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Endspurt in der EM-Qualifikation
Noch 19 Tickets für Frankreich sind zu vergeben

EM 2016: Diese Mannschaften sind dabei
EM 2016: Diese Mannschaften sind dabei FOTO: dpa, sdt ss
Düsseldorf. Groß war der Aufschrei, als vor ein paar Jahren verkündet wurde, dass statt 16 Mannschaften künftig 24 zur Europameisterschaft fahren. Die Erweiterung scheint viele kleine Nationen angestachelt zu haben. Was das für die Qualität des Turniers bedeutet, weiß keiner. Von Jannik Sorgatz

Wenn zwei Spieltage vor dem Ende der Qualifikation fünf Tickets für ein EM-Turnier vergeben sind und sich Österreich unter den Glücklichen befindet, sollte man meinen, dass das die große Nachricht ist. Immerhin war die Alpenrepublik seit der WM 1998 nur bei einem großen Turnier dabei, weil es die EM 2008 gemeinsam mit der Schweiz ausrichtete. Aber: Island, das einen Tick größer ist als Österreich und nur ein paar mehr Einwohner hat als Graz, stiehlt in dieser Qualifikation allen die Show. Sensationen sind eben größer als Überraschungen.

Im Herbst 2008 war der Aufschrei groß, als nach langem Munkeln und Planen offiziell verkündet wurde, dass das Teilnehmerfeld bei Europameisterschaften von 16 auf 24 Mannschaften aufgestockt wird. Der Überbringer der Nachricht im Namen der Uefa war damals übrigens Franz Beckenbauer. Eilig versicherte er, dass die Qualität der EM nicht unter der Erweiterung leiden werde. Nur wie will man das messen?

Österreicher feiern gelungene EM-Qualifikation FOTO: ap

"Darmstadt ist in ganz Europa", schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Dienstag. In der Bundesliga ist der Sensationsaufsteiger ein Liebling der Romantiker und Traditionalisten. Wenn das Darmstädter Underdog-Modell auch in der EM-Qualifikation Schule macht, kann das auf den ersten Blick nicht so verkehrt sein.

Gefühlen lassen sich Zahlen gegenüberstellen. Bei der Auslosung der Qualifikations-Gruppen, meist schon ein knappes Jahr vor den ersten Spielen, formulieren die Lostöpfe eine gewisse Erwartungshaltung. Die Mannschaften aus dem ersten Lostopf sind die designierten Gruppensieger, der Rest dürfte sich laut Uefa-Koeffizient oder Fifa-Weltrangliste dahinter einreihen. Natürlich kommt es selten genau so. Nur in Gruppe E führt England aus dem ersten Lostopf vor der Schweiz aus dem zweiten und Slowenien aus dem dritten.

Österreich siegt 4:1 in Schweden FOTO: afp, jnk/dg

Doch Vermischung und Überraschung lassen sich noch etwas genauer bestimmen. Für die folgende Grafik wurde die Gruppen seit der Qualifikation zur WM 2010 untersucht. Die obere Kurve zeigt, aus welchen Töpfen die ersten drei Teams der jeweils neun Gruppen im Schnitt kamen. Der Erwartungswert wäre 1 + 2 + 3 = 6. Je größer die Zahl, desto überraschender ist das Ergebnis – zumindest auf dem Papier. Die untere Kurve bezieht sich nur auf die zwei führenden Mannschaften, der Erwartungswert wäre also 1 + 2 = 3.

So zeigt sich, dass die aktuellen Zwischenstände besonders im Vergleich zur EM 2012 überraschender sind, als die Lostöpfe nach demselben Prozedere besetzt wurden:

FOTO: Jannik Sorgatz, rpo

Trotzdem belegen vor dem letzten Doppel-Spieltag im Oktober nur drei Mannschaften einen direkten Quali-Platz, die nicht in einem der ersten drei Töpfe gesetzt waren: Island, Wales und Nordirland – von denen nur Island ein Neuling bei großen Turnieren ist. Albanien hat ein Spiel weniger in Gruppe I und könnte sich noch zu den absoluten Überraschungsteams gesellen. Auf seine Turnierpremiere darf außerdem Israel hoffen.

Ansonsten sind noch Länder im Rennen, die sich wie die Österreicher lange nicht mehr qualifiziert haben. Rumänien und Schweden warten immerhin seit der EM 2008, Norwegen seit der EM 2000 und Ungarn sogar seit der WM 1986. Und trotzdem könnte im Oktober eine Mannschaft, die es nicht geschafft hat, für die größte Nachricht sorgen: Die Niederlande bangen und könnten der größte Nutznießer der EM-Erweiterung werden.

So ist der Stand in den neun Gruppen vor den letzten beiden Spieltagen.

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