| 15.16 Uhr

Japanischer Regierungschef
Radioaktive Drohne landet auf Amtssitz von Shinzo Abe

Shinzo Abe: Mysteriöse Drohne landet auf Dach des Amtssitzes
Die mysteriöse Drohne - abgedeckt auf dem Hubschrauberlandeplatz. FOTO: ap
Tokio. Während sich Shinzo Abe in Indonesien aufhält, haben Sicherheitskräfte eine mysteriöse Drohne auf dem Dach des Amtssitzes des japanischen Regierungschefs entdeckt.

Berichte über Verletzungen oder Schäden im Zusammenhang mit der Drohne gab es nicht. Die Polizei ging der Möglichkeit nach, dass das Fluggerät während eines Flugs abgestürzt war. Wann es auf dem Dach gelandet war, war zunächst unklar. Medienberichten zufolge wurde die Drohne am Mittwoch von einem Beamten entdeckt, der neue Mitarbeiter mit auf eine Tour durch das Büro Abes in Tokio nahm.

Zunächst wurde der Zwischenfall lediglich als Unfall betrachtet. Doch dann gab es Berichte, wonach Beamte Spuren von Strahlung von der Drohne entdeckt hätten. Die Strahlenwerte seien aber vermutlich nicht für den Menschen schädlich, hieß es. Fernsehaufnahmen zeigten mehrere uniformierte Polizisten ohne Schutzanzüge, die eine blaue Plastikbox mit dem Fluggerät für eine weitere Untersuchung davontrugen.

Videoaufnahmen des Senders NHK hatten zuvor Dutzende Polizisten und Beamte um die Drohne herum gezeigt, die mit einer blauen Plane bedeckt war. Das Fluggerät hatte einen Durchmesser von rund 50 Zentimetern und war mit vier Propellern ausgestattet. Zudem hatte es laut NHK eine kleine Kamera und etwas, das wie ein Leuchtsignal aussah. Dekoriert war die Drohne mit einem Symbol, das vor radioaktivem Material warnt.

Zuvor waren ungeachtet scharfer Kritik aus China und Südkorea am Mittwoch mehr als 100 japanische Politiker zum höchst umstrittenen Yasukuni-Schrein in Tokio gepilgert. Am Vortag hatte bereits der rechtskonservative Ministerpräsident Abe mit einer übersandten Opfergabe zum Früjahrsfest des Schreins Proteste Chinas und Südkoreas provoziert. Im Yasukuni wird der 2,5 Millionen Seelen von in Kriegen für das japanische Kaiserreich Gestorbenen gedacht - darunter die von 14 hingerichteten Kriegsverbrechern. Zu den Politikern gehörten Vertreter von Abes Regierungspartei LDP wie auch der Opposition.

Opfergaben und Pilgerbesuche hochrangiger Politiker im Yasukuni lösen immer wieder Spannungen mit den Nachbarländern China und Südkorea aus, die Opfer der Aggressionen Japans im Zweiten Weltkrieg waren.

Anfahren der Akw rückt näher

Derweil rückt vier Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima die Rückkehr zur Kernenergie näher. Ein Gericht wies am Mittwoch die Forderung von Bürgern zurück, ein Wiederanfahren zweier Reaktoren des Betreibers Kyushu Electric Power im Atomkraftwerk Sendai zu stoppen. Das Urteil ist ein Erfolg für Ministerpräsident Shinzo Abe, der möglichst schnell die ersten nach der Atomkatastrophe abgeschalteten Meiler im Lande wieder in Betrieb sehen will.

Erst vor wenigen Tagen hatte ein anderes Gericht das Wiederanfahren zweier Reaktoren im Akw Takahama in Westjapan unterbunden und damit Abe einen Stolperstein in den Weg gelegt. Die Reaktoren in Sendai in Südwestjapan sollen im Juli ans Netz gehen.

Die Reaktoren in der südwestlichen Provinz Kagoshima hatten genauso wie die beiden Reaktoren in Takahama die nach dem GAU in Fukushima verschärften Sicherheitsauflagen erfüllt. Daraufhin gab die Atomaufsichtsbehörde für beide Standorte grünes Licht zum Wiederanfahren.

Das Bezirksgericht in Fukui hatte das Hochfahren der Reaktoren in Takahama jedoch in einer einstweiligen Verfügung kürzlich unterbunden. Begründung: Die neuen Sicherheitsauflagen - laut der Regierung die "strengsten der Welt" - seien "zu locker".

Die Richterkollegen in Kagoshima kamen dagegen für die Reaktoren in Sendai nun zum gegenteiligen Urteil. Derzeit stehen sämtliche 48 kommerziellen Reaktoren in Japan still. Sie gingen nach dem Super-Gau in Fukushima im März 2011 Schritt für Schritt vom Netz.

Die rechtskonservative Regierung will zur Atomkraft zurückkehren. Sie setzt sich damit über den breiten Widerstand in der eigenen Bevölkerung hinweg. In Umfragen spricht sich eine Mehrheit der Bürger immer wieder gegen eine Rückkehr zur Atomkraft aus.

(dpa)
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