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Mittelmeer
Vier Flüchtlingskinder ertrinken vor griechischer Insel

Fotos: Flüchtlinge aus Budapest kommen in München an
Fotos: Flüchtlinge aus Budapest kommen in München an FOTO: dpa, shp fdt
Athen. In der östlichen Ägäis hat sich ein weiteres Flüchtlingsdrama abgespielt: Beim Untergang eines Bootes sind drei Mädchen und ein Junge ums Leben gekommen.

Die griechische Küstenwache konnte elf Männer und zwei Frauen vor der kleinen griechischen Insel Kalolimnos retten, die im selben Boot gesessen hatten, wie die Behörde am Samstag mitteilte. Eine Frau, ein Mann sowie ein neunjähriger Junge wurden noch vermisst. Die Nationalität der Flüchtlinge war zunächst nicht bekannt.

Die ertrunkenen Kinder waren den Angaben zufolge drei Mädchen im Alter von fünf, neun und 16 Jahren sowie ein zweijähriger Junge. Die Ursache für das Unglück war zunächst nicht bekannt.

Bei der Überfahrt vom türkischen Festland zu den nahe gelegenen griechischen Inseln in der östlichen Ägäis kam es schon in der Vergangenheit immer wieder zu tödlichen Havarien. Oftmals setzen Menschenschmuggler die Flüchtlinge in überfüllte oder seeuntüchtige Boote. Nach geglückter Ankunft im EU-Land Griechenland setzen viele ihre Flucht über den Balkan Richtung Westeuropa fort.

Ungarn führt Kontrollen an Grenze zu Slowenien ein

Ungarn führt nun auch vorübergehend Kontrollen an der Grenze zum Nachbarland Slowenien ein, um eine Einreise von Flüchtlingen zu verhindern. Das sagte Ungarns Außenminister Peter Szijjarto am Samstag. Grund sei, dass Kroatien Flüchtlinge und Migranten nach Slowenien bringe.

In der Nähe der slowenisch-ungarischen Grenze bei Redics seien am Samstagmorgen drei Busse mit insgesamt 150 Flüchtlingen angekommen, sagte György Bakondi, Sicherheitsberater des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban.

Die Reise aus dem östlichen Teil Sloweniens in Richtung Österreich über den Umweg Ungarn kann wegen der günstigeren Straßen- und Autobahnverbindungen attraktiv erscheinen. Die meisten Flüchtlinge wollen nach Österreich oder nach West- und Nordeuropa reisen.

Ungarn hatte in der Nacht zum Samstag seine mehr als 300 Kilometer lange Grenze zu Kroatien dichtgemacht. Deshalb leitet Kroatien jetzt Flüchtlinge und Migranten in Richtung slowenischer Grenze weiter.

Kroatien, Ungarn und Slowenien sind alle EU-Mitglieder. Aber nur Ungarn und Slowenien traten bereits dem Schengen-Abkommen für einen freien Reiseverkehr zwischen den Mitgliedsländern bei. Deshalb plant Ungarn keinen Grenzzaun zu Slowenien. Dies würde dem Schengen-Abkommen zuwiderlaufen, sagte Außenminister Szijjarto.

Innerhalb des grenzkontrollfreien Schengen-Raums sind Pass-Überprüfungen und Absperrungen an den Grenzen nur in gravierenden Ausnahmefällen und vorübergehend erlaubt. Vor einem Monat hatte Ungarn bereits seine 175 Kilometer lange Grenze zu Serbien abgeriegelt. Serbien gehört weder zur EU noch zur Schengen-Zone.

Von der Leyen stellt sich hinter Merkel

Unterdessen hat sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in der Flüchtlingsdebatte hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel gestellt. Die Bewältigung des Zustroms sei anstrengend, aber zu schaffen, sagte von der Leyen beim Deutschlandtag der Jungen Union am Samstag in Hamburg. Dazu gehöre aber auch eine europäische Gemeinschaftsleistung und die internationale Bekämpfung der Fluchtursachen, zum Beispiel in Afghanistan, Mali und Syrien. Zugleich trat von der Leyen Sorgen entgegen, dass die hohe Zahl der Flüchtlinge Deutschland zwangsläufig verändern werde. Der Flüchtlingsstrom sei kein Grund, "an unseren Werten irgendetwas zu verändern", betonte die CDU-Politikerin.

(ap)
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