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Olympia 2016
Britischer "Goldrausch" in Rio: ... und schuld ist Tony Blair

Olympia 2016: Britischer "Goldrausch" in Rio: ... und schuld ist Tony Blair
Bahnrad-Gold: Das Quartett um Superstar Bradley Wiggins (rechts), der seinen fünften Olympiasieg feierte, bezwang im Finale Weltmeister Australien. FOTO: dpa, gh
Rio de Janeiro. Großbritannien räumt in Rio ab, sogar noch mehr als bei den Jahrhundertspielen in London 2012. Schuld am Goldrausch ist auch Tony Blair.

Am auffälligsten war es am vergangenen Sonntag. Gleich sechs Mal lief da in Rio de Janeiro "God save the Queen" vom Band, gleich sechs Mal wurde britischen Athleten Olympia-Gold um den Hals gehängt. Der historische "Super-Saturday" von London 2012 mit vier Olympiasiegen war ausgelöscht - vom "goldenen Sonntag".

Team GB ist schon wieder im Rausch. Wie vor vier Jahren, bei den Jahrhundert-Heimspielen. Der damalige "Goldrush" führte letztlich zu 29 Gold- und 65 Medaillen insgesamt - und auf Platz drei im Medaillenspiegel. In Brasilien stieß Großbritannien zwischenzeitlich sogar schon auf den zweiten Rang hinter die unantastbare Sport-Supermacht USA vor.

In der ersten Wettkampfwoche sammelten Tennis-Held Andy Murray, Radstar Bradley Wiggins, Profigolfer Justin Rose oder der neue Turn-Hero Max Whitlock sogar noch eine Plakette mehr als zu Hause (30:29). "Wir sind unserem Plan weit voraus", sagt Simon Timson, Leistungssportdirektor von UK Sport. Ziel waren 48 Medaillen, eine mehr als bei den bislang besten Übersee-Spielen 2008 in Peking. Es wird wohl spielerisch erreicht. Die "Gold-Bänke" in Taekwondo, Triathlon, Kanu oder beim Springreiten kommen noch.

Der Erfolg, sagte Timson, "ist kein Zufall, sondern geplant". Er ist das Ergebnis von fast 18 Jahren konsequenter, harter Arbeit - und dem Einsatz von jeder Menge Geld. "Schuld" daran ist der ehemalige Premierminister Tony Blair, der nach dem Desaster von Atlanta 1996 mit nur einmal Gold nicht weniger als eine Revolution lostrat. Seit 1997 wird Spitzensport über die Nationale Lotterie gefördert - für Murray, Wiggins und Co. ein immer voller Jackpot.

Für den Vierjahreszyklus bis Rio standen den Stars von den Inseln über 276 Millionen Pfund (340 Millionen Euro) zur Verfügung. Zum Vergleich: Von 2008 bis 2012 wurden "nur" 264 Millionen Pfund investiert. 75 Prozent des Geldes sind Lotto-Einnahmen, den Rest schießt der Staat zu. UK Sport entscheidet selbst, wer wie viel Geld bekommt - wenig medaillenträchtige Sportarten wie Tischtennis oder Basketball bekommen wenig bis nichts.

Doch Geld ist nicht alles. Mark England, seit den Winterspielen 2002 Chef de Mission, spricht von der besten Stimmung, die je im britischen Team geherrscht habe - das beflügelt. Das Trainingslager vor Rio in Belo Horizonte, bei dem nahezu alle Sportler dabei waren, habe die Mannschaft zusammengeschweißt. Der Guardian lobte die "Exzellenzkultur" im britischen Sport sowie eine "Intoleranz gegenüber Misserfolg".

Über Anti-Doping-Maßnahmen sprechen die Briten nicht so gerne. Bis vor Kurzem, sagte die deutsche Bahnradsprinterin Kristina Vogel, sei die Konkurrenz mit dem Union Jack noch "Kanonenfutter" gewesen. In Rio fährt sie wieder allen davon. "Ich will niemandem etwas unterstellen", sagte Vogel, "aber das ist schon fragwürdig. Ich habe keine Ahnung, wie die das machen."

(old/sid)
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