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Ex-Borusse Schachten über André Schubert
"Da kommt durch, dass er Deutsch auf Lehramt studiert hat"

André Schubert: Sebastian Schachten über den neuen Trainer von Borussia Mönchengladbach
Sebastian Schachten (Archivfoto) hat unter Andre Schubert auf St. Pauli gespielt FOTO: dpa, mch fpt
Mönchengladbach. Irgendein Kreis schließt sich immer im Fußball. Als Lucien Favre am Sonntag hinschmiss und André Schubert am Dienstag auf dem Podium der Pressekonferenz saß, dürfte an Ex-Borusse Sebastian Schachten ein Großteil seiner Karriere vorbeigezogen sein. Von Jannik Sorgatz

Sebastian Schachten ist zur sprichwörtlichen "Blauen Mauritius" geworden, wobei es von der legendären Briefmarke immerhin noch zwölf Exemplare gibt. Schachten dagegen, mittlerweile beim FC Luzern in der Schweiz beheimatet, besitzt ein Alleinstellungsmerkmal: Der 30-Jährige hat beim SC Paderborn und beim FC St. Pauli unter André Schubert trainiert und bei der Borussia Lucien Favre sowie dessen Vorgänger Michael Frontzeck erlebt.

Als Schachten sich gestern Abend aus Luzern meldet, hat er selbst fast genauso viele Fragen. Das "Favre-Beben" ist noch mit mindestens 4,3 auf der Richterskala in dessen Schweizer Heimat zu spüren gewesen. "Was Favre in Gladbach gemacht hat, war riesig", sagt Schachten.

2011 auf dem Weg zum Relegationswunder durfte er eine Minute gegen Hoffenheim, fünf gegen Dortmund und eine in Hannover spielen. Als die Mannschaft in Bochum mit den Fans feierte, stand Schachten wie alle Protagonisten jener Saison auf dem Rasen des Ruhrstadions. In der Hinrunde unter Frontzeck war er zwischenzeitlich Stammspieler gewesen.

Bilder: Das ist Sebastian Schachten FOTO: ddp

Seine erste Begegnung mit Schubert, der heute gegen den FC Augsburg (Live-Ticker/20 Uhr) beim ersten Spiel der Post-Favre-Ära auf der Bank sitzt, hatte Schachten 2009 in Paderborn. Schubert hatte in der Vorsaison vier Spieltage vor Schluss übernommen und die Ostwestfalen über die Relegation in die 2. Bundesliga geführt. "Dort sind wir auf Anhieb Fünfter geworden. Das war natürlich eine tolle Premierensaison für ihn", erinnert sich Schachten. "Für Paderborn war die Zeit sehr wichtig, weil da der Weg eingeschlagen wurde, der in die Bundesliga führte."

Auch Schubert ein "akribischer Arbeiter"

Was verbindet er mit dem Trainer Schubert? "Ihn hat immer ausgezeichnet, dass er ein akribischer Arbeiter ist mit einer modernen Philosophie. Auch später bei St. Pauli haben wir ordentliches Pressing gespielt, einen ansehnlichen Offensivfußball, oft mit zwei Stürmern. Das gibt es heute ja nur noch selten", erzählt Schachten. Und man dachte bislang, Favre hätte ein Copyright auf die Bezeichnung "akribischer Arbeiter".

Fotos: Schubert leitet Borussia-Training FOTO: Dirk Päffgen

Wie andere vor ihm beschreibt auch Schachten Schubert als Ballbesitz-Liebhaber. "Das ist schon seine Philosophie, das Spiel bestimmen zu wollen. Selbst als Aufsteiger hatten wir in Paderborn viel Ballbesitz, das macht auch als Spieler mehr Spaß."

Im Sommer 2011 kamen Schubert und Schachten gemeinsam nach St. Pauli, Schubert als Nachfolger von Vereinslegende Holger Stanislawski, weshalb er sich mit großen Fußstapfen auskennt. "Er wird sich auf seine Arbeit und seine Art, Fußball zu spielen, konzentrieren", meint Schachten. "Mit St. Pauli hat er den Wiederaufstieg nur knapp verpasst. Wenn man schaut, wie viele Vereine sich nach einem Bundesliga-Abstieg schwer tun, wie Nürnberg jetzt zum Beispiel, dann hat er das schon gut hingekriegt."

Man merke, wie Schubert seinen Job lebt. "Er hat da eine sehr gute Ansprache, wenn er vor der Mannschaft steht. Ich finde, da kommt durch, dass er Deutsch auf Lehramt studiert hat."

"In Zukunft einige Dinge anders machen"

Das ist André Schubert FOTO: afp

Schuberts Zeit am Millerntor endete trotzdem eher unrühmlich. Nach dem vierten Platz im Mai 2012 war seine Entlassung schon vermeldet, eine Pressekonferenz einberufen – doch dann wurde Schubert auf dem Podium vor den Medienvertretern regelrecht begnadigt. Er hatte St. Paulis Vorstand in einem dreistündigen Gespräch überzeugen können, mit ihm weiterzumachen. "Klar ist, dass ich in Zukunft einige Dinge anders machen werde, speziell in der Kommunikation", sagte Schubert damals, verbiegen werde er sich jedoch nicht: "Aber das heißt nicht, dass man sich nicht entwickeln kann."

Inwiefern Schubert das getan hat, nachdem er bei St. Pauli im darauffolgenden Herbst dann doch entlassen wurde, kann Schachten nach eigener Aussage nicht beurteilen. "Wir haben uns mal getroffen, als er in Hamburg war, mal SMS geschrieben, aber nicht regelmäßig miteinander telefoniert oder so."

Trotzdem hat er den Weg seines Ex-Trainers verfolgt und gute Erinnerungen an ihn. "Wir haben häufig schon auf der Rückfahrt von Spielen Videos angeguckt. Da ist er positiv fußballverrückt. Als ich hörte, dass er die Gladbacher Amateure übernimmt, dachte ich mir schon, dass das sehr gut für die ist. Und auch jetzt ein paar Ligen weiter oben wünsche ich ihm alles Gute." Borussia habe einfach zu viel Qualität für den Tabellenkeller.

Dessen war man sich schon sicher, als Favre in Gladbach übernahm. Sechs von Schachtens Weggefährten aus dem Relegationsjahr stehen noch in Borussias Kader. Mit Christofer Heimeroth hat er nach Favres Rücktritt telefoniert, mit Tony Jantschke geschrieben. Beide werden heute Abend nicht spielen, wenn erstmals seit dem 12. Februar 2011 ein anderer Coach als Favre auf der Gladbacher Bank sitzt. Es war bekanntlich Frontzeck, der vor drei Jahren in St. Pauli auf Schubert folgte. Manchmal kommt das Fußballgeschäft als ein einziger Kreislauf daher. Und Schachten ist in Luzern auf kuriose Weise mittendrin.

 
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