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Zwölf Tote beiExplosion im Januar
IS steckt offenbar hinter Anschlag auf Deutsche in Istanbul

Infos: Historie von Attentaten in Istanbul
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Berlin . Bislang war unklar, wer für den Selbstmordanschlag auf eine deutsche Reisegruppe in Istanbul im Januar dieses Jahres verantwortlich war. Einem Zeitungsbericht zufolge war die Attacke nicht das Werk eines Einzeltäters.

Der Attentäter Nabil Fadli habe offenbar von Mitgliedern der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) Anweisungen erhalten, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Montag unter Berufung auf türkische Justizunterlagen. Diese erlaubten eine Rekonstruktion des Attentats, bei dem zwölf Deutsche starben.

Dem "SZ"-Bericht zufolge halten die türkischen Behörden das IS-Mitglied mit dem Decknamen Omar Ebu Abid für den Auftraggeber des Attentats. Der flüchtige Verdächtige wird in der Anklageschrift als Auslandschef der IS-Miliz bezeichnet und im Irak vermutet. Drei weitere IS-Mitglieder sollen geholfen haben, Fadli und die Bombe in die Türkei zu schmuggeln.

Offiziell hat sich bislang niemand zu dem Attentat bekannt. Bei dem Prozess gegen die Hintermänner des Attentats stehen derzeit insgesamt 26 Männer in Istanbul vor Gericht. Die Vorwürfe reichen von illegalem Sprengstoffbesitz über Mitgliedschaft in einer Terrororganisation bis hin zu Beihilfe zum Mord.

Jeder kleine Schritt war genau abgesprochen

Laut den türkischen Justizunterlagen hatte der Attentäter Fadli in Syrien für die IS-Miliz gekämpft, bevor er am 18. Dezember 2015 in die Türkei kam. Dem Zeitungsbericht zufolge bereitete Fadli das Attentat genau vor und besuchte mindestens dreimal den späteren Anschlagsort nahe der Blauen Moschee. Demnach erwog er auch einen Anschlag auf andere bei Touristen beliebte Orte wie den Taksim-Platz oder die Einkaufsstraße Istiklal. Die rekonstruierte Handy-Kommunikation zeigt der "SZ" zufolge, dass jeder noch so kleine Schritt offenbar mit dem Auftraggeber Abid abgesprochen worden sei.

Fadli hatte sich am Vormittag des 12. Januar auf dem Istanbuler Sultanahmet-Platz inmitten einer deutschen Touristengruppe in die Luft gesprengt. Hinweise, dass er es gezielt auf Deutsche abgesehen hatte, gibt es bislang keine.

Die Tat gilt wie eine Reihe weiterer Anschläge als gezielter Schlag der Dschihadisten-Gruppe gegen den türkischen Tourismus. Im März riss ein Selbstmordattentäter auf einer beliebten Istanbuler Einkaufstraße vier ausländische Touristen aus Israel und dem Iran mit in den Tod. Am 28. Juni starben bei einem dreifachen Selbstmordattentat auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen mindestens 47 Menschen, darunter mindestens 13 Ausländer. Mehr als 200 Menschen wurden verletzt. Die Regierung in Ankara macht auch in diesem Fall den IS verantwortlich.

(felt/AFP)
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