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Totales Deaster gegen Deutschland
Über einem dunklen Italien bricht der Himmel zusammen

Über einem dunklen Italien bricht der Himmel zusammen
Konsterniert: Die Nationalmannschaft Italiens FOTO: ap, FO
Rund zwei Monate vor der EM muss Mitfavorit Italien schmerzvoll erkennen, dass es noch viel Nachholbedarf hat. Das Entsetzen nach dem 1:4 gegen Weltmeister Deutschland ist groß.

Von stolzen Italienern war nicht mehr viel übrig geblieben. Mit hängenden Schultern schlichen die Stars um Gianluigi Buffon zum Mannschaftsbus - wohl wissend, welch schweres Gewitter in der Heimat über sie hereinbrechen würde. Und die Kritik nach der historischen 1:4-Pleite gegen Weltmeister Deutschland fiel heftig aus. Der einstige deutsche Angstgegner war in den 90 Minuten von München zur "Schande" (Tuttosport) verkommen.

"Die dramatische Pleite der Azzurri lässt die Alarmglocken mit Blick auf die EM ertönen. Der Himmel über München scheint über dem Kopf Italiens und seines Trainers Conte zusammenzubrechen", schrieb die Gazzetta dello Sport. "Italien im Dunkeln", titelte der Corriere dello Sport. Für Tuttosport war es schlicht ein "totales Desaster". Dies könne nicht "das wahre Italien" gewesen sein, "wäre es so, wäre es besser, auf die EM zu verzichten".

Gut zwei Monate vor dem Start der EURO in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) liegt der viermalige Weltmeister Italien, der am vergangenen Donnerstag beim 1:1 gegen Spanien noch halbwegs überzeugt hatte, am Boden. Doch nicht nur die Medien befinden sich mit Blick auf das Turnier, bei dem in Gruppe E in Irland, Schweden und Belgien schwere Gegner warten, in heller Aufregung - selbst Trainer Antonio Conte wirkte nach der Lehrstunde durch den Weltmeister konsterniert und ratlos.

Fotos: Müller verteilt Ohrfeigen an Torschütze Götze FOTO: dpa

"Es macht keinen Spaß, auf diese Art zu verlieren. Ich habe das so nicht erwartet", sagte Conte mit aschfahlem Gesicht und gestand offen ein: "Man darf nicht vergessen, dass zwischen diesen beiden Mannschaften eine große Lücke klafft." Am Dienstagabend in der Münchner Arena waren es gar Welten. Es sei "ein anderer Planet" gewesen, stellte La Stampa fest. Die Kluft sei einfach nur "peinlich".

Auch Conte musste ernüchtert erkennen, dass sein zweiter Anzug definitiv nicht sitzt - und dass Stützen wie Giorgio Chiellini, Claudio Marchisio, Marco Verratti oder Andrea Barzagli nicht zu ersetzen sind. Das Urteil von Repubblica fiel entsprechend vernichtend aus: "Alle Spieler, die Conte testen wollte, sind bei der Prüfung gescheitert."

Der Trainer selbst äußerte sich etwas diplomatischer. Er habe im Vergleich zum Spanien-Spiel fünf neue Spieler gebracht, meinte Conte. Und er habe "gesehen, dass sie auf dem Platz eine Antwort gegeben haben. Ich werde mir in Ruhe Gedanken machen - ohne mich aufzuregen oder depressiv zu werden." Aber, fügte Conte Richtung EM an, "ich weiß nicht, was ich noch ändern kann. In sechs Wochen kann ja nichts Grundlegendes passieren."

Pressestimmen: "Götze wechselt zu Deutschland" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

So blieb den Italienern nach der höchsten Niederlage gegen Deutschland seit 1939 (2:5) nicht viel mehr übrig, als die üblichen Durchhalteparolen zu bemühen. "Jetzt müssen wir hart arbeiten", sagte Conte. Riccardo Montolivo ergänzte trotzig: "Wir müssen viel verbessern, aber wir werden für die EM bestimmt bereit sein."

Ansonsten bricht der Himmel über Italien bestimmt wieder zusammen.

(sid)
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