1. Bundesliga 16/17
| 07.59 Uhr

"Sehr einsichtig und auch demütig"
Schalke begnadigt Sidney Sam

Porträt: Sidney Sam: Nordlicht mit afrikanischen Wurzeln
Porträt: Sidney Sam: Nordlicht mit afrikanischen Wurzeln FOTO: dpa, a hak
Gelsenkirchen/Düsseldorf. Der 27 Jahre alte Mittelfeldspieler war zwei Wochen vor Ende der vergangenen Saison suspendiert worden. Nach einem Telefonat mit dem neuen Schalke-Coach Breitenreiter kehrt er in den Kader zurück. Von Gianni Costa

Vor ein paar Tagen hat das Telefon von André Breitenreiter geklingelt. Am anderen Ende der Leitung war Sidney Sam. Es muss ein Gespräch voller Herzschmerz gewesen sein. Sam schluchzte sein ganzes Leid in den Hörer, wie sehr er alles bereuen würde, und er bat um Verzeihung. Der neue Trainer des FC Schalke 04 hörte seinem verstoßenen Spieler zu und kam hernach zur Erkenntnis, Sam wieder in den Kreis der Profispieler aufzunehmen.

"Er wird am Donnerstag zu uns stoßen. Er hat mich letzte Woche angerufen, und wir haben ein langes Gespräch geführt, in dem er sich sehr einsichtig und auch demütig gezeigt hat. Er möchte das, was er in der Vergangenheit nicht gut gemacht hat, deutlich besser machen und hat um eine zweite Chance gebeten", berichtete Breitenreiter in einem Interview auf der Vereinshomepage.

Der 27 Jahre alte Mittelfeldspieler Sam war zwei Wochen vor Ende der vergangenen Saison ebenso wie Kevin-Prince Boateng wegen mangelnder Leistungsbereitschaft noch unter Chefcoach Roberto Di Matteo suspendiert worden. Weil es sportlich nicht lief, mussten ein paar Sündenböcke der aufgebrachten Anhängerschaft präsentiert werden. Während bei Boateng selbst wohl ein handgeschriebener Brief zur Versöhnung nicht ausreichen dürfte, waren die Fehlleistungen von Sam offenbar nicht so schwerwiegend. Di-Matteo-Nachfolger Breitenreiter sicherte sich indes zuvor sicherheitshalber bei der Mannschaft und Sportvorstand Horst Heldt ab. Die Entscheidung sei zugunsten des ehemaligen Leverkuseners gefallen. "Letztendlich wollen wir ihm diese Chance geben, wir haben alle mal einen Fehler gemacht. Horst Heldt hat sein Okay gegeben und diese Personalie für uns abgesegnet", sagte Breitenreiter. Es gilt fortan das Prinzip Hoffnung - verbunden mit dem frommen Wunsch, dass Sam "nun seinen Worten auch Taten folgen lässt".

Diese Entwicklung ist schon erstaunlich. Selbstverständlich hat jeder im vertretbaren Rahmen eine zweite Chance verdient. Doch sowohl Heldt als auch Breitenreiter betonten zu Beginn der Vorbereitung noch unisono, die Tür sei für Sam zugeschlagen. Zu diesem Zeitpunkt gab es keinerlei Kontakt. Die Situation hat sich allerdings gravierend geändert, als unlängst der Transfer von Sam zu Ligakonkurrent Eintracht Frankfurt gescheitert ist. Der fünfmalige deutsche Nationalspieler war durch den obligatorischen Medizincheck geflogen. Es gehörte zu den unschönen Begleitumständen, dass vertrauliche Informationen über Blut im Urin und auffällige Nierenwerte an die Öffentlichkeit gelangten. Eine weitere Untersuchung in Leverkusen hatte aber ergeben, dass Sam weiterhin uneingeschränkt Sport treiben kann.

Sam wird sich wohl mit ein paar Veränderungen im Kader vertraut machen müssen. Es verdichten sich die Zeichen, dass Julian Draxler den Verein verlassen wird. Juventus Turin soll bereit sein, 25 Millionen Euro für den 21-Jährigen zu zahlen. Schalke würde, so heißt es, erst bei einer Offerte von 35 Millionen aufwärts schwach werden. Ein erstes Gespräch zwischen Draxler-Management und Turin soll es schon gegeben haben. Draxler wäre nach Sami Khedira der zweite Weltmeister beim italienischen Rekordmeister. Gerüchte, dass auch Mario Götze (Bayern) zu Juventus wechseln könnte, hatte der Champions-League-Finalist zurückgewiesen.

Quelle: RP
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