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Leichtathletik
Kessing zum DLV-Präsidenten gewählt

Leichtathletik: Jürgen Kessing zum DLV-Präsidenten gewählt
Clemens Prokop (r.) und sein Nachfolger Jürgen Kessing. FOTO: dpa, ade gfh
Darmstadt. Nach 17 Jahren hat Clemens Prokop den Staffelstab an Jürgen Kessing übergeben. Der 60-Jährige wurde erwartungsgemäß zum neuen DLV-Präsidenten gewählt.

Die Staffelübergabe ist geglückt, der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) startet nach fast 17 Jahren in eine neue Ära: Am Samstag wählte der DLV-Verbandstag Jürgen Kessing zum neuen Präsidenten. Der 60-Jährige bekam in Darmstadt 88,3 Prozent der Stimmen (114:19) und ist damit Nachfolger von Clemens Prokop, der seit 2001 an der Spitze des DLV stand. Prokop hatte Anfang des Jahres angekündigt, nicht noch einmal zur Wahl antreten zu wollen.

Kessing, der früher Stabhochspringer und Zehnkämpfer war, ist im Hauptberuf Bürgermeister der baden-württembergischen Stadt Bietigheim-Bissingen. "Ich kann der Leichtathletik etwas zurückgeben", sagte Kessing, der zuletzt allerdings mit einer Alkoholfahrt und dem Verlust seines Führerscheins Schlagzeilen gemacht hatte.

Ein wichtiges Thema, so Kessing, sei die Anti-Doping-Arbeit. "Da haben wir uns einen Vorsprung vor anderen Sportarten erarbeitet. Den gilt es zu verteidigen und auszubauen. Wir wollen Chancengleichheit für alle." Dabei lobte Kessing ausdrücklich seinen Vorgänger Prokop, der zum Ehrenpräsidenten des Verbandes ernannt wurde. "Die Arbeit von Clemens Prokop ist hervorragend gewesen", sagte Kessing.

Im Ringen um Aufmerksamkeit sieht Kessing die Ausnahmestellung des Fußballs als kritisch an. "Ich habe den Eindruck, der Fußball stellt alles zu. Alles andere wird nicht mehr wahrgenommen", sagte Kessing: "Die EM bietet eine gute Gelegenheit, uns wieder in den Vordergrund zu rücken." Im kommenden Jahr ist Berlin vom 7. bis 12. August Ausrichter der Europameisterschaften.

Dort bleibt Prokop weiterhin Chef des Organisationskomitees. "Die Leichtathletik ist ein kultureller Schatz, für den wir Tag für Tag gemeinsam kämpfen müssen", sagte der 60-Jährige. Der Jurist aus Regensburg erarbeitete sich in seiner Amtszeit den Ruf eines auch international anerkannten Anti-Doping-Kämpfers.

"Der Kampf gegen Doping ist unsere zentrale Herausforderung, ohne einen fairen Wettbewerb wird die Leichtathletik keine Zukunft haben", sagte er. Nur Max Danz (1949 bis 1970) war länger DLV-Präsident als Prokop.

Mit Prokop verliert der deutsche Sport einen seiner profiliertesten Funktionäre. Der 60-Jährige scheute keinen Konflikt, als einer der Ersten setzte er sich für ein Anti-Doping-Gesetz in Deutschland ein und stritt deswegen mit vielen Entscheidungsträgern im deutschen Sport. Allen voran mit dem damaligen DOSB- und jetzigen IOC-Präsidenten Thomas Bach. Dass das Gesetz vom Bundestag verabschiedet wurde, bezeichnet Prokop heute als persönliche "Glanzstunde".

Er machte im Vorfeld aber keinen Hehl daraus, dass bei seinem Abschied auch ein Stück Wehmut mitschwingt. Aber er freut sich auch auf ein "großes Stück Freiheit", das nun auf ihn zukomme. Neben seinem Hauptberuf nahm Prokop ehrenamtlich zuletzt noch an deutlich über 100 Tagen im Jahr Leichtathletik-Termine wahr.

Der ehemalige Weitspringer und Mehrkämpfer führte den Verband als Nachfolger von Helmut Digel durch eine schwere sportliche Krise. Bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 gab es zwei, vier Jahre später in Peking nur eine Medaille. Erst mit der mehr als gelungenen Heim-WM 2009 in Berlin ging es wieder bergauf. Inzwischen ist die Sportart trotz des schwachen Olympia-Ergebnisses von Rio wieder gut aufgestellt.

(sid)
 
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