| 18.32 Uhr

Flüchtlingsfrage als Wahlkampfthema
Schulz' durchsichtiges Manöver

Porträt in Bildern: Das ist Martin Schulz
Porträt in Bildern: Das ist Martin Schulz FOTO: rtr, STN
Meinung | Berlin. Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz hat vor einer Wiederholung der Flüchtlingskrise des Jahres 2015 gewarnt. Zugleich will der Kanzlerkandidat die Politik dazu zum Wahlkampfthema machen. Ob diese Strategie aufgeht, kommentiert RP-Chefredakteur Michael Bröcker.  Von Michael Bröcker

Die flüchtlingspolitische Offensive des SPD-Kanzlerkandidaten hat wenig mit Flüchtlingspolitik, aber viel mit Verzweiflung zu tun. Martin Schulz ist laut Umfragen so weit vom Kanzleramt entfernt wie Würselen von Berlin. Seine (bedenkenswerten) Vorschläge bei Steuern und Investitionen konterte die CDU-Chefin mit ähnlichen, aber weniger konkreten Konzepten.

Andere Schulz-Pläne wie das Chancenkonto sind finanzpolitische Heißluftballons. Nun versucht Schulz, die Grenzöffnung von 2015, mit der die Kanzlerin viele Bürger gegen sich aufgebracht hat, in den Wahlkampf 2017 zu ziehen. Auf der Klaviatur der Überfremdungsängste können auch Sozialdemokraten spielen. Die Frage ist: Was bietet Schulz inhaltlich Neues? Nichts!

Niemand will eine Situation wiederholen, in der Hunderttausende Flüchtlinge ohne geklärte Identität ins Land gelassen werden. Auch die Kanzlerin hat dies betont. Seither wurden Asyl-Gesetze verschärft, die Balkan-Route geschlossen, der Türkei-Pakt in Kraft gesetzt. Die Flüchtlingszahlen gingen runter. Nun braucht es eine klare Ordnung: Schutz für schutzbedürftige Asylbewerber, Eintrittsregeln für Zuwanderer (Einwanderungsgesetz!). Durchsetzung des Rechts bei abgelehnten Asylbewerbern. Dazu eine Sicherung der EU-Außengrenzen. Hilfen für Ort in Nordafrika, Kontingente für Flüchtlinge, damit das tödliche Schlepper-Geschäft auf dem Mittelmeer beendet wird.

All das findet Martin Schulz übrigens genauso richtig wie Angela Merkel. Was soll seine Polterei also? Im Herbst 2015 gehörte Martin Schulz übrigens zu den engagiertesten Unterstützern der Kanzlerin. "Frau Merkel hat ganz klar eine Position bezogen, die ich teile", sagte er damals. Da war Schulz Präsident des Europäischen Parlaments. Heute ist er SPD-Kanzlerkandidat.

 
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