades die Lösung seinen Leuten nicht präsentieren, sagen übereinstimmend Analysten im Süden der Insel.    

Der Sprecher der türkischen Zyprer, Baris Burcu, warf den griechischen Zyprern vor, "maximalistische Forderungen" gestellt zu haben. Sie hätten darauf bestanden, dass mindestens 90.000 griechische Zyprer in ihre Siedlungsgebiete von vor 1974 zurückkehren, hieß es. Die türkisch-zyprische Seite soll dem Vernehmen nach die Rückkehr von rund 75.000 Menschen zugestimmt haben. 1974 mussten rund 160.000 griechische und rund 40.000 türkische Zyprer ihre Häuser verlassen und in den jeweils eigenen Inselteil umgesiedelt werden.

Griechische Seite will Gespräche fortsetzen

"Es ist keine gute Nacht für unsere Heimat", sagte sichtlich enttäuscht der griechisch-zyprische Regierungssprecher Nikos Christodoulides. Auch er bestätigte, dass der Grund des Scheiterns die Zahl der griechischen Zyprer war, die in ihre Städte und Dörfer zurückkehren sollten. "Wir sind entschlossen, diese Bemühungen (zur Überwindung der Teilung) fortzusetzen", sagte er.

Angestrebt wurde eine Föderation aus zwei Bundesstaaten, ein griechisch-zyprischer im Süden und ein türkisch-zyprischer im Norden der drittgrößten Mittelmeerinsel. Die zyprischen Volksgruppenführer verhandelten im schweizerischen Mont Pélerin, nachdem es schon monatelange zähe Vorgespräche gegeben hatte.

Wäre eine Lösung möglich gewesen, falls sich Akinci und Anastasiades beim "territorialen Thema" geeinigt hätten?

Nicht unbedingt, denn die türkischen Zyprer und Ankara bestehen darauf, dass die Türkei Garantiemacht bleibt. Für die griechischen Zyprer und Athen sind dagegen Garantiemächte ein Anachronismus. In der EU brauche man keine Garantiemächte, auch nicht in Form eines Drittstaates wie die Türkei.

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hatte bereits vergangenen Freitag mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan über Zypern gesprochen. Bei dem Telefonat hätten sie dem Vernehmen nach diesen Streitpunkt erörtert, ohne indes eine Lösung zu finden.

Sollte es doch noch eine Einigung geben, wäre noch eine letzte, vielleicht schwierigste Hürde zu nehmen: Die beiden Volksgruppen müssten ein Lösungspaket in getrennten Volksabstimmungen billigen.
Ein ähnlicher Plan, den die UN 2004 ausgearbeitet hatten, scheiterte am Nein der griechischen Zyprer, die Zweifel an der Aufrichtigkeit Ankaras hatten. Für viele gilt das bei einer Türkei unter Führung Erdgans noch mehr.

(rent/dpa)
 
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