1. Bundesliga 16/17
| 09.12 Uhr

Real gegen Atletico
Geehrt und bepöbelt: Marcel Reifs letzter großer Auftritt

Porträt: Marcel Reif: Der Chef-Fußballkommentator von Sky
Porträt: Marcel Reif: Der Chef-Fußballkommentator von Sky FOTO: dpa, ade nic ljm kno
Kaum ein Fußball-Kommentator ist so umstritten wie Marcel Reif. Jetzt hört der bekannte Sport-Journalist beim Pay-TV-Sender Sky auf und lässt seine Zukunft offen.

Marcel Reif erlebt sein Finale. Zum letzten Mal sitzt der Sportjournalist am Samstag für Sky hinter dem Mikrofon, kommentiert das Endspiel der Champions League zwischen Real und Atlético Madrid. Mancher Fußballfan wird den Abschied bedauern, mancher wird sich freuen.

Reif ist einer der populärsten, aber auch einer der umstrittensten Kommentatoren. Nach zuletzt 17 Jahren als Chef-Kommentator beim Pay-TV-Sender Sky macht er nun Schluss, mit 66 Jahren ist er ja auch im Rentenalter. Beim ZDF hat er zuvor 22 Jahre gearbeitet und auch fünf Jahre bei RTL.

Manche Fans bewundern ihn, weil er 1998 mit Günther Jauch die legendäre Dortmunder Partie in Madrid kommentierte, als ein Tor umgefallen war und ein neues geholt werden musste. Und in der mehr als einstündigen Wartezeit sagte: "Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gut getan."

Fotos: Marcel Reif von Dortmund-Fans mit Bier überschüttet FOTO: Screenshot ARD

Er wurde unter anderem mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. Jedermanns Liebling war Reif trotzdem nie und will es auch nicht ein. Seine Ironie versteht nicht jeder. Seine Eitelkeit schätzt nicht jeder. Vor allem viele Anhänger von Borussia Dortmund mögen den Fußball-Kommentator nicht.

BVB-Anhänger sorgten für die beiden unangenehmsten Momente in seiner Karriere. Im Februar 2015 nahmen Fans des Bundesligisten den Fußball-Reporter zwei Mal auf äußerst unangenehme Art ins Visier.

Fußball-Historie: Der Torfall von Madrid FOTO: dpa

Nach einer Attacke mit Bierbecherwurf und bösen Drohungen in Dresden kritisierte Reif "eine neue Qualität, seitdem habe ich ein anderes Gefühl. So einen Hass habe ich noch nicht gesehen." Schlimmer als die geworfenen Becher seien die verbalen Attacken gewesen, sagte er.

Wenige Tage zuvor war er bereits beim Revier-Derby zwischen Dortmund und Schalke 04 bedroht worden. Stadionbesucher hatten an seinem Auto, in dem auch seine Frau saß, gerüttelt und auf das Dach geschlagen. Die Polizei musste eingreifen und dem TV-Journalisten aus der bedrohlichen Situation helfen.

Mit seiner Entscheidung, nun bei Sky aufzuhören, habe dieser Ärger "überhaupt nichts zu tun", sagte Reif jetzt dem "Kicker". Er habe gemerkt, dass er "die Routine, das Murmeltier nicht mehr brauche. Es fehlte zuletzt auch an der notwendigen Spannung, jedes Wochenende eine Bundesligapartie zu kommentieren." Tatsächlich verwechselte Reif zuletzt Spieler des FC Bayern. Oder nannte die Augsburger Profis Jeong-Ho Hong und Ja-Cheol Koo schlicht und verwechselungssicher einfach nur "die Koreaner".

Bei seinem letzten Auftritt für Sky in Mailand sind keine Bayern-Spieler dabei und auch keine Koreaner. Was danach kommt? Er sagt, er weiß es nicht. "Die Option, nichts zu machen, ist da." Mancher Fußballfan wird sich freuen, mancher wird es bedauern.

(dpa)
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