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FIA-Technikdirektor
Geheimnisträger sorgt für Ärger in der Formel 1

Marcin Budkowski: Geheimnisträger sorgt für Ärger in der Formel 1
FOTO: ap
Suzuka. Vor zwei Wochen war Marcin Budkowski beim Weltverband für Technikfragen zuständig. Nun wechselt der Pole zu Renault.

Zwei Fahrer kämpfen in der Formel 1 um den WM-Titel, doch bei den noch ausstehenden fünf Rennen sind sechs siegfähig. Mercedes-Pilot Lewis Hamilton hat 34 Punkte mehr als Ferrari-Fahrer Sebastian Vettel. Der Heppenheimer, der gestern im Training die Bestzeit erzielte, muss vor Hamilton die Ziellinie überqueren und darauf hoffen, dass die für sein ehemaliges Team Red Bull fahrenden Max Verstappen und Daniel Riccardo (7 Uhr/Live-Ticker) dem WM-Spitzenreiter beim Grand Prix von Japan Punkte abnehmen.

Doch am Tag als der Regen nach Suzuka kam, war der Sport nicht Thema Nummer eins. Die Angst vor einem Überläufer hatte schon länger für Unruhe im Fahrerlager gesorgt. Gestern kam der Vollzug: Marcin Budkowski, bislang Technikdirektor beim Weltverband (Fia), wechselt zu Renault. Der Pole, bis vor wenigen Tagen lediglich Kennern der Szene ein Begriff, sorgt für öffentliche Aufregung, denn er ist Geheimnisträger. Der 40-Jährige war noch vor zwei Wochen bei der Fia für die Technikfragen in der Formel 1 zuständig. Wenn etwa ein Rennstall Innovationen plant, lässt er prüfen, ob diese sich noch mit dem Reglement vertragen. Budkowski häufte detailgenaues Wissen auch über Pläne der Teams an - und nimmt dieses als Chef der Chassis-Entwicklung mit zum aufstrebenden Werksteam um Formel-1-Fahrer Nico Hülkenberg (Emmerich).

"Marcin ist in die intimsten Geheimnisse aller Teams eingeweiht", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner bei Sky Sports F1: "Sowohl vergangene als auch künftige. Vor zwei Wochen hat dieser Mann mit uns über unsere Radaufhängungs-Systeme gesprochen. Er war auch in unserem Windkanal. Zu erwarten, dass er dieses Wissen nicht verwenden wird, ist ziemlich naiv."

Das Problem ist für die Teams nicht, dass Budkowski Karriere macht. Aber sein Vertrag bei der Fia sah lediglich eine dreimonatige Arbeitssperre vor, damit kann der 40-Jährige theoretisch schon Anfang 2018 bei Renault einsteigen. Vor einer Woche beim Grand Prix in Malaysia tagten die sechs Teams der Strategiegruppe. Nun scheint eine Verlängerung der Auszeit bis April 2018 möglich.

Damit wäre Budkowski zumindest offiziell nicht in die Entwicklung des 2018er-Autos eingebunden. Glücklich wirkte die Konkurrenz um Ferrari und Mercedes auch damit nicht. "In der Industrie sind sechs Monate das Minimum, vielleicht sogar zwölf oder mehr", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Es dürfte erneut Gespräche geben, um die künftige Dauer der Übergangsphase zu klären. Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost: "Sonst wird es dazu führen, dass wir keine Informationen mehr mit den Leuten der Fia teilen können."

(sid/RP)
 
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