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"Einige Nüsse geknackt"
Freund erinnert an die guten alten Zeiten

Freund gewinnt erstes Springen in Oberstdorf
Freund gewinnt erstes Springen in Oberstdorf FOTO: dpa, fve nic
Bischofshofen . Die DSV-Adler haben bei der Vierschanzentournee endlich an alte Erfolge angeknüpft. Klar wurde aber auch: Hinter Severin Freund gibt es eine Lücke.

Severin Freund als Dauergast auf dem Podest, der Rausch von Oberstdorf als bleibende Erinnerung, aber aktuell kein zweiter Siegspringer in Sicht: Die DSV-Adler sind bei der 64. Vierschanzentournee so hoch geflogen wie seit Jahren nicht, rundum positiv fällt die Bilanz dennoch nicht aus. Denn klar wurde auch, dass im deutschen Team hinter Freund ein kleines Loch entstanden ist.

Überstrahlt wurde die Tournee aus deutscher Sicht zweifellos von Freunds famosen Leistungen. "Es waren viele tolle Momente dabei, Severin hat einige Nüsse geknackt. Bei uns überwiegt absolut das Positive", sagte Bundestrainer Werner Schuster. Vor allem der Traumstart mit dem ersten deutschen Triumph in Oberstdorf seit 13 Jahren sorgte für eine Euphorie, die bis zum Finale in Bischofshofen anhielt.

"Der Sieg in Oberstdorf mit dieser fantastischen Stimmung wird mir lange in Erinnerung bleiben", sagte auch Freund. Dabei hatte es nach dem ersten Durchgang so ausgesehen, als ob die Geschichte der Tournee-Enttäuschungen fortgesetzt würde. "Es war schwierig, die Tür zu durchstoßen. Der zweite Durchgang hat das Eis dann gebrochen, und danach flutschte es eigentlich ganz gut", sagte Schuster.

Fotos: Freund kommt im Probedurchgang zu Fall FOTO: dpa, jh mr

Das galt allen voran für Freund. "Es war wichtig, dieses schon fast herbeigeredete 'Tournee-Trauma' zu besiegen", sagte der dreimalige Weltmeister Jens Weißflog und behielt recht: Freund segelte nach dem ersten Tournee-Tagessieg seiner Karriere auch in Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck trotz eines Sturzes in der Probe auf das Podest. Sein Duell mit Peter Prevc um den Gesamtsieg beherrschte die Schlagzeilen.

Nach zahlreichen Tournee-Pleiten durfte auch Schuster aufatmen. "Ich möchte nicht von einer Genugtuung sprechen, eher von einer tiefen Befriedigung", sagt er. In den vergangenen Jahren hatte sein Team spätestens in Garmisch-Partenkirchen keine Chance mehr auf den Gesamtsieg gehabt, nun blieb er bis zum Schluss in Reichweite. "Die Tournee war spannend und so erfolgreich wie schon lange nicht mehr", sagte auch der ehemalige Tournee-Sieger Sven Hannawald.

Das lag allerdings fast ausschließlich an Freund. Die ebenfalls hoch eingeschätzten Richard Freitag und Andreas Wellinger zeigten zwar gute Leistungen, für das Podest reichte es aber nicht. "Richard ist eine Spur zu ungeduldig. Er sieht die Lücke nach vorne und möchte sie mit Gewalt schließen", sagte Schuster. Ähnliches gelte für Top-Talent Wellinger, der zumindest am Ende wieder besser in Schwung kam.

Eine überragende Tournee lieferte dagegen Andreas Wank ab, der vergangene Saison noch einen Großteil des Winters verpasst hatte. "Seit ich Bundestrainer bin, ist er dreimal hingefallen und dreimal wieder aufgestanden. Er ist ein toller Typ", sagte Schuster. Zudem zeigten Athleten wie Stephan Leyhe und David Siegel, aber auch "Oldie" Michael Neumayer, dass mit ihnen noch zu rechnen ist.

Unter dem Strich verließ das deutsche Team die Tournee somit endlich mit einem positiven Eindruck, auch wenn gar nicht so Vieles anders war als einen Winter zuvor. "Der Unterschied zum letzten Jahr war eigentlich nur Severins Leistung. Die letzte Tournee war auch gut, da hatten wir fünf unter den besten 15", sagte Schuster: "Nur war damals unser Bester auf Platz sechs - und das hat uns keiner gedankt."

(sid/cfk)
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