1. Bundesliga 17/18
| 13.25 Uhr

"Fall Amerell"
Kritik an DFB und Zwanziger wird lauter

"Fall Amerell": Kritik an DFB und Zwanziger wird lauter
Unter Druck: DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger. FOTO: ddp, ddp
Frankfurt/Main (RPO). Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und Präsident Theo Zwanziger geraten in der Affäre um den früheren Schiedsrichterbeobachter Manfred Amerell immer mehr in Bedrängnis. Aus der Bundesliga übten Geschäftsführer Klaus Allofs von Werder Bremen und Sportdirektor Martin Bader vom 1. FC Nürnberg öffentlich Kritik.

Zudem nahm die Vorsitzende des Sportausschusses im deutschen Bundestag, Dagmar Freitag, den DFB in die Pflicht. Dagegen spürt Zwanziger nach eigener Aussage weiter Rückendeckung im Verband.

"Der DFB hat sich in dieser Angelegenheit überschätzt. Ich finde, man ist da zu sehr vorgeprescht. Man hätte grundsätzlich klären müssen, ob Amerell sein Amt tatsächlich missbraucht hat", sagte Allofs: "Jetzt sind eine ganze Reihe von Fakten dazugekommen, die die Angelegenheit sehr kompliziert machen."

"Nicht das beste Krisenmanagement"

Bader unterstellte dem DFB "nicht das beste Krisenmanagement". Auch die Sportausschuss-Vorsitzende Freitag äußerte Kritik. "Ich glaube, dass es dem Fußball nicht gut tut, wie die ganze Diskussion geführt wird", sagte Freitag dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Zwanziger sieht sich nach eigener Aussage gefestigt und wies Spekulationen, wonach DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach an seiner Ablösung und einer Inthronisierung von Franz Beckenbauer als neuen DFB-Boss arbeite, vehement zurück. "Niemand wird es schaffen, einen Keil zwischen Wolfgang Niersbach und mich zu treiben. Zwischen uns passt kein Blatt Papier", sagte Zwanziger der Frankfurter Rundschau.

Doch Zwanziger steht nicht nur wegen Amerell, der von FIFA-Referee Michael Kempter sowie drei anonymen Unparteiischen der sexuellen Belästigung beschuldigt wird, unter Druck. Gut drei Monate vor Beginn der WM in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) hält auch der Wett- und Manipulationsskandal den Verband weiter in Atem, nachdem die Zweitligapartie vom 8. Februar zwischen 1860 München und Rot Weiss Ahlen (0:1) in den Fokus gerückt ist. Zudem hatte Zwanziger bei der gescheiterten Vertragsverlängerung von Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff kein gutes Bild abgegeben.

Der DFB will bei der Präsidiumssitzung am Freitag eine Neustrukturierung des Schiedsrichterwesens verabschieden. Zudem wird über die Einberufung eines außerordentlichen DFB-Bundestages für den 30. April beraten, auf dem sich dann auch Zwanzigers Zukunft entscheiden könnte.

Stolpert Roth über Amerell?

Offen ist, ob Schiedsrichter-Boss Volker Roth persönliche Konsequenzen aus dem Fall Amerell ziehen und möglicherweise noch vor der Präsidiumssitzung zurücktreten wird. Eigentlich sollte Roth, der laut Ex-Referee Franz-Xaver Wack seit mindestens fünf Jahren von den Vorgängen um Amerell gewusst haben soll, erst beim DFB-Bundestag im Oktober in Essen nach 15 Jahren als Schiedsrichter-Chef durch den designierten Nachfolger Herbert Fandel abgelöst werden.

Amerell erhob erneut Vorwürfe gegen Zwanziger. "Es bestätigt sich der Verdacht, dass dem Präsidenten gerade nicht an einer internen Klärung der Angelegenheit gelegen war", erklärte Amerell. Als vermeintlichen Beweis für seine Behauptung nannte Amerell eine Information von Kempter an ihn, aus der hervorgeht, dass Kempter an einer internen Klärung gelegen war. Diese sei am 1. Februar, also drei Tage vor der letzten Präsidiumssitzung, in der die Vorwürfe erstmals in einer größeren Runde diskutiert wurden, verschickt worden. Amerell hatte Zwanziger bereits vorgeworfen, "in blindwütiger Art und Weise zwei Menschen und ihre Ehre auf dem Altar der Öffentlichkeit geopfert" zu haben.

Möglichen Strafanzeigen durch Kempter und den drei anonymen Unparteiischen sieht Amerell gelassen entgegen. "Auch bezüglich dieser Herrren liegt ausreichend Beweismaterial vor, die die erhobenen Anschuldigungen ad absurdum führen", teilte Amerell über seinen Anwalt Jürgen Langer mit. Im Gegenzug geht der 63-Jährige gegen die vier Personen wegen falscher eidesstattlicher Versicherungen und Verleumdung strafrechtlich vor.

(SID/can)
 
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