1. Bundesliga 17/18
| 09.08 Uhr

James Rodriguez wechselt nach München
Bayerns "Granate" ist da – was wird aus Müller?

James Rodriguez: WM-Torschützenkönig und neuer Bayern-Star
James Rodriguez: WM-Torschützenkönig und neuer Bayern-Star FOTO: rtr, PK/
Düsseldorf. Uli Hoeneß hatte den Fans des FC Bayern München eine "Granate" in diesem Transfersommer versprochen – und der Bayern-Präsident hält Wort. In James Rodriguez kommt ein echter Weltklassespieler von Real Madrid. Das könnte jedoch für Thomas Müller zum Problem werden. Von Denis Canalp

Die Worte von Karl-Heinz Rummenigge in der Pressemitteilung des Klubs zur Verpflichtung des kolumbianischen WM-Torschützenkönig von 2014 dürften besonders bei Publikumsliebling Müller für spitze Ohren gesorgt haben. "Wir sind sehr glücklich, dass wir diesen Transfer umsetzen konnten. Die Verpflichtung von James Rodriguez war der große Wunsch unseres Trainers Carlo Ancelotti, nachdem beide bereits in Madrid erfolgreich zusammengearbeitet hatten", wird Bayerns Vorstandschef zitiert. Nach Corentin Tolisso schon der zweite Wunschspieler des Trainers, der in diesem Sommer an der Säbener Straße eincheckt. Und beide sind im Mittelfeld beheimatet, dem urtypischen Betätigungsfeld Müllers.

In den großen Spielen schaut Müller nur zu

Müller hatte kein einfaches Jahr unter Ancelotti bei den Bayern. Unter dem Strich kommt er zwar auf passable Leistungsdaten – in 42 Pflichtspielen gelangen ihm neun Treffer und 20 Vorlagen – doch die B-Note passte nicht immer. Müllers Leistungen waren nicht so konstant wie in den Vorjahren, das Credo: "Müller spielt immer", einst von Ex-Bayern-Coach Louis van Gaal beim Rekordmeister eingeführt, hat längst an Bedeutung verloren. Unter Ancelotti stand Müller in den vier K.o.-Spielen der Champions League nie in der Startelf, auch im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund kam er lediglich die letzten elf Minuten zum Zuge. In den großen Spielen setzte der Trainer auf andere.

Die Verpflichtung Rodriguez' könnte Müllers Lage bei den Bayern in der kommenden Spielzeit aber sogar noch dramatisch verschlechtern. Ein Blick auf die vermeintliche Wunschaufstellung der Bayern zeigt deutlich: Sind alle Spieler beim FC Bayern fit, ist kaum noch Platz für Müller. Deutschlands erfolgreichster Torschütze der WM-Turniere 2010 und 2014 mit jeweils fünf Treffern ist bei den Bayern nur noch Edelreservist. Im Angriff dürfte Tormaschine Robert Lewandowski weiterhin gesetzt sein, auf der Spielmacherposition sollten Rodriguez oder Thiago den Vorzug erhalten und auf dem rechten Flügel kommt Müller an Arjen Robben wohl ebenfalls nicht vorbei.

Ansage und Warnung

Natürlich braucht der FC Bayern mehr als nur elf gute Spieler, denn die Ziele des Klubs sind ambitioniert: Meistertitel und Pokalgewinn sind ohnehin Voraussetzung, der Gewinn der Champions League ist jedoch der Herzenswunsch, auch wenn das öffentlich nie so formuliert wird. Doch die Sehnsucht nach dem Henkelpott überstrahlt an der Säbener Straße alles. Die Verpflichtung Rodriguez' ist als Ansage an die internationale Konkurrenz zu verstehen, doch eben auch als Warnung für Müller.

Müller ist aber kein ganz normaler Spieler im Gebilde des Rekordmeisters. Der FC Bayern ohne Müller? Seit Jahren kaum noch vorstellbar. Der Weltmeister ist nach dem Abgang von Philipp Lahm neben Dortmund-Rückkehrer Mats Hummels der letzte verbliebene Bayer im internationalen Starensemble der Bayern und somit als Identifikationsfigur unverzichtbar. Zudem ist Müller Publikumsliebling, einerseits wegen seiner besonderen Tore mit den ganz besonderen Bewegungsabläufen, "die eben nur der Müller macht", andererseits aufgrund seiner lockeren Sprüche und seiner bescheidenen Art. Müller ist das Gesicht des FC Bayern, doch mit gerade einmal 27 Jahren ist er auch noch deutlich zu jung, um den Klub nur noch zu repräsentieren. Müller wird um seinen Platz kämpfen, ob er den Kampf gegen Ancelottis Wunschspieler Rodriguez gewinnen kann, bleibt aber zumindest fraglich.

 
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