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Dieselskandal
Winterkorn wusste wohl früher von Abgas-Manipulation

Martin Winterkorn soll früher von Abgas-Manipulation gewusst haben
Martin Winterkorn war von 2007 bis 2015 VW-Chef. FOTO: dpa
Frankfurt/Hamburg. Der ehemals oberste Qualitätsmanager bei Volkswagen hat Martin Winterkorn belastet. Laut einem Medienbericht wurde der ehemalige VW-Chef früher als bisher behauptet über die Abgasmanipulation in den USA informiert.

Der Manager erklärte gegenüber deutschen und amerikanischen Ermittlern, er selbst habe am 21. Juli 2015 von einer illegalen Software erfahren, wie "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR berichteten. Er habe dann Winterkorn telefonisch am 27. Juli mitgeteilt, dass VW in den USA "beschissen" habe. Bei Volkswagen sei aber dann nichts geschehen.

Zeitpunkt ist entscheidend für Ermittler

Der Konzern äußerte sich mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht. Winterkorns Anwalt war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Winterkorn hat mehrfach ausgesagt, erst im September 2015 von den millionenfachen Abgasmanipulationen erfahren zu haben. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen Betrugs und eben Marktmanipulation - dem Vorwurf, die Anleger zu spät über die Abgasmanipulation unterrichtet zu haben.

Der Zeitpunkt, wann der VW-Chef nachweislich darüber informiert war, ist entscheidend für die Strafverfolger wie für klagende VW-Aktienanleger. Denn Volkswagen informierte erst am 22. September 2015 per Pflichtmitteilung über erste Rückstellungen wegen des Gesetzesverstoßes in den USA. Dieser war am 18. September bekannt geworden.

Auch gegen den jetzigen Aufsichtsratschef und damaligen Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch, der für die Herausgabe von ad-hoc-Mitteilungen zuständig war, wird wegen Marktmanipulation ermittelt.

Auf acht Milliarden Schadensersatz verklagt

Anleger haben Volkswagen auf insgesamt mehr als acht Milliarden Euro Schadensersatz verklagt, weil der Kurs der VW-Aktien schon am 21. September einbrach. Der frühere Vertraute von Winterkorn sagte nach dem Zeitungsbericht außerdem, er habe in einer Sondersitzung des von ihm geführten Produktsicherheitsausschusses am 24. August 2015 dem damaligen Entwicklungschef der Marke VW, Heinz-Jakob Neußer, gesagt, VW müsse wegen der Verstöße die Aktionäre informieren und Rückstellungen bilden.

Doch es sei nichts passiert. Neußers Anwältin Annette Voges erklärte, diese Aussagen seien für ihren Mandanten nicht relevant. Gegen Neußer werde nicht wegen Marktmanipulation ermittelt, zudem sei er als Entwicklungschef nicht für ad-hoc-Mitteilungen zuständig gewesen.

Der von "SZ", WDR und NDR zitierte Ex-Manager ist selbst in den USA wegen des Dieselabgasbetruges angeklagt und dem Bericht zufolge auch in Deutschland im Visier der Staatsanwaltschaft wegen Betrugs. Die Glaubwürdigkeit seiner Aussagen ist deshalb schwer zu beurteilen. "Man muss sie einer sorgfältigen Beweiswürdigung unterziehen, weil er selbst Beschuldigter ist", sagte Neußer-Anwältin Annette Voges.

(veke/REU)
 
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