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#Dieselgate
Elf Millionen Umweltsünder

VW und das #Dieselgate: Elf Millionen Umweltsünder
FOTO: RP/Schnettler
Wolfsburg/Düsseldorf. Nachdem die Krise bei VW anfangs eine amerikanische Affäre war, sind nun Millionen Autofahrer in der ganzen Welt betroffen - und sowieso zehntausende Aktionäre. Wir haben Fragen und Antworten zusammengestellt. Von B. Marschall, R. Kowalewsky, F. Rinke und B. Scholtes

Welche Autos sind davon betroffen? Es geht um elf Millionen Fahrzeuge mit einem Diesel-Motor Euro-5-TDI mit der internen Bezeichnung "EA 189". Bei ihnen gibt es laut VW "eine auffällige Abweichung zwischen Prüfstandwerten und realem Fahrbetrieb". Hinter der Typbezeichnung verbergen sich nach Auskunft des Unternehmens die 1,2 TDI / 1,6 TDI und 2,0 TDI-Dieselmotoren. Die wurden seit 2007 nach der Euro-5-Norm gebaut und dürften in Fahrzeugen nicht nur der Golf-Familie eingebaut sein. Allein in den USA hatte Volkswagen ja schon die Modelle Golf, Jetta, Beetle und Passat genannt. "Deshalb dürften weltweit auch einige Modelle der Schwestergesellschaften Seat, Skoda und Audi, hier wohl der A3, betroffen sein", glaubt Uwe Treckmann, Analyst der Commerzbank. Denn diese Motoren würden bei den kleineren Modellen in der sogenannten "Querbauweise" eingebaut.

Welche Wagen sind nicht tangiert? Seit dem 1. September 2014 gilt die strengere Abgasnorm Euro 6 bei der Typ-Prüfung für neue Pkw, seit Anfang dieses Monats müssen alle neu zugelassenen Fahrzeuge diese Norm erfüllen. Diese Autos sind von den aktuell bekannt gewordenen Manipulationen nicht betroffen.

Wird es eine Rückrufaktion geben? Das ist zu vermuten. VW arbeitet "mit Hochdruck" daran, die Abweichungen "mit technischen Maßnahmen zu beseitigen", erklärt das Unternehmen. 6,5 Milliarden Euro wurden zurückgestellt, um unter anderem "notwendige Servicemaßnahmen" zu finanzieren - das wären rund 700 Euro pro Wagen.

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Sind große Veränderungen an den Fahrzeugen nötig? Das ist nicht auszuschließen. Denn Volkswagen bereitet die Rückrufaktion in Koordination mit dem Kraftfahrtbundesamt vor. Und es geht ja darum, dass der Wagen auch wirklich die Kriterien erfüllt, die zur Zulassung führten. "Bei der Rückholaktion könnten nun andere Katalysatoren fällig sein", sagt Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen, "aber auch die Motorensteuerung per Software wird man sich genau anschauen müssen."

Erlischt die Betriebserlaubnis eines Wagens? Nein. "Die einzelne Betriebserlaubnis eines Autos erlischt nicht und es ist nicht zu befürchten, dass sich die steuerliche Einstufung ändert", heißt es beim Automobilclub von Deutschland (AvD).

Wie reagieren andere Länder? Aus-tralien verlangt von VW Aufklärung im Abgas-Skandal, Südkorea will Sondertests, in der Schweiz und Italien laufen Prüfungen - der Image-Gau für VW ist mindestens so groß wie der politische Schaden. Überall auf der Welt muss sich das Unternehmen nun rechtfertigen. Denn überall, wo Volkswagen auf den Straßen rollen, fragen sich die Länder aktuell: Warum sollten wir nicht auch betroffen sein?

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Soll man die Aktie verkaufen? "Der Absturz um rund 40 Prozent ist schon etwas heftig", sagt Ulrich Hocker, Präsident der Aktionärsschützervereinigung DSW, "spekulative Anleger könnten sich nun sogar überlegen, einzusteigen." Er verweist darauf, dass die stimmberechtigte Stammaktie dieses Jahr 4,80 Euro Dividende brachte, die Vorzugsaktie ohne Stimmrecht sogar 4,86 Euro. "Beim aktuellen Kurs bringt das ja fast fünf Prozent Dividendenrendite. Also wäre das eine lohnende Investition, sofern der Kurs nicht weiter wegrutscht."

Was bedeutet die VW-Affäre für die deutsche Industrie? Auf den ersten Blick geht es in dieser Affäre nur um den Auto-Konzern aus Wolfsburg, doch der Schaden reicht weit darüber hinaus. "Die Automobilbranche trägt in erheblichem Maße den deutschen Exporterfolg", sagt Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft. In der Branche arbeiteten 775.000 Menschen. "Deshalb ist das keine Lappalie für die deutsche Wirtschaft, sie ist in ihrem Herz getroffen." Langfristig könnte die VW-Affäre auch andere deutsche Exporteure treffen, glaubt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Denn letztlich beruhe Deutschlands Erfolg als Exportnation nicht auf billigen Preisen, sondern dem Qualitätsversprechen. Wenn deutsche Produkte in der Welt ihren guten Namen verlieren, könnte das am Ende die gesamte deutsche Wirtschaft treffen.

Wird es personelle Konsequenzen geben? Der Volkswagen-Konzern hat laut einem Zeitungsbericht die Krisensitzung seines Aufsichtsratspräsidiums vorgezogen. Das Gremium kam nicht erst am Mittwoch zusammen, sondern tagte bereits am Dienstagabend am Flughafen Braunschweig, berichtete die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" vorab. Unter Berufung auf Kreise des Aufsichtsrats hieß es, VW-Chef Martin Winterkorn habe wegen der Abgas-Affäre das Vertrauen großer Aktionäre verloren. Er stehe deshalb offenbar unmittelbar vor der Ablösung. Nach dem Ende der Sitzung wurde zunächst nichts bekannt über mögliche Beschlüsse. Das Treffen soll am Mittwoch fortgesetzt werden.

Quelle: RP
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