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Volleyball Sportgeschichten (86)
Die Koffer bleiben jetzt im Schrank

Dormagen. Nach Jahrzehnten als sportlicher Weltenbummler und einem Leben aus dem Koffer ist Volleyballtrainer Gerald Maronde inzwischen beim TSV Bayer Dormagen heimisch geworden. Am Höhenberg möchte der 54-Jährige nun für professionelle Strukturen im Jugendbereich sorgen. Von Hendrike Gierth

Gerald Maronde ist in seinem Leben schon viel herumgekommen. Tausende von Flugmeilen und Autokilometer hat der 54-Jährige auf seinem Tacho - einige seiner Ziele: Australien, Peking, Fuerteventura, Teneriffa und in Deutschland vor allem Kiel. "Ich bin jahrelang in der Weltgeschichte herumgereist und habe aus dem Koffer gelebt", sagt Maronde rückblickend. Als Nationaltrainer von Australien und als Beachtrainer zweier deutscher Topteams hat er sich dabei in der Volleyballszene einen Namen gemacht.

Dieses Leben gehört nun aber der Vergangenheit an: Der international-erfahrene Volleyballtrainer ist mit seiner Familie in Mönchengladbach wieder sesshaft geworden und hat beim TSV Bayer Dormagen eine neue sportliche Heimat gefunden. Als Sportlicher Leiter kümmert er sich dort vorrangig um den Jugendbereich und sorgt für professionelle Strukturen. "Ich möchte mein Wissen an die Trainer weitergeben und das Training an den neuesten Standards ausrichten", sagt Maronde.

Und mit einem Blick auf seine Vita wird schnell klar, dass Maronde über ein sehr umfangreiches Fachwissen verfügt: Schon während seines Studiums an der Sporthochschule Köln arbeitete er als Volleyballtrainer im Damen- und Herrenbereich, 1995 verschlug es ihn dann nach Australien, wo er als Nationaltrainer der Herren anheuerte. "Ich hatte schon immer den Traum, nach Australien zu gehen", sagt der 54-Jährige, "während eines längeren Urlaubes habe ich dann dort Kontakte zu Spielern und Trainern geknüpft." Zwei Jahre lang war er für die Geschicke der australischen Volleyballer verantwortlich, führte sie 1997 zur Bronzemedaille bei den Asien-Spielen, was zum damaligen Zeitpunkt der größte Erfolg in der Geschichte des australischen Volleyball-Verbandes war. Danach zog es den Diplomsportlehrer für ein kurzes Intermezzo zurück nach Deutschland, wo er in Bottrop in der Ersten und Zweiten Bundesliga arbeitete, ehe es ihn 2001 erneut für zwei Jahre nach Australien verschlug - dieses Mal als Co-Nationaltrainer der Frauen. Aus familiären Gründen - unter anderem die Geburt von Tochter Zoe - brach Familie Maronde dann 2003 ihre Zelte in Down Under ab und zog zurück nach Deutschland.

Das Reisen sollte damit aber kein Ende finden - im Gegenteil: Gerald Maronde wagte einen neuen Schritt, übernahm mit David Klemperer/Eric Koreng und Okka Rau/Stephanie Pohl zwei ambitionierte Beachvolleyball-Teams, mit denen er unter anderem 2008 den Sprung zu den Olympischen Spielen nach Peking schaffte. Das Problem dabei: Die Beachduos waren beide im Hohen Norden Deutschlands beheimatet, so dass Maronde ständige zwischen Gladbach und Kiel pendelte und wieder viel aus dem Koffer lebte. "Wir haben viel in Blöcken trainiert und ansonsten die Trainingsinhalte und Anweisungen in Medienkonferenzen geklärt", erklärt Maronde die Vorgehensweise, "zudem haben wir zwischen Dezember und Februar für die Vorbereitung einige Trainingslager absolviert, ehe die Reisen zu den Turnieren anstanden".

Besonders in Erinnerung geblieben ist Maronde dabei die Reise nach Peking zu den Olympischen Spielen. Zwar war der 54-Jährige nicht direkt im Olympischen Dorf untergebracht, hatte aber uneingeschränkten Zugang. "Das war ein unglaubliches Erlebnis, all die anderen Sportler zu treffen und ein Teil von Olympia zu sein", sagt Maronde. Und auch sportlich lief es für die deutschen Beachduos gut: Nach Lospech schieden die Frauen im Achtelfinale aus, die Herren kamen sogar bis ins Viertelfinale, wo sie den späteren Olympiasiegern aus Amerika Todd Rodgers und Philip Dalhausser ein heißes Duell lieferten, ehe sie verloren.

Noch bis 2015 coachte Maronde unterschiedliche Beachduos, arbeitete zwischenzeitlich auch noch in Wien für den österreichischen Beachverband als Verbandstrainer, ehe er dann endgültig dem Leistungssport den Rücken kehrte. "Dieses Kapitel habe ich zu den Akten gelegt", sagt der 54-Jährige, "jetzt freue ich mich auf ein langfristiges Engagement beim TSV". Mit dem Ziel, leistungsorientierten Volleyball zu spielen und den Spielerinnen wenn möglich das "Siegergen" einzupflanzen.

Quelle: NGZ
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