1. Bundesliga 17/18
| 09.29 Uhr

Kolumne Gegenpressing
Der Mai des Ruhrpotts

Bundesliga: Der Mai des Ruhrpotts
Huub Stevens und Rudi Assauer 1997 mit dem Uefa-Cup. FOTO: dpa, ur jhe hak jai
Vor 20 Jahren wurde im Ruhrgebiet doppelte Europapokalgeschichte geschrieben. Doch der Ruf "Ruhrpott" als Ausdruck für das große gemeinsame Ganze hat ausgedient. Von Robert Peters

Der Buntspecht wurde 1997 Vogel des Jahres, und in Großbritannien sorgte Tony Blair mit der Labour Party für einen Regierungswechsel. Das mag viele Menschen beschäftigt haben, die Fußballfreunde im Revier sicher nicht. Denn am Rande der alten Bundesstraße 1, im Schatten der langsam verwitternden Fördertürme und in Sichtweite der längst begrünten Kohlehalden, wurde vor 20 Jahren Sportgeschichte geschrieben. Schalke 04 holte den Uefa-Pokal, die Eurofighter wurden zur Legende. Borussia Dortmund gewann die Champions League. Beide Klubs feierten die bis heute größten internationalen Erfolge. Und die kleine blau-weiß-graue Maus VfL Bochum schaffte die Qualifikation für den Uefa-Cup.

Der Jubel über diese Wochen im späten Frühling riss buchstäblich Grenzen nieder. Eine Welle der Solidarität schwappte über Stadtgrenzen und die Abgründe jahrzehntealter Rivalität. "Ruhrpott" riefen die Menschen im Revier, und sie fühlten das gemeinsam. Es war vielleicht das letzte Aufwallen jenes nostalgisch verbrämten Zusammengehörigkeitsgefühls, für das die Arbeit unter Tage oder an den Hochöfen gesorgt hatte. Heute beschwören die Klubs jeder für sich in den Ritualen vor dem Spiel diese einigende Vergangenheit der Malocher. Das ist aber schon lange nur noch eine kaufmännische Masche.

Und das Grenzenlose, in dem vor 20 Jahren das Revier noch einmal zur Idee wurde, hat sich beinahe unmittelbar nach diesem rauschhaften Mai 1997 verflüchtigt.

Seither wird wieder erbittert um die Herrschaft im Revier gestritten. Dabei haben die beiden Riesen Dortmund und Schalke Bochum endgültig von der großen Bühne verdrängt. Es gibt nur noch ein verbindendes Element zwischen den Großklubs: Sie definieren sich unter dem lauten Beifall ihrer Fans als jeweilige Gegenentwürfe. Und zu den Höhepunkten der Saison gehören die Derbys. Der Ruf "Ruhrpott" als Ausdruck für das große gemeinsame Ganze hat ausgedient. Schade.

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Quelle: RP
 
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