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| 13.40 Uhr

Funkels Taktik gegen Darmstadt
Mit Händchen und Fußballverstand

Pressestimmen: "Fortuna marschiert Richtung Aufstieg"
Pressestimmen: "Fortuna marschiert Richtung Aufstieg" FOTO: dpa, bt fdt
Düsseldorf. Das Team von Trainer Friedhelm Funkel hat nach seinem fünften Sieg in Serie die Tabellenführung der 2. Bundesliga untermauert. 28 Punkte stehen auf dem Konto. Das ist genau nach Funkels Geschmack. Nur Zufall ist das nicht. Von Jessica Balleer

Der 63-Jährige äußerte sich schon nach dem 2:0-Sieg in Bielefeld bemerkenswert zufrieden: "Das kommt dem sehr nahe, was ich mir vorstelle", sagte Funkel vergangene Woche. Was genau das ist, was der Fußballlehrer in der Kabine vermittelt, das zeigte sich in einem in vielen Phasen überzeugenden Spiel der Fortuna gegen den SV Darmstadt 98. Das Team knüpfte beim 1:0 zumindest in der ersten Halbzeit an die letzten, guten Leistungen an. Die Basis dafür liegt in der Defensive.

Zu Saisonbeginn, als die Fortuna erste Siege einfuhr, da stieg auch das mediale Interesse an der Person Funkel. Anfangs schien ihn das wirklich zu nerven, als "Trainer-Oldie" dargestellt zu werden. Vor allem nervte ihn dabei wohl, dass seine Taktik oft als altbacken bezeichnet und ihm die Fähigkeit gar abgesprochen wurde, innovativ spielen zu lassen und junge Spieler zu integrieren. Mittlerweile steht Funkel über den Dingen. Wenn er das Wort "Matchplan" benutzt, tut er das gerne mit einem sarkastischen Unterton. Kurz vor dem Heimspiel gegen Darmstadt zitierte er lieber seinen Trainerkollegen Jupp Heynckes, der 72 Lebensjahre und rund drei Jahrzehnte Erfahrung als Trainer vorzuweisen hat: "Das A und O ist die Defensive", sagte Funkel, wenige Tage nachdem Bayern-Trainer Heynckes genau das gesagt hatte. Sein Team setzte diese Vorgabe am Freitagabend zunächst um.

"Den Eckball haben wir so eingeübt"

Das Defensiv-Konzept gegen Darmstadt zeigte sich vom Anpfiff an: Fortunas Dreierkette stand extrem hoch, keine zehn Meter hinter der Mittellinie. So übte sie Druck auf den Gast aus. Ein schulmäßiger, linearer Angriff über rechts (Jean Zimmer passte steil auf Benito Raman) führte dann zu der Ecke, die zum 1:0 führte. 

Denn als Usami den Eckstoß von der rechten Seite ausführte, verlängerte Kapitän Fink auf Stürmer Kujovic, der bereits am zweiten Pfosten stand und per Kopf einnetzte. Fortuna nutzte damit eine bekannte Schwäche der Lilien: Weit und breit stand kein Abwehrspieler der Südhessen. Und so markierte der Treffer nach 85 Sekunden das zehnte Gegentor der Darmstädter nach Eckbällen und Freistößen. Fortunas Siegtreffer zeigte aber zugleich eine eigene Stärke: Die Standardsituation war so geplant: "Den Eckball, der zum Tor führte, haben wir am Morgen so geübt. Super, dass das nach ungefähr einer Minute schon im Spiel geklappt hat", verriet Fortunas Usami nach dem Spiel.

Funkel bewies ein Händchen für das richtige Personal zur richtigen Zeit. Die neu in die Startelf gerückten Usami und Kujovic waren direkt am Siegtor beteiligt. Aber auch andere Wechselspiele funktionierten, etwa die neu formierte Doppelsechs Neuhaus-Sobottka, nachdem der Ex-Schalker Sobottka diese Position zuletzt allein bekleidet hatte.

Bei eigenem Ballbesitz schob die Dreierkette weit nach vorne. War Darmstadt in Ballbesitz, wurde die Dreier- zur Viererkette. Abwehrreihe und Mittelfeld rückten enger zusammen. Wegen der Überzahl der Fortunen am Strafraum, blieben Darmstadt nur lange Bälle und Weitschüsse, um Torgefahr zu entwickeln. Dann aber war Raphael Wolf im Tor zur Stelle. Fortunas Angriffe folgten über die schnellen, wendigen Außenspieler Zimmer, Usami oder Raman.

Mehr Verstand als Glück

Die Mannschaft folgt derzeit erkennbar den taktischen Anweisungen. Fortuna hat einen Lauf, auch deswegen, weil sie das "Glück des Tüchtigen" auf der eigenen Seite hat, wie es Verteidiger Lukas Schmitz nach dem Spiel treffend formulierte. Darum wurde der Düsseldorfer Leistungsabfall gegen Darmstadt in den zweiten 45 Minuten nicht bestraft. Die Spieler agierten zu passiv, die Darmstädter bekamen ihre Chancen, scheiterten dann aber an Raphael Wolf. Der vertrat den verletzten Michael Rensing abermals eindrucksvoll. Wolf belohnte sich für starke Paraden mit dem "zu Null" und hatte seinen Anteil am fünften Heimerfolg.

Nach dem Spiel mahnte Fortunas Vorstandsvorsitzender Robert Schäfer: "Irgendwann ist das Glück einmal aufgebraucht." Doch: Die Disziplin und Ausdauer des Teams, Funkels Maßnahmen über 90 Minuten zu folgen, könnte dafür sorgen, dass das Glück in den kommenden Spielen eine weniger bedeutende Rolle spielt.

 
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