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Formel-1-Wirbel
Red Bull schmeißt Kwjat raus, Mercedes schreibt Wut-Brief

Kwjat schießt Vettel in Russland ab
Kwjat schießt Vettel in Russland ab FOTO: ap, FA
Vor dem Start der Europa-Saison der Formel 1 sorgen zwei Top-Teams für Wirbel. Red Bull straft Crash-Pilot Daniil Kwjat ab und befördert Max Verstappen. Mercedes ist von Sabotage-Gerüchten erstaunlich tief getroffen.

Red Bull tauscht im Eiltempo seine Fahrer, Mercedes wehrt sich gegen Sabotage-Gerüchte: Kurz vor dem Europa-Auftakt greifen zwei Spitzenteams der Formel 1 zu ungewöhnlichen Maßnahmen.

Bei Red Bull muss Daniil Kwjat für den peinlichen Sotschi-Crash mit Sebastian Vettel umgehend büßen und schon beim nächsten Rennen in Barcelona sein Cockpit für Supertalent Max Verstappen räumen. "Das gibt ihm die Chance, seine Form wiederzufinden und sein Potenzial zu zeigen", rief Red-Bull-Teamchef Christian Horner dem zum kleineren Schwesterteam Toro Rosso zurückversetzten Russen Kwjat am Donnerstag hinterher.

Tags zuvor hatte Mercedes mit einem offenen Brief für Wirbel gesorgt, in dem der Weltmeister-Rennstall mit 1100 emotionalen Worten den Verdacht der internen Verschwörung zugunsten von Nico Rosberg zurückweist. "Es gibt hier kein A- oder B-Team", heißt einer der Kernsätze des ungewöhnlichen Schreibens. Mercedes reagierte damit auf Vorwürfe aus Fankreisen, Lewis Hamilton werde benachteiligt, um Rosberg den Weg zum Titel zu ebnen. Rosberg hatte die ersten vier Saisonrennen gewonnen und dabei auch von mehreren Technik-Defekten bei seinem britischen Stallrivalen profitiert.

Das Sotschi-Zeugnis der deutschen Piloten FOTO: dpa, ss

Es wirkt durchaus erstaunlich, wie verletzt der Branchenführer offenbar von den Spekulationen im Internet ist. Schon zuletzt in Sotschi war Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff schwer verärgert und hatte die Urheber der Gerüchte als "Verrückte" bezeichnet. "Wir stehen hier vereint als ein Team - genau wie wir es immer getan haben", schrieb Mercedes nun.

Auch bei Red Bull zeigten die Ereignisse von Sotschi Wirkung. Nur vier Tage nach dem doppelten Auffahrunfall von Kwjat mit Ferrari-Star Vettel beförderte das Team den erst 18 Jahre alte Niederländer Verstappen von Toro Rosso zum zweiten Stammfahrer neben dem Australier Daniel Ricciardo.

Kwjat hatte mit seinem Auftritt als übermütiger Pisten-Rambo schon in der ersten Runde das Rennen von Vettel beendet, der Hesse beschwerte sich danach am Red-Bull-Kommandostand. Kwjat half auch eine kleinlaute Entschuldigung beim Deutschen nicht, dessen Nachfolge bei Red Bull er 2015 angetreten hatte.

Formel 1: Die Quali-Duelle 2016 FOTO: afp, ww/DD/ia

Beim Grand Prix von Spanien in gut einer Woche muss der 22-Jährige nun wieder zurück zum Toro-Rosso-Rennstall, für den er 2014 sein Debüt in der Formel 1 gegeben hatte. "Wirklich? Ein schlechtes Rennen und Kwjat wird fallen gelassen? Und was ist mit seinem Podiumsplatz im Rennen davor", fragte McLaren-Pilot Jenson Button via Twitter.

Verstappen indes zeigte sich begeistert von der schnellen Beförderung. Im Vorjahr hatte er im Toro Rosso als jüngster Pilot der Formel-1-Geschichte debütiert, nun darf er den stärkeren Red Bull steuern. "Max hat sein außerordentliches Talent nachgewiesen", sagte Teamchef Horner. Der Sohn des früheren Grand-Prix-Fahrers Jos Verstappen gilt in der Branche als Topstar der Zukunft, vor allem Ferrari wurde mehrfach Interesse an seiner Verpflichtung nachgesagt.

Wohl auch um die Verhandlungsposition im Poker um Verstappen zu stärken, zog Red Bull den ohnehin geplanten Aufstieg des Youngsters vor. Mit Blick auf sein Debüt im Red Bull in Barcelona sagte Verstappen: "Ich kann diesen besonderen Augenblick kaum erwarten."

(dpa)
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