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Beisetzung in der Domstadt
Kardinal Meisner ist im heiligen Köln angekommen

Beisetzung von Kardinal Meisner in Köln
Beisetzung von Kardinal Meisner in Köln FOTO: dpa, ve cul
Köln . Mit einer Prozession und einer zweistündigen Trauerfeier im Hohen Dom zu Köln vor 4000 Gästen ist Alterzbischof Joachim Kardinal Meisner in der Bischofsgruft beigesetzt worden. Von Lothar Schröder

Das "hillige Köln" nimmt Abschied vom Alterzbischof - vom geliebten, ungeliebten Joachim Kardinal Meisner, der mit seinem Bistum derart ausdauernd fremdelte, dass daraus schon eine unausweichliche, tiefe Zuneigung zu sprechen schien. Köln nimmt Abschied, betend diesmal. Immer und immer wieder das Vaterunser, bis die Prozession von St. Gereon kommend den Hohen Dom erreicht. Auf Meisners eigenen Wunsch war er mehrere Tage dort, in der alten romanischen Basilika, aufgebahrt - mit Blick auf seine "Pfarrkirche", wie er den Dom gerne nannte.

Ex-Bischof von Limburg Tebartz-van Elst unter den Trauergästen

Kölns Abschied ist still, bewegend, berührend. Und lang ist die Prozession der zahlreichen Kardinäle, Bischöfe und Priester - unter ihnen überraschend auch der frühere Limburger Bischof Tebartz-van Elst. Auch kirchliche Verbandsvertreter, Burschenschaften und Schützenbruderschaften laufen mit. Politiker sind dabei, mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet an der Spitze. Und zum Schluss auch die Vertreter der vielen Karnevalsvereine. "Kölle uns Welt weed op dr Kopp jestelt" ist auf einer der bunten Fahnen zu lesen.

Wie nimmt man ein letztes Mal Abschied? Mit Worten? Die Predigt von Meisners Freund und Weggefährten, Peter Kardinal Erdö, dem Primas von Ungarn, verharrt im Persönlichen. Es ist die Begegnung mit einem jungen Priester, dem jungen, mutigen Bischof in der DDR und großen Marienverehrer.

Überraschenderweise war auch der ehemalige Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst unter den Trauergästen. FOTO: dpa, ve cul

Nach Pflicht klingendes Grußwort des Papstes

Bedeutsamer und sinnfälliger sind an diesem Vormittag aber die Grußworte der beiden Päpste: wie die kurze, allzu sehr nach Pflicht klingende Botschaft von Papst Franziskus. In seinen Worten, die der apostolische Nuntius, Nikola Eterovic, in Berlin vorliest, scheinen Meisners kritische Nachfragen an Franziskus doch Spuren hinterlassen zu haben.

Der Abschied des emeritierten Papstes Benedikt XVI. klingt wärmer, näher und vertrauter, auch liebender. Schließlich hatte Benedikt in Meisner einen unerschrockenen Mitstreiter im Kampf gegen die "Diktatur des Zeitgeistes", wie es im Dom heißt. Noch am Tag vor dem Tod des Alterzbischofs am 5. Juli hatten beide miteinander telefoniert. Dankbarkeit habe aus seiner Stimme geklungen, schreibt Benedikt. Der 83-jährige Meisner sei froh gewesen, sich ein wenig ausspannen zu können nach den Strapazen der zurückliegenden Tage. Noch am Sonntag zuvor hatte er an der Seligsprechung von Bischof Teofilus Matulionis in Vilnius mitgewirkt. Und nun ein kurzes Atemholen.

Aber auch dieses Unermüdliche und Rastlose kennzeichnet Meisner. "Wir wissen, dass es ihm, dem leidenschaftlichen Hirten und Seelsorger, schwerfiel, sein Amt zu lassen", schreibt Benedikt, genährt wohl auch aus der Erfahrung des eigenen Rücktritts, als der deutsche Papst spürte, dass die Kräfte nicht mehr ausreichten. 

Applaus für Benedikt

Sein Amt zu lassen! Und das zu einer Zeit, "in der die Kirche dringend überzeugender Hirten bedarf", so Benedikt. Da wird das Grußwort für einen kurzen Moment zur kirchenpolitischen Botschaft, zur Gegenwartsanalyse einer Kirche als Boot, das "fast schon zum Kentern angefüllt ist". Benedikts Worte werden von seinem Privatsekretär verlesen, Kurienerzbischof Georg Gänswein. Dafür gibt es ungewöhnlicherweise Applaus im Dom; und wie es scheint für die Worte und den Vortragenden.

Georg Gänswein verlas ein Grußwort des emeritierten Papstes Bendedikt während des Gottesdienstes. FOTO: dpa, fg

Aus Meisners geistlichem Testament ist viel zitiert worden. Und es wurde auch gestaunt, etwa über seinen Treueaufruf für den Papst: "Haltet immer zum Papst, und ihr werdet Christus nicht verlieren", heißt es darin. Auch das hat - wie vieles andere im 83-jährigen Leben des Alterzbischofs - einen biografischen Hintergrund: sein Leben in drei gesellschaftlichen Systemen. Zwölf Jahre im Hitlerreich. 44 Jahre unter der Herrschaft des kirchenfeindlichen Kommunismus. Schließlich über 20 Jahre ein Leben in der freiheitlichen Demokratie. Und in all diesen kontrastreichen Lebensepochen habe ihm der Dienst des Papstes "immer Orientierung, Ermutigung und Beistand" geschenkt. 

4000 Gäste beten still

In den vergangenen zehn Tagen ist lange, intensiv Abschied genommen worden. Allein mit dem aufgebahrten Leichnam schien es Woelki, als würde Meisner noch einmal zu den Menschen predigen. Der letzte Weg dieses Abschieds wird dann kurz zwölf Uhr angetreten: mit der Beisetzung des betont schlichten und während der Trauerfeier unter der Vierung stehenden Eichensargs in der Bischofsgruft. Zehn Erzbischöfe haben vor Meisner hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Sein Sarg wird gegenüber der Grablege von Josef Kardinal Frings (1887-1941) bestattet. Es ist sehr leise im Dom mit den 4000 betenden Trauergästen.

Und noch einmal das  Vaterunser. Betend ist auch Kardinal Meisner gestorben. Das Brevier war aus seinen Händen geglitten. Ein Sterben "mit Blick auf dem Herrn", schreibt Benedikt. Zum Schluss zitiert Kardinal Woelki dann jene berühmten Worte, die Meisner 1987 auf dem Katholikentreffen in Dresden gesprochen hat - diesmal aber mit Blick auf die rheinische Domstadt: "Wir wollen hier in Köln keinem anderen Stern folgen als dem von Bethlehem."

Jetzt endlich im heiligen Köln angekommen

Meisner hat an Köln und an die Kölner längst nicht alles geschmeckt, wie er es von Zeit zu Zeit ja auch unmissverständlich verlauten ließ. Gefallen hat ihm dann aber doch der romtreue Ehrentitel seiner Bischofsstadt: "Sancta Colonia Dei Gratia Romanae Ecclesiae Fidelis Filia", Heiliges Köln, von Gottes Gnaden der Römischen Kirche getreue Tochter. Und bei seiner Emeritierung vor drei Jahren hatte Kardinal Meisner noch einmal ein für ihn typisches und spätes Köln-Bekenntnis abgegeben: "Da wo man nicht hin will, da ist man richtig." Nach seinem langen Lebens- und Glaubensweg, so scheint es, ist Alterzbischof Joachim Kardinal Meisner jetzt im heiligen Köln angekommen.

Lesen Sie hier einen Nachruf auf Kardinal Joachim Meisner: "Jeder hat den Segen verdient"

 
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