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Überweisungen von bis zu 25.000 Euro
Zypern lockert Zahlungsverkehr für Bankkunden

Zypern – der Tag der Banken-Wiedereröffnung
Zypern – der Tag der Banken-Wiedereröffnung FOTO: afp, EIS
Nikosia. Die zyprische Regierung hat nach dem ausgebliebenen Sturm auf die Banken ihre Kapitalverkehrskontrollen gelockert. Bürger und Unternehmen dürften jetzt bis zu 25.000 statt nur 5000 Euro ohne die Zustimmung der Zentralbank überweisen.

Außerdem erlaubte das Finanzministerium am Dienstag den Gebrauch von Schecks bis zu einer Grenze von 9000 Euro im Monat. Nach zwei Wochen öffnete am Tag nach Ostern die Börse wieder ihre Tore. Mit einem Minus von 2,5 Prozent verbuchte der Leitindex FTSE/CySE nur moderate Verluste - allerdings bleibt der Handel mit Aktien der beiden großen Problem-Banken noch bis zum 15. April ausgesetzt.

Mit den Kapitalverkehrskontrollen sollen die Geldinstitute des Landes vor einer massiven Kapitalflucht bewahrt werden. Nachdem die Banken am Donnerstag erstmals seit zwei Wochen wieder ihre Tore geöffnet hatten, war eine Massenpanik besorgter Kunden allerdings ausgeblieben. Die meisten Beschränkungen hält das Finanzministerium aber aufrecht. So geben die Geldautomaten weiter nur 300 Euro pro Tag und Kopf aus. Außerdem dürfen nur 1000 Euro in bar über die Grenzen mitgenommen werden.

Noch nicht vollständig geklärt ist, in welchem Volumen die Kundeneinlagen bei der Bank of Cyprus zur Sanierung des Instituts herangezogen werden. Nach bisherigem Stand werden 37,5 Prozent der Einlagen über 100.000 Euro in Aktien getauscht. Weitere 22,5 Prozent wurden eingefroren und werden ganz oder teilweise in Aktien getauscht.

Die verbleibenden 40 Prozent wurden durch eine Verfügung der zyprischen Zentralbank vom 30. März ebenfalls zeitweise blockiert, sie sollen aber nicht zur Sanierung der Bank verwendet werden. In Zentralbankkreisen hieß es, der blockierte Anteil könnte von 40 auf 30 Prozent sinken. Die Schieflagen der Bank of Cyprus und der Laiki Bank hatten das Land an den finanziellen Abgrund geführt.

Die Euro-Zone will dem Staatshaushalt mit zehn Milliarden Euro unter die Arme greifen - aber nur bei einer massiven Beteiligung der Banken-Einlagen ab einer Grenze von 100.000 Euro. Die Kunden der Laiki Bank dürften Beträge darüber vollständig verlieren.

Der Handel mit Aktien der beiden Geldhäuser war weiter nicht möglich, die Börse setzte ihn für weitere zehn Werktage aus. Die Laiki Bank wird aufgespalten. Die "guten" Bestände gehen an die Bank of Cyprus über, der Rest wird in eine "Bad Bank" überführt.

Die Börse hatte zuletzt am 15. März geöffnet und war wegen der Turbulenzen um die drohende Staatspleite seitdem geschlossen gewesen. Stärkster Verlierer nach der Eröffnung waren die Papiere der Hellenic Bank mit einem Minus von 20 Prozent.

In den vergangenen Tagen hatten zyprische Medien berichtet, vor Einführung der Kapitalverkehrskontrollen hätten die Banken massive Vermögensabflüsse verzeichnet. Wer sein Geld auf ein Konto der britischen Tochter der Laiki Bank transferiert hat, wird von der Einlegerbeteiligung in Zypern nicht getroffen. Die britische Zentralbank BoE erklärte, für die Laiki-Tochter gelte britisches Recht, die Kunden könnten über ihre Konten verfügen.

Zurzeit handelt die zyprische Regierung mit der "Troika" aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) die Details einer Hilfs- und Reformvereinbarung aus. Sie ist die Basis für die Auszahlung der zehn Milliarden Euro an die zyprische Staatskasse. Dem Vertrag muss auch der Bundestag zustimmen, ohne dessen Erlaubnis die Bundesregierung in der Euro-Zone kein grünes Licht geben darf.

Der CSU-Finanzexperte Hans Michelbach forderte im "Handelsblatt" eine stärkere Zusammenarbeit Euro-Staaten mit bester Bonität ("Tripple A") bei der Stabilisierung des Währungsraums. Dies könnte dazu beitragen, das Vertrauen in den Euro bei Bürgern und Investoren zu stärken. Neben Deutschland werden nur noch die Niederlande, Finnland und Luxemburg von den Ratingagenturen als Schuldner allererster Güte bewertet.

(REU/nbe)
 
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