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Europa gegen die USA
Ryder Cup "so wichtig wie ein Kriegseinsatz meines Vaters"

Fragen und Antworten zu 41. Ryder Cup
Fragen und Antworten zu 41. Ryder Cup
Chaska. Das Duell der Kontinente elektrisiert die Massen - und sorgt mitunter für wüste Szenen. Für manch einen ist der Ryder Cup sogar so wichtig wie ein Kriegseinsatz.

Europa gegen die USA, Alte Welt gegen Neue Welt - und ein erbittertes Duell, das weitaus mehr Bedeutung hat als vielleicht vermutet. "Beim Ryder Cup zu spielen", sagt der US-Amerikaner Bubba Watson über den Wettstreit der zwölf besten Golfer beider Kontinente, "ist für mich so wichtig wie der Kriegseinsatz meines Vaters in Vietnam."

Nun darf der 37-Jährige wegen schwacher Leistungen bei der 41. Auflage im Hazeltine National Golf Club von Chaska/Minnesota nicht mitspielen, er ist nur als Vize-Kapitän des Gastgebers dabei. Dass dennoch schon weit vor dem ersten Abschlag die psychologische Kriegsführung begonnen hatte, verschärfte die Brisanz des mit Spannung erwarteten Kontinentalvergleichs aber noch einmal zusätzlich.

"Den Ryder Cup gewinnt man nicht mit einem großen Mundwerk", antwortete der Spanier Sergio Garcia auf die forsche Ansage des amerikanischen Teamkapitäns Davis Love III, über das "wahrscheinlich beste Team aller Zeiten" zu verfügen. Und der nordirische Star Rory McIlroy schob nach: "Es wäre ein Genuss, genau diese Mannschaft auf deren Boden zu bezwingen."

Ziemlich oft war ein Sieg den Europäern in den vergangenen Jahren gelungen, mal vor heimischer Kulisse und mal in den Staaten. Insgesamt acht der letzten zehn Auseinandersetzungen entschieden die vermeintlich schwächeren Golfer aus Europa für sich, und meistens machte der Gentlemen-Sport seinem Ruf dabei auch alle Ehre. Zweimal allerdings, beide Austragungen fanden in den USA statt, wurde es schmutzig.

1991 nämlich, als das US-Fernsehen das Duell in Kiawah Island zum "Krieg an der Küste" hochstilisierte und Golfer Corey Pavin mit der vielsagenden Aufschrift "Desert Storm" auf seiner Mütze provozierte. Zu allem Überfluss warfen die Zuschauer schlecht liegende Bälle ihrer Heroen auf die Fairways zurück.

Das war aber noch nichts im Vergleich zur "Battle of Brookline" 1999, als Europas Kapitän Mark James bespuckt und seine Spieler bepöbelt wurden. Zudem trampelten Fans und Spieler im entscheidenden Spiel am letzten Loch über das Grün und machten es dem Spanier Jose Maria Olazabal dadurch unmöglich, seinen Putt einzulochen.

"Wir wollen nicht mehr in die Vergangenheit schauen", wiegelte Davis Love III in diesen Tagen jedoch ab, "unser Blick gilt der Zukunft." Und die soll erfolgreich werden.

"Wir haben es nämlich satt zu erklären, warum wir wieder nicht gewonnen haben", sagte US-Star Jordan Spieth. Vor dem Auftakt sprach Rekord-Olympiasieger Michael Phelps zum US-Team, und die Worte des Schwimmstars bekräftigten die Gastgeber offenbar in ihrer Zuversicht. "Wir fühlen uns gut und selbstbewusst. Wir wollen den Cup unbedingt", sagte Spieth.

Das gleiche Ziel verfolgt allerdings auch die europäische Mannschaft, zu der Deutschlands Top-Golfer Martin Kaymer bereist zum vierten Mal gehört. Auch der 31-Jährige erwartet eine hitzige Atmosphäre, schließlich werden die Fans "zum Großteil gegen uns sein." Er selbst hat damit allerdings keine großen Probleme, spricht lieber von einer "speziellen Atmosphäre, mit der ich gut zurechtkomme."

Entscheidend könnten die Leistungen der Top-Spieler sein, McIlroy geht dabei nach seinem Sieg beim Finale der US-Tour mit breiter Brust in den Wettstreit. "Ich bin zum vierten Mal dabei und habe noch nie verloren. Den Cup nach Hause zu bringen - das ist das Ziel", sagte er.

(old/sid)
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