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DTM-Fahrer
Vietoris: "In der DTM gibt es keine Freunde"

DTM-Fahrer: Vietoris: "In der DTM gibt es keine Freunde"
Christian Vietoris fährt in der DTM für Mercedes. FOTO: dpa, jew hak
Düsseldorf. Wenn Formel-1-Piloten wieder lernen müssen, Autorennen zu fahren, dann sind wir beim Deutschen Tourenwagen Masters (DTM). Mika Häkkinen, David Coulthard, Heinz-Harald Frentzen, Ralf Schumacher und Jean Alesi gehörten in der Königsklasse zu den Besseren, setzten im Tourenwagen aber wenig Akzente. Von Eckhard Czekalla und Gianni Costa

Seit fünf Jahren fährt Christian Vietoris in der DTM. In den vergangenen beiden Jahren war er als Vierter jeweils bester Mercedes-Pilot. In dieser Saison lief es zu Beginn nicht rund. Als Siebter hat er nach zehn Rennen keine großen Chancen mehr, in den noch ausstehenden acht Wertungsläufen um den Titel zu kämpfen. Das soll im kommenden Jahr der Fall sein. "Dann zählt es für mich", sagt der rund 40 Kilometer vom Nürburgring entfernt in Gerolstein geborene Automobilrennfahrer, der am Samstag (29. August) und Sonntag (30.) in Moskau seine nächsten Einsätze hat. Mit unserer Redaktion sprach Vietoris...

...über Kameradschaft unter den Fahrern: Wir verfolgen alle dasselbe Ziel: Wir wollen Rennen gewinnen und den Titel holen. Da gibt es keine Freunde, da wird hart um jede Position gekämpft. Ist man aus dem Auto raus, tauscht man sich natürlich auch aus.

...über die Zusammenarbeit mit dem Renningenieur und den Technikern: Wir stehen im engen Kontakt. Sobald wir als Fahrer ein Instrument brauchen, haben wir das innerhalb weniger Wochen am Auto. Dann kommt die Arbeit mit dem Renningenieur. Wenn du am du am Wochenende nicht die ein, zwei Zehntelsekunden findest, stehst du in der letzten Startreihe. Du musst ein gutes Verhältnis mit deinem Renningenieur haben. Er muss dir am Gesichtsausdruck ablesen können, welches Problem du am Auto hast. Ich arbeite mit Fabien Jung, einem Franzosen, schon seit vier Jahren zusammen. Da baut sich eine gewisse Beziehung auf. Das macht dich von Jahr zu Jahr stärker. Der Renningenieur hat großen Einfluss Erfolg oder Misserfolg.

...über den Rummel um Mick Schumacher: Ich kenne die Situation schon etwas länger, da ich drei Jahre mit Ralf Schumacher in einem Team gefahren bin. Ich kenne den Mick auch ein bisschen. Die Aufmerksamkeit war im war im Kartsport nicht anders. Das Interesse an ihm ist schon sehr groß. Er kennt das, aber der Druck ist natürlich unheimlich groß, gerade jetzt im ersten Formel-Jahr, wenn nicht immer alles nach Plan verläuft. für ihn. Vielleicht haben es die anderen einfacher, die sich nur auf sich konzentrieren können.

...über den Weg zum Rennfahrer: Meine Eltern haben einen Reifengroßhandel. Das hat so ein bisschen die Verbindung zum Motorsport gegeben. Zunächst im Kart war es eher Hobby. Danach wurde es von Jahr zu Jahr erfolgreicher und professioneller.

...über Popularität: Während wir unseren Sport ausüben, haben wir einen Helm auf. Man > bekommt nicht so wirklich die Emotionen mit wie etwa bei einem Fußballspieler oder Tennisspieler, denen man wirklich ins Gesicht oder in die Augen schauen kann. Dennoch bin ich überzeugt, dass auch wir spannende Geschichten liefern können.

...über die Aussage, wer es in der Formel 1 nicht packt, geht in die DTM: Eher das Gegenteil der Fall. Das sieht man daran, dass sich die in die DTM gekommenen Formel-1-Jungs extrem schwer getan haben. Die DTM ist umkämpfter und aus Fahrersicht vielleicht anspruchsvoller, denn in der Formel 1 bist du doch sehr stark vom Material abhängig. In der DTM gibt es Kopf-an-Kopf-Rennen. Zwischen vielen Fahrern liegen nur wenige Sekunden. Das macht es so anspruchsvoll.

...über die Probleme der Formel-1-Fahrer: Einmal ist es der reine Speed. In der Formel 1 fährst du oft auf einer leeren Strecke, bist nur mit dir selbst beschäftigt. Natürlich ist der größte Unterschied, dass du in der DTM ein Dach über dem Kopf hast und du deine Vorderräder nicht siehst. Das Auto ist viel schwerer, was du vor allem in den Kurven merkst. Aber am Ende fühlt sich das Limit immer gleich an, egal, ob du mit 150 oder 250 in der Kurve bist. Deshalb kann sich jeder gute Rennfahrer auf ein Auto relativ schnell gut einstellen. Das andere ist das Rennenfahren. Das ist für viele Formel-Fahrer am Anfang gewöhnungsbedürftig. Wir können uns auch schon mal in die Kiste fahren, um zu überholen. Das ist für den Zuschauer interessant, macht es für uns aber unheimlich schwer. Wenn du keine Erfahrung im Tourenwagensport hast, musst du es erst lernen. Du musst ein Gefühl entwickeln, wo du den Vordermann treffen kannst, ohne das Auto groß zu beschädigen, und fair an dem Konkurrenten vorbeikommen.

...über die DTM als Lebensgrundlage: Ich kann davon leben, ja.

...über Druck: Es ist schwerer, als man denkt, seinen Platz zu behaupten. Du musst die Leistung von Jahr zu Jahr bestätigen. Hast du ein schlechtes Jahr, bist du meistens raus. Deshalb musst du mindestens dieselbe Leistung abrufen, wenn nicht sogar dich steigern. Ich war die letzten zwei Jahre der bestplatzierte Mercedesfahrer. Ich hatte damals nicht das Auto, um Meister werden zu können. Jetzt sind wir sind nahe dran an Audi. Ich hoffe, nächstes Jahr eine gute Chance zu haben.

...über einen Plan B: Meine Eltern haben einen Reifengroßhandel. Dort habe ich auch meine Ausbildung gemacht. Wenn ich wirklich mal ein paar Tage Zeit habe und zu Hause bin, bin ich auch in der Firma. Meine Eltern hatte ein großes Interesse, dass ich ein mir zweites Standbein aufbaue, falls es mit dem Motorsport nicht klappt, oder ich mich verletzte. Es gibt einen Plan B, aber momentan bin ich mit meinem Job zufrieden.

...über mehr Action auf der Strecke: Es ist ein schmaler Grad. Beim Nascar in den USA ist man mit hohen Geschwindigkeiten im Oval unterwegs. Wenn es kracht, dann richtig. Das Wünsche ich mir aus Fahrersicht nicht für die DTM. Bei uns fliegen die Teile auch, wir schieben uns jetzt aber nicht in die Mauern und ziehen die Einzelteile aus dem Auto raus. Wir sitzen in einem sicheren Auto, mit dem wir uns hart bekämpfen können. Das Verhältnis zwischen Fairness und hartem Kampf passt in der DTM vielleicht mehr als in jeder anderen Serie.

...über seine Liebe zum Fußball: Mein Lieblingsverein ist der FC Bayern, aber ich bin unheimlich oft in Dortmund im Stadion, weil dort die Zuschauer unheimlich tolle Stimmung machen. Dort bin ich auch Fußballfan geworden. Vorher hat es mich nicht wirklich interessiert. Ich finde aber einfach das Spiel der Bayern gigantisch cool. Zu sehen, wie die sich teilweise die Bälle zuspielen, macht riesig Spaß.

Quelle: RP
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