1. Bundesliga 16/17
| 11.56 Uhr

"Noch immer der Kevin von damals"
Der Vorlagenkönig: Kevin De Bruyne will immer gewinnen

Das ist Kevin De Bruyne
Das ist Kevin De Bruyne FOTO: afp
Kevin De Bruyne wird es selbst am meisten freuen, dass das wochenlange Theater um ihn endgültig beendet ist. Für rund 75 Millionen Euro wechselt der Belgier vom VfL Wolfsburg zu Manchester City. Der Poker war nicht spurlos an ihm vorbei gegangen.

 Der Spitzname erinnert an seinen Geburtsort. De Witte van Drongen - der Weiße aus Drongen ist für alle belgischen Fußballfans ein fester Begriff. In der kleinen Gemeinde bei Gent wuchs Kevin De Bruyne auf, spielte Fußball und überzeugte schon als Kind und Jugendlicher die Experten durch unbändige Spielfreude, exzellente Technik und enormen Ehrgeiz.

Die Haarfarbe hat sich zwar ins rötliche geändert, die Eigenschaften sind aber geblieben. "Kevin will immer gewinnen", charakterisierte Wolfsburg Trainer Dieter Hecking den Überflieger der vorigen Saison.

Vor allem dank des laufstarken Vorlagenkönigs gewann der VfL den DFB-Pokal und qualifizierte sich als Bundesliga-Zweiter für die Champions League.

Auch bei seinen früheren Clubs KRC Genk und Werder Bremen spielte er stark, nur beim FC Chelsea mit Trainer Jose Mourinho kam der Mittelfeldakteur nicht klar. Den großen Durchbruch zu einem Top-Star schaffte Deutschlands Fußballer des Jahres beim VfL Wolfsburg, den er nun für die Bundesliga-Rekordsumme von 75 Millionen Euro verlässt.

Während De Bruyne auf dem Platz explodieren kann und im Übereifer auch schon mal einen Balljungen beleidigte, wirkt er abseits des Spielfeldes eher gelassen und fast schüchtern. Der WM-Teilnehmer sucht Ruhe und Balance, seine Emotionen und Gefühle zeigt er selten in der Öffentlichkeit.

Um diese Ruhe war es angesichts der wochenlangen Spekulationen schlecht bestellt. "Es ist Wahnsinn, was da mit ihm passiert. Es ist klar, dass das etwas mit einem Menschen macht", sagte De Bruynes bisheriger Mitspieler Bas Dost angesichts des zum Teil öffentlichen Pokers um Deutschlands Fußballer des Jahres.

De Bruyne ließ sich vom Geschacher um seine Person deutlich beeinflussen und spielte in den ersten beiden Spielen der neuen Saison ungewohnt schlecht. Für Wirbel sorgte auch sein öffentliches Pseudo-Bekenntnis vor zwei Wochen zum VfL. "Ich, Kevin De Bruyne, werde auf jeden Fall diese Saison beim VfL Wolfsburg spielen", hatte der 24-Jährige bei einer Preisverleihung etwas unbedarft auf der Bühne dem Moderator Alexander Bommes nachgesprochen. Berater Patrick De Koster und selbst Wolfsburgs Manager Klaus Allofs reagierten entsetzt, weil ein Verbleib längst nicht mehr klar war.

So sicher De Bruyne auf dem Platz agiert, so unsicher verhält er sich manchmal im Verhältnis zu den Medien. Kein Problem hatte er indes, seine Gefühle bei einer menschlichen Tragödie zu offenbaren: Der Unfalltod seines VfL-Kollegen Junior Malanda im Januar 2015 hat ihn getroffen. De Bruyne erinnert in Worten und Gesten oft an seinen Landsmann.

Eine wichtige Rolle in De Bruynes Karriere, die nun bei Manchester City in der Premier League fortgesetzt wird, spielt sein Berater De Koster. Der belgische Sportmanager kennt den Profi seit mehr als sieben Jahren. "Er ist natürlich erwachsen geworden", sagte De Koster im April im "Kicker"-Interview. "Aber im Herzen ist er noch immer der Kevin von damals. Er will noch immer nur eins: Fußball spielen".

(dpa)
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