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Hurrikan "Irma" verwüstet Karibikinseln
Kuba bringt 36.000 Urlauber in Sicherheit

Hurrikan Irma: Karibik-Inseln Barbuda und Saint-Martin völlig verwüstet
Marigot. Mindestens sechs Menschen sind durch Hurrikan "Irma" in der Karibik bereits ums Leben gekommen. Die Inseln Barbuda und Saint-Martin wurden fast völlig zerstört. Im Süden Floridas und auf Kuba laufen die Evakuierungsmaßnahmen auf Hochtouren.

Die Insel Barbuda sei "total zerstört", teilte Regierungschef Gaston Browne mit. Fast jedes Gebäude auf der Insel sei beschädigt worden, rund 60 Prozent der 1400 Bewohner sei nun ohne Obdach. Auch Straßen und Telekommunikation seien zerstört. 

Zu den Todesopfern gehört auch ein zwei Jahre altes Kind. Es sei auf Barbuda ums Leben gekommen, als seine Familie während des Sturms versucht habe, das beschädigte Haus zu verlassen.

Kein Trinkwasser 

Auch der französische Teil der Karibikinsel Saint-Martin sei zu 95 Prozent zerstört, sagte der Präsident des Gebietsrates, Daniel Gibbs, dem Rundfunksender Radio Caraïbes International nach dem Durchzug von "Irma". "Das ist eine enorme Katastrophe", sagte Gibbs. Er stehe "unter Schock", es sei erschütternd. Dort kamen nach Behördenangaben mindestens vier Menschen ums Leben. Zuvor war von acht Toten die Rede.

Hurrikan "Irma": Schwere Verwüstung auf Karibikinsel Barbuda FOTO: dpa, RE hjb

Der Präfekt von Guadeloupe nannte die Lage auf Saint-Martin "dramatisch". Es gebe kein Trinkwasser und keine Stromversorgung mehr. Frankreich schickte Notfallrationen an Nahrungsmitteln und Wasser auf die Insel St. Barths, wo "Irma" Dächer von den Häusern gerissen und die Stromversorgung gekappt hatte.

Erste Hilfsversorgung aus Frankreich und den Niederlanden 

Überseeministerin Annick Girardin traf mit 120 Rettern auf Guadeloupe ein. Sie wolle sich später in das vom Hurrikan "Irma" verwüstete Krisengebiet begeben, kündigte die Ressortchefin in Pointe-à-Pitre an. Der extrem starke Sturm habe "äußerst bedeutende Schäden" verursacht. Frankreich will die Krisenhilfe vom Überseedépartement Guadeloupe aus steuern.

Auch die niederländische Marine schickte zwei Schiffe mit Einsatzkräften und Hilfsmaterial nach Sint-Maarten. Sint-Maarten und das französische Saint-Martin bilden zusammen eine Insel. "Das Krankenhaus ist nur eingeschränkt geöffnet, die Feuerwehr stark getroffen, und der Hafen steht nicht zur Verfügung", sagte Leutnant Egbert Stoel.  

Die niederländischen Militärs wollten zunächst den Flughafen der Insel frei räumen, um Hilfstransporte zu ermöglichen. In Den Haag sollte am Morgen ein Krisenstab der Regierung über weitere Hilfen entscheiden. Ministerpräsident Mark Rutte und König Willem-Alexander und seine Frau Máxima sprachen der Bevölkerung auf Facebook ihr Mitgefühl aus.  

Macron: Schäden sind erheblich 

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte seine Landsleute zuvor darauf vorbereitet, dass es Opfer durch den Wirbelsturm geben werde. Die Bilanz des Wirbelsturms werde "hart und grausam" sein, "wir werden Opfer zu beklagen haben", sagte Macron am Mittwochabend nach einem Besuch beim Krisenstab des Innenministeriums in Paris. Die materiellen Schäden auf den Inseln Saint-Barthélémy und Saint-Martin seien "erheblich", fügte er hinzu.

Der Wirbelsturm hatte am Mittwoch die Insel Barbuda erreicht. Rund anderthalb Stunden verweilte das Auge des als "potenziell katastrophal" eingestuften Hurrikans der höchsten Stufe fünf über der beim internationalen Jet-Set beliebten Insel Saint-Barthélemy, dann zog der Sturm zu der zwischen Frankreich und den Niederlanden geteilten Insel Saint-Martin.

Am Donnerstag könnte er den nördlichen Teil der Dominikanischen Republik und Haiti treffen, dann über den Osten Kubas ziehen, wo in sieben Provinzen der Notstand galt, bis er auf Florida treffen würde.

Die kubanischen Behörden brachten am Donnerstag Tausende Touristen in Sicherheit. Mehr als 36.000 Menschen werden von der besonders gefährdeten Nordküste an sicherere Orte gebracht, wie das staatliche Fernsehen berichtete. Die ausländischen Touristen sollen in anderen Hotels untergebracht werden, kubanische Urlauber werden nach Hause geschickt. "Irma" sollte in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) Kubas Nordküste streifen.

Hurrikan Irma rast auf Florida zu FOTO: afp

Notunterkünfte für 62.000 Menschen 

In der Nacht bewegte sich das Auges des Sturms nördlich von Puerto Rico mit 26 Stundenkilometern Richtung West-Nordwest. Auch in dem US-Außengebiet war die Lage dramatisch: Mehr als die Hälfte der rund drei Millionen Einwohner war ohne Strom. Flüsse traten über ihre Ufer, Bäume knickten um.

Gouverneur Ricardo Rossello forderte die Nationalgarde an und ließ Notunterkünfte für rund 62.000 Menschen öffnen. US-Präsident Donald Trump hatte den Notstand für Puerto Rico, die Virgin Islands und Florida ausgerufen. Die Aussichten seien "nicht gut", sagte er. 

Vorbereitung in Florida 

In Miami in Florida bereiteten sich die Menschen auf die Evakuierung vor. Anwohner verbarrikadierten ihre Häuser, Supermärkte wurden regelrecht leer gekauft, an Tankstellen bildeten sich lange Warteschlangen. Die Behörden gaben an Verteilzentren kostenlos Sandsäcke aus. 

Der Gouverneur des US-Staats Florida, Rick Scott, mahnte, das Ausmaß des Hurrikans ernstzunehmen und den Evakuierungsanweisungen der Behörden zu folgen. Es bestand die Gefahr, dass "Irma" direkt auf die Millionenstadt Miami trifft.

Auch Experten befürchten, dass "Irma" über Floridas gesamte Ostküste von Miami bis Jacksonville hinwegfegen und dann nach Savannah in Georgia sowie North und South Carolina ziehen und somit dicht bevölkerte Gebiete treffen könnte. Die Gouverneure von Georgia und South Carolina, Nathan Deal und Henry McMaster, riefen den Notstand aus.

37 Millionen Menschen betroffen 

Noch bevor der Sturm mit einer Ausdehnung von der Größe Frankreichs auf Land traf, hatte ihn das Nationale Hurrikanzentrum (NHC) der USA auf die höchste Kategorie fünf hochgestuft. Damit ist "Irma" noch stärker als "Harvey", der Ende August die US-Bundesstaaten Texas und Louisiana heimsuchte. Mit mehr als 33 Stunden auf Kategorie fünf eingestuft, ist "Irma" nach Angaben französischer Fachleute auch der längste jemals beobachtete Wirbelsturm einer solch großen Stärke.

Das US-Repräsentantenhaus gab am Mittwoch staatliche Hilfen im Volumen von 7,85 Milliarden Dollar (rund 6,6 Milliarden Euro) für die vom Hurrikan "Harvey" betroffenen Katastrophengebiete frei. Nach Schätzungen der UN könnten rund 37 Millionen Menschen von "Irma" betroffen sein. 

(beaw/AFP/ap)
 
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