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IOC-Präsident in der Kritik
Athleten greifen Olympia-Verband an

Athleten greifen Thomas Bach und das IOC an
FOTO: Facebook
Düsseldorf. Das Internationale Olympische Komitee steht weiter in der Kritik. Claudia Pechstein fordert den Rücktritt von Präsident Thomas Bach. Der Umgang mit Dopingsündern ist dabei nicht das Einzige, was deutsche Sportler kritisieren. Von Gianni Costa und Patrick Scherer

Die Hilferufe werden immer lauter. Einige Athleten sind es leid, wie mit ihrem Sport umgegangen wird. Sie fühlen sich dem Internationalen Komitee (IOC) und auf nationaler Ebene dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ausgeliefert. Dabei geht es um Wettbewerbsgleichheit auf der einen und um finanzielle Interessen auf der anderen Seite.

29 Seiten umfasst ein Dokument, das der DOSB seinen Athleten Ende Januar zugesandt hat. Eigentlich soll der Leitfaden zur Aufklärung beitragen, wann und wie Olympia-Teilnehmer vom 27. Juli bis 24. August ihre sportlichen Leistungen für Werbezwecke einsetzen dürfen. Viele Sportler sind indes dadurch noch viel mehr verunsichert. Sprinter Sven Knipphals spickte eine kryptische Mitteilung bei Facebook mit zahlreichen Sternchen als Platzhalter und ergänzte sie mit einem Bild, das weder ihn noch seine Sportart zeigte.

Der Eintrag erreichte knapp 750.000 Menschen und erfuhr Unterstützung anderer Sportler. Hintergrund der Aktion: Der DOSB droht mit rechtlichen Schritten gegen Firmen, die keine offiziellen Sponsoren der Spiele sind und dennoch gängige Hashtags wie #Rio2016 und #OlympischeSpiele nutzen. Da Knipphals bei seinem letzten Wettbewerb vor Rio noch in Kleidung mit Logos seines Sponsors antrat, wollte er kein Risiko eingehen. Der 30-jährige Hannoveraner ist empört. "Das IOC soll nicht irgendeinen scheinheiligen Mist von olympischer Charta erzählen, sondern klar sagen, dass es sein Sponsoring schützen will", sagt er. Knipphals fordert, dass IOC und DOSB bei solchen Fragen die Sportler mit ins Boot holen, anstatt im Alleingang Entscheidungen zu fällen. "Das IOC macht sich die Taschen voll, und wir Sportler bekommen vom großen Kuchen nichts ab. Und dann darf mein kleiner Sponsor nicht mal eine Anzeige mit Glückwünschen für Rio in einer Lokalzeitung schalten."

Laut Knipphals sind einige deutsche Athleten verwirrt, was sie auf ihren sozialen Kanälen veröffentlichen dürfen und was nicht. "Das ist alles viel zu kompliziert. Am Ende schadet es doch der Veranstaltung, wenn die Sportler aus Unsicherheit ihre sozialen Kanäle gar nicht mehr bedienen", sagt der Leichtathlet. Der Düsseldorfer Sportanwalt Paul Lambertz findet die Vorgaben für die Athleten als "zu krasse Einschränkungen." Der Jurist, der unlängst Speerwerferin Katharina Molitor vertreten hat, fordert die Verbände auf, die Sportler einzubinden: "Es kann nicht sein, dass Athleten alle Rechte abgeben und nicht oder nur unzureichend an Einnahmen profitieren."

Auch die chinesische Geherin Liu Hong kann sich nun über den Umgang mit ihren sozialen Kanälen Gedanken machen. Trotz ihres Dopingfalles darf sie in Rio starten. Claudia Pechstein verlieh ihrem Unmut darüber Ausdruck und griff IOC-Präsident Thomas Bach an: "Ich fordere Sie auf: Entweder Sie greifen durch und regeln das im Sinne der Olympischen Idee und sperren die wirklichen Dopingsünder endlich weg, oder Sie übernehmen endlich mal Verantwortung und treten mit sofortiger Wirkung zurück", schrieb die 44-Jährige bei Facebook. Die Eisschnellläuferin war zwei Jahre zwischen 2009 und 2011 gesperrt, hatte Doping aber immer bestritten und scheiterte mit ihrer Klage vor dem Bundesgerichtshof.

Pechstein hatte in der vergangenen Woche schon die verbale Attacke von Robert Harting unterstützt. Der Diskuswerfer und Goldkandidat sagte nach der Entscheidung, russische Sportler doch in Rio starten zu lassen, in Richtung Bach: "Er ist für mich Teil des Doping-Systems, nicht des Anti-Doping-Systems. Ich schäme mich für ihn."

Quelle: RP
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